Jacques Demy

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Ausnahme des französischen Films: Jacques Demy
Jacques Demy
Geboren: 05.06.1931 in Pont-Château, Frankreich
Gestorben: 27.10.1990 in Paris, Frankreich

"Seine Filme sind von der Kindheit inspiriert. Er hat die Alltagserlebnisse von damals nachempfunden, sie in Farbe, Musik und Lieder umgesetzt, also in imagninäre Filmbilder verwandelt. Sie sind sehr genaue Zeitzeugnisse aus dem provinziellen, arbeitsamen, singfreudigen Frankreich jener Tage. Sie sind aber auch sehr stark von den sozialen Auseinandersetzungen geprägt, von den Arbeitskämpfen auf den Werften in Nantes und St. Nazaire", sagt die Filmemacherin Agnès Varda über ihren Mann, den verstorbenen Jacques Demy. Ihm widmet sie 1991 ein Spielfilm-Porträt namens "Jacquot".

Demys Stil ist eher klassisch: Er erzählt seine Geschichten chronologisch, auch in den Filmen, in denen er die Handlung ganz in Gesang und Tanz auflöst, wie in "Die Regenschirme von Cherbourg" (1963): November 1957. Bunte Regenschirme auf den Straßen von Cherbourg. Die Braut eines Tankwarts ist schwanger, doch er muss zum Militärdienst, ist zwei Jahre weg. In der Zwischenzeit wirbt ein Diamantenhändler aus Hamburg um sie und heiratet sie. Als Guy verwundet zurückkehrt und von dem Dilemma erfährt, beginnt er zu trinken...

Jacques Demy erzählt seine Geschichte als Singspiel. Alle Dialoge und Gedanken werden gesungen, doch nicht emotional aufgeladen, sondern unterkühlt. Das gibt der melodramatischen Geschichte einen seltenen Reiz. Ebenso gestaltet ist der Traum zweier Zwillingsschwestern von der großen Liebe in "Die Mädchen von Rochefort" (1967). Auf ähnliche Weise verfährt Demy 1982 mit einem realistischen Stoff in "Ein Zimmer in der Stadt": Die Liebesgeschichte zwischen einem jungen Werftarbeiter und der verheirateten Tochter eines verarmten Adligen - angesiedelt vor dem politisch-sozialen Hintergrund eines Werftarbeiterstreiks in Nantes 1955 - verarbeitet Demy gemeinsam mit dem Komponisten Michel Colombier zu einem melodramatischen Musikgedicht. Die konsequente musikalische Form, die an Oratorien erinnert, und das erfolgreiche Bemühen, Privatstory und schwerwiegende Zeitgeschichte in der Schwebe zu halten, zeigen Demys künstlerische Kraft und Vielfalt. Die musikalische Form gibt "Ein Zimmer in der Stadt" etwas Makabres, etwa wenn die mit Knüppeln auf Streikende eindreschenden Polizisten ins Megaphon singen.

Erzogen wird Jacques Demy an der Ecole des Beaux-Arts in Nantes und an der Ecole Technique de Photographie et de Cinématographie in Paris. Danach arbeitet er bei Regisseur Paul Grimault bei Animationsfilmen mit, dreht selbst die Kurzfilme "Le sabotier du val de Loire" (1955), "Le bel indifférent" (1957) nach Jean Cocteau und "Ars" (1958). Außerdem assistiert er bei Georges Rouquier. Seinen ersten Spielfilm "Lola, das Mädchen aus dem Hafen" (1960) will Demy bereits als Musical inszenieren, doch dafür fehlen die Mittel.

"Lola" ist ein Film von eigenartigem Reiz. Unverkennbar ist das Vorbild Max Ophüls, dem der Film gewidmet ist. Es geht um Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit einer Tänzerin (Anouk Aimée. Demy springt nicht mit den Zeiten, nutzt keine Rück- und Vorblenden, er stellt ganz einfach um Lola herum eine Reihe von Figuren, die die verschiedenen Zeiten repräsentieren. Dabei kommt ein sehr eigenwilliger, zwischen Realismus und Romantik pendelnder Film heraus. Wegen seiner Einfachheit und Eigenwilligkeit nimmt man ihm auch das Happy End nicht übel, kommt es doch durch den Prinzen im weißen Luxusauto so dick und überdeutlich daher, dass schon wieder eine leise Ironie zu spüren ist.

Der Erfolg seines nächsten Films, der heiteren Romanze "Die blonde Sünderin" (1962) mit Jeanne Moreau führt dazu, dass Demy seine Musicals drehen kann. Der Film mit Moreau ist eine faszinierende Spielergeschichte: Eine Frau mit ausgeprägter Rouletteleidenschaft trifft mit einem jungen Bankbeamten zusammen. Später, als das nächste Musical floppt, hat Demy mit einer Fortsetzung von "Lola" unter dem Titel "Das Fotomodell" (1968) noch einmal großen Erfolg. Andere Filme wie "Eselshaut" (1970), eine Adaptation von Charles Perraults Märchen mit Catherine Deneuve und Jean Marais und "Pied Piper" (1971), das Märchen vom Rattenfänger von Hameln als bittere Mittelalter-Satire mit Donovan waren dem Publikum offensichtlich zu intellektuell.

Ein sensibel inszenierter Film ist schließlich auch "Lady Oscar" (1978), die Geschichte einer jungen Frau im Frankreich des 18. Jahrhunderts, die von ihrem Vater zum fechtgewandten "Mann" erzogen wird. Lady Oscar wird Captain der königlichen Leibgarde, beschützt Marie-Antoinette und wird zur Anhängerin der Revolution. 1973 entsteht der Film "Hilfe, mein Mann ist schwanger", die Geschichte des ersten schwangeren Mannes, die weitgehend auf vordergründige Reize beschränkt bleibt. Man begegnet Demy auch als Darsteller in einigen Filmen seiner Freunde, so in "Sie küssten und sie schlugen ihn" (1959) von François Truffaut und in Jacques Rivettes "Paris gehört uns" (1961).


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