Roger Vadim

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Ließ selten 'was anbrennen: Roger Vadim
Roger Vadim Plemmiannikov
Geboren: 26.01.1928 in Paris, Frankreich
Sternzeichen: Wassermann
Gestorben: 11.02.2000 in Paris, Frankreich

Die Liebe zur Romantik und zu den Frauen kommt in Roger Vadims Filmthemen ebenso zum Ausdruck wie in der Besetzung der Filmrollen. Mit Vorliebe entnimmt Vadim seine Geschichten der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, die seinen formalen Intentionen entgegenkommen. Die Hauptdarstellerinnen gleichen alle ein wenig seinem ersten Star: Brigitte Bardot - und wenn sie ihr nicht ähneln, dann hilft Regisseur Vadim nach...

Der Kinobesucher verbindet mit dem Namen Roger Vadim jene seltsame Kombination von Frivolität und Romantizismus, die eigentlich all seinen Filmen anhaftet. Vadim ist der "Erfinder" der Bardot, und er ist es, der "BB" zu einem Begriff macht, der Libertinage und Emanzipation der Frau gleichermaßen einschließt. Doch Vadim ist dem Mythos seines Stars voll und ganz verhaftet. Ihn zu entlarven, ihn aus der Einseitigkeit und Einsamkeit des nymphenhaften Wesens zu lösen, bleibt Regie-Kollegen wie Henri-Georges Clouzot, Louis Malle und Jean-Luc Godard vorbehalten. Roger Vadim gehört ebenso sehr zur Nouvelle Vague, zu den Autor-Regisseuren, wie er dem kommerziellen Film verbunden ist. Denn so sehr sich seine Filme immer wieder einer neuen technischen Form verschreiben, so sehr sich seine eigenwillige Bildgestaltung selbst bei so bedeutenden Kameraleuten wie Henri Decae, Claude Renoir oder Armand Thirand durchsetzt, filmt er nie für ein ausgewähltes Publikum. Und nahezu alle seine Filme sind im Kino erfolgreich, weil sie auf eine unkonventionelle Art Unterhaltung bieten. Unkonventionell daran ist, dass Vadim seine Zuschauer zwingt, sich der stilistisch nicht einfachen Ausdrucksweise des Künstlers zu ergeben.

Mit dem Spielfilmerstling "... und immer lockt das Weib" (1956) erzielt er für sich und seine damalige Frau Brigitte Bardot einen beispiellosen Erfolg im Ausland und vor allem in den USA. Der Film gilt als sensationell erotisch. Und die Publicity und Skandale, die sich um ihn ranken, bringen beiden internationalen Ruhm. Das französische Publikum hat Thema und Moral mit Unbehagen aufgenommen. "BB" wird wie Vadim zum Schreckgespenst von Eltern, die um die Moral ihrer Kinder bangen, wenn Brigitte mit der Mine eines unschuldigen Mädchens ihre Reize zur Schau stellt. Man wirft Vadim vor, keinen Ersatz für die zerstörten Moralbegriffe zu geben und an die niederen Instinkte zu appellieren. Doch weder Bardot noch Vadim lassen sich mundtot machen: Ein neuer Frauentyp ist entstanden, der im Kino nur die zunehmende Sexualisierung der Gesellschaft spiegelt.

Der zweite Spielfilm "Spuren in die Vergangenheit" (1957) gehört neben dem subtilen Horrorfilm "Und vor Lust zu sterben" (1960) zu seinen beeindruckendsten Filmen. "Spuren in die Vergangenheit" wird in Venedig gedreht; das klassische amerikanische Melodram lebt wieder auf. Hier steht eine junge Frau in einem verhängnisvollen Zwiespalt zwischen unbefangener Liebe und dem Schatten der Vergangenheit. Love-Story und Politkrimi mischt Vadim auf eindringliche Weise. Ein Horrormärchen um den Geist eines Familienvampirs und eine schöne Grafentochter hat Vadim in "Und vor Lust zu sterben" mit Mel Ferrer, Elsa Martinelli und Annette Vadim zu einer Poesie des Grauens verdichtet.

"Gefährliche Liebschaften" (1959) mit Gérard Philipe, Jeanne Moreau und Annette Vadim erzählt eine Story von Pierre-Ambroise François Choderlos de Laclos (1741 - 1803), Offizier und Privatsekretär des Herzogs von Orleans in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der erlangt durch seinen Briefroman "Gefährliche Liebschaften" Popularität - sowohl als süffisanter Erzähler als auch scharfer Kritiker seiner Zeit und seines Standes. Der Roman spielt in den Salons des französischen Adels in einer Phase der gesellschaftlichen Verwahrlosung, wo der politische Umbruch nur noch eine Frage der Zeit ist: Bald wird die Revolution die Klasse hinwegfegen, Köpfe werden rollen, der moralische und sittliche Verfall in den Salons wird den Prozess noch beschleunigen. Um den Roman durch die Zensur zu bekommen, hatte de Laclos ein Happy End angepappt, das deutlich als aufgesetzt erkennbar ist.

Der Geist oder Ungeist des vorrevolutionären Frankreichs, so wie ihn Choderlos de Laclos beschreibt, reizt Roger Vadim, die Geschichte in unsere Zeit zu versetzen. Der Film, glänzend besetzt, ist letztlich nur genüßlich erotisches Emotionskino. Aus der Vielfalt der erotischen Geschichten, wie "In ihren Augen ist immer Nacht" (1957), "Das Ruhekissen" (1962), "Der Reigen" und "Don Juan 73" (1972), die mal mehr oder weniger poesievoll waren, ragen zwei heraus: die Emile-Zola-Verfilmung "Die Beute" (1966) und die Comic-Verfilmung "Barbarella" (1967).

"Die Beute" mit Jane Fonda und Michel Piccoli erzählt vom unausgefüllten, eintönigem Leben einer Frau an der Seite ihres vielbeschäftigten, zynischen Manager-Ehemanns. Alles ändert sich, als Maxime, Alexandres Sohn aus erster Ehe, ins Haus seines Vaters kommt. Wie aus der Freundschaft des gleichaltrigen Jungen nach und nach eine leidenschaftliche Liebe erwächst, das verdichtet Vadim in einer Folge sich steigernder Bildimpressionen, die allein durch optisch- musikalische Stilmittel eine starke poetische Stimmung schaffen. Im zweiten Teil erfolgt dann die Rache Alexandres, der - von der Reise zurückgekommen - per Zufall die Wahrheit erkennt und an seiner jungen Frau bitter Rache nimmt. Michel Piccoli spielt den Part des Ehemanns mit kühler Nobless, ein undurchsichtiger Zeitgenosse, der seine zynische Bitternis lange verbergen kann. Dagegen ist "Barbarella" mit Jane Fonda, John Phillipp Law, Anita Pallenberg und Marcel Marceau die zwar inzwischen angestaubte, aber doch originelle Umsetzung von Jean-Claude Forests köstlichem Sciencefiction-Comic.

Während seiner Studienzeit in vielen europäischen Ländern arbeitet Roger Vadim als Journalist fürs "Paris Match". Dort trifft er auf Brigitte Bardot, die fürs Titelbild der Zeitschrift posiert. Seine Künstlerlaufbahn beginnt er in Paris als Bühnendarsteller, zum Film kommt er 1947 als Regieassistent und Drehbuchautor von Marc Allégret, bei dem er bis 1955 bleibt. Roger Vadim war verheiratet mit Brigitte Bardot (1952 bis 1957) und deren Kolleginnen Annette Stroyberg (Vadim, 1958 bis 1960), "Barbarella" Jane Fonda (1965 bis 1973) und Maria Schneider. Außerdem hatte er Liaisons mit Catherine Deneuve (von ihr hat er einen Sohn), Marie-Christine Barrault und weitere, deren Auflistung den Rahmen dieser Seite sprengen würde.


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