Anouk Aimée

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Ein Superstar des französischen Kinos: Anouk Aimée
Fotoquelle: cinemafestival/shutterstock.com
Françoise Sorya Dreyfus
Geboren: 27.04.1932 in Paris, Frankreich

Sie ist eine der ganz großen Stars des französischen und des europäischen Kinos: Anouk Aimée, Tochter des Schauspielerpaars Geneviève Sorya und Henry Murray. Bereits im Alter von 13 Jahren gab sie ihr Filmdebüt, doch erst die Hauptrolle in André Cayatte Liebesdrama "Die Liebenden von Verona" an der Seite von Serge Regianni und Pierre Brasseur machte Anouk Aimée einem breiteren Publikum bekannt. Danach besetzte Ronald Neame die junge Schöne in seinem Abenteuer "Der goldene Salamander" (1950, mit Trevor Howard) und als Prostituierte sah man sie in Harold Frenchs Georges Simenon-Verfilmung "Der Mann, der sich selbst nicht kannte" (1953, mit Claude Rains).

Unter der Regie von O. W. Fischer spielte Anouk Aimée 1953 erstmals auch mit "Ich suche dich" in einem deutschen Film, in Rudolf Jugerts Drama "Nina" war Karlheinz Böhm ihr Filmpartner und neben Wolfgang Preiss sah man sie in Alfred Brauns Biografie "Stresemann" (1957). Julien Duvivier gab ihr danach eine Rolle in seiner Zola-Adaption "Immer wenn das Licht ausgeht" (1957) neben dem damaligen Superstar Gérard Philipe, mit dem sie auch in "Montparnasse 19" von Jacques Becker vor der Kamera stand. 1958 folgte das ausgezeichnete Melodram "Mit dem Kopf gegen die Wände" in dem Anouk Aimée mit Jean-Pierre Mocky vor der Kamera stand, der sie daraufhin in seinem Regiedebüt "Die nach Liebe hungern" (1959) besetzte. Mocky zeigte eine schamlose Jugend in einem Paris, das offensichtlich nur von nach körperlicher Liebe dürstenden Mädchen bevölkert ist.

Und dann der Film, der Anouk Aimée einem breiten Publikum bekannt machen sollte: Italiens Star-Regisseur Federico Fellini besetzt sie in seinem Klassiker "Das süße Leben" an der Seite von Marcello Mastroianni und Anita Ekberg. Fellinis Werk sollte stillbildend werden, für Aimée ein weiterer Schritt auf dem Weg nach oben. Ihre darstellerische Kraft in der Rolle der melancholisch-rätselhafter Frau war auch so überzeugend, dass sie Fellini 1962 in "Achteinhalb" erneut besetzte. Zuvor spielte sie allerdings noch in Philippe de Brocas Komödie "La Farceur" (1960) die Hélène Laroche, die es mit dem von Flirt zu Flirt eilenden Jean-Pierre Cassel zu tun bekommt. Erneut großes Aufsehen erregte auch ihre Rolle als Nachtklubsängerin Lola in Jacques Demys "Lola, das Mädchen aus dem Hafen" (1960).

Foto: arte Mit Vittorio De Sicas "Das jüngste Gericht findet nicht statt" folgte 1961 eine weitere Komödie, "Bevor das Licht verlöscht" von Alberto Lattuada war ein Thriller mit Tomas Milian und "Sodom und Gomorrha" ein Bibelfilm von Robert Aldrich und Sergio Leone, in dem Aimée die Königin Bera verkörperte. Danach sah man die Charakterdarstellerin in zahlreichen kleineren italienischen Produktionen, bevor sie sich 1966 mit einem Paukenschlag zurück meldete: In Claude Lelouchs Liebesserenade "Ein Mann und eine Frau" spielte sie das Scriptgirl Anne Gauthier, das sich nach dem Tod ihres Mannes in einen ebenfalls verwitweten Rennfahrer alias Jean-Louis Trintignant verliebt - eine der schönsten Love-Stories der Filmgeschichte. Für ihre brillante darstellerische Leistung wurde Anouk Aimée für den Oscar nominiert und erhielt den Golden Globe und den britischen Filmpreis als beste Schauspielerin.

1968 drehte André Delvaux sein gelungenes Drama "Ein Abend ... ein Zug" mit Aimée und Yves Montand in den Hauptrollen, während Demy sie erneut in seinem Drama "Das Fotomodell" besetzte. Inzwischen war am auch in den USA auf die französische Schönheit aufmerksam geworden, denn George Cukor holte sie zusammen mit Dirk Bogarde für sein Drama "Alexandria - Treibhaus der Sünde" (1968) vor die Kamera und Sidney Lumet gab ihr in "Ein Hauch von Sinnlichkeit" (1969) die Rolle der schönen Carla an der Seite von Omar Sharif. Die Begegnung mit Schauspiel-Kollegen Albert Finney, den sie 1970 in vierter Ehe heiratete, veränderte das Leben von Anouk Aimée. Fortan übte sie sich in Leinwandabstinenz, bis sie Claude Lelouch für die Mitarbeit in seinem Melodram "Ein Hauch von Zärtlichkeit" (1976) überzeugen konnte.

1980 folgte ein weiteres Highlight in Aimées Karriere: Ihr Partner Michel Piccoli und sie selbst werden als beste Darsteller in Cannes ausgezeichnet. Diesen Preis bekommen sie für ihre überragenden darstellerischen Leistungen in Marco Bellocchios Drama "Der Sprung ins Leere", die Geschichte eines Richters, der seine gemütskranke Schwester mit Hilfe eines Freundes in den Selbstmord treiben will. Im Jahr darauf steht sie mit Ugo Tognazzi und Laura Morante in Bernardo Bertoluccis Drama "Die Tragödie eines lächerlichen Mannes" vor der Kamera, mit Charles Aznavour spielt sie in Elie Chouraquis "Qu'est-ce qui fait courir David?" (1982) und Marcello Mastroianni sowie Michel Piccoli sind einmal mehr ihre Partner in Luciano Tovolis "Il Generale dell'armata morte" (ebenfalls 1982).

"Viva la vie - Es lebe das Leben" (1984) ist einmal mehr eine Zusammenarbeit von Aimée mit Claude Lelouch, der sie auch in dem Liebesdrama "Ein Mann und eine Frau - 20 Jahre später" (1986), in seinem Episodenfilm "So sind die Tage und der Mond" und in dem Drama "Bethune - Ein Arzt wird zum Helden" (1990) besetzt. In Agnès Vardas Komödie "Hundert und eine Nacht" (1994) gehört sie natürlich zur Star-Besetzung, eine größere Rolle hat sie dann wieder 1995 in Robert Altmans Mode-Satire "Prêt-à-Porter". Als Witwe erkennt man sie in Claude Lelouchs "Männer und Frauen - Eine Gebrauchsanleitung", 1997 entsteht die "Die Bibel - Salomon" und ungenannt spielt sie sich selbst in Mika Kaurismäkis Komödie "L.A. Without A Map" (1998). Und in der aufwändigen TV-Produktion "Napoleon" (2001) verkörpert sie die Mutter des Herrschers alias Christian Clavier.

Zusätzlich zu ihren zahlreichen Filmen war sie von 1995 bis 1997 auch auf der Theaterbühne zu bewundern, neben Jean-Louis Trintignant und Bruno Cremer in dem Stück "Love Letters" von A. R. Gurney. Frankreich hat Anouk Aimée 2003 mit dem César für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, bei der Berlinale wurde sie mit Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. "Anouk Aimée gehört zu den großen europäischen Stars, denen wir unvergessliche Kinomomente verdanken. Mit ihrem unverwechselbaren Spiel von Melancholie und Leidenschaft hat sie in zahlreichen Filmen ihr großes schauspielerisches Können gezeigt", kommentierte Festspieldirektor Dieter Kosslick die Ehrung.

Weitere Filme mit Anouk Aimée: "Noche de tormenta" (1951), "Le Rideau cramoisi" (1952), "Les Mauvaises rencontres" (1955), "Contraband Spain" (1955), "Tous peuvent me tuer" (1957), "The Journey" (1959), "Le Farceur" (1960), "Grausame Hände" (1962), "Il Giorno più corto" (1962), "Il Terrorista" (1963), "Il Successo" (1963), "Liolà" (1963), "Le Voci bianche" (1964), "Le Stagioni del nostro amore" (1965), "Il Morbidone" (1965), "Lo Scandalo" (1966), "La Fuga" (1966), "Mon premier amour" (1978), "Ein Blatt Liebe" (1980), "Fernanda" (1988), "Das Chaoten-Duo" (1988), "Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg" (1991), "Stimmen im Garten" (1992), "Rupture(s)" (1993), "Les marmottes" (1993), "Sag ja!" (1995), "Die Welt ist ein Chanson - Das Universum des Jacques Demy" (1995), "1999 Madeleine" (1999), "Une pour toutes" (1999), "Birkenau und Rosenfeld" (2003), "Happy End mit Hindernissen" (2004).

 


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