Allein zwischen den Fronten
18.11.2024 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Drama
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Originaltitel
Allein zwischen den Fronten
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2024
Fernsehfilm, Drama

Eine Demo als filmisches Minenfeld

Von Eric Leimann

Das amitioniert realistische ZDF-Drama "Allein zwischen den Fronten" erzählt von einer internen Polizeiermittlerin (Brigitte Hobmeier), die den Einsatz bei einer aus dem Ruder gelaufenen Groß-Demo in Köln unter die Lupe nehmen soll. Hat die Polizei, haben die Einsatzleiter einen Fehler gemacht?

Der junge Oldenburger Polizist Jan Vogt (Justus Johanssen) leitet eine Spezialeinheit, die bei Demonstrationen und anderen heiklen Events zum Einsatz kommt. Die jungen Männer werden zu einer Groß-Demo in Köln abkommandiert, wo man gegen Mietpreis-Erhöhungen auf die Straße geht. Die Situation eskaliert, als eine Splittergruppe der Demonstrierenden auf einen gefährlichen Engpass hinsteuert, der von Jan und seinen Leuten bewacht wird. Eine vorher nicht deklarierte Baustelle versperrt den Weg. Die Demonstranten werden von der Polizei aufgefordert, zurückzukehren – doch das klappt nicht. Es kommt zu Gewalt und Opfern auf beiden Seiten. Die interne Polizei-Ermittlerin Charlotte Stauffer (Brigitte Hobmeier) wird gerufen, um den Fall zu untersuchen. Sie spricht mit den Beamten der Einsatzgruppe, ihrem Chef Mark Kreutzer (Max Koch), aber auch möglichen Opfern von Polizeigewalt wie der Journalistin Aida Issufo (Cynthia Micas). Was ist während der chaotischen Minuten in der engen Kölner Straße tatsächlich passiert?

Die Aufgabe, die sich das ZDF mit dem ambitionierten Polizeifilm "Allein zwischen den Fronten" gestellt hat, ist alles andere als leicht. Zwar steht auf dem Etikett des 90-Minüters von Jörg Tensing (Drehbuch) und Nicolai Rohde (Regie) "Krimidrama", doch der bereits ab 9. November in der ZDF-Mediathek abrufbare Film weicht deutlich ab von gängigen Themen- und Erzählmustern des beliebten Genres. Im Prinzip ist es – nach dem durchaus bedrückend wie realistisch inszenierten Vorfall während der Demo – ein Kammerspiel der psychologischen Gespräche, Blicke und Gesten. Herausgefunden werden soll, was während des Einsatzes schiefgelaufen ist und wer dafür die Verantwortung trägt.

Polizist Jan, getrennt lebender Vater einer kleinen Tochter, wurde beim Einsatz selbst verletzt, leidet unter Amnesie, wird aber auch als Schuldiger des entstandenen Leides verdächtigt. Kann die um Nüchternheit und Objektivität bemühte Ermittlerin im Dickicht der Vorurteile von und gegen "Bullen" die Wahrheit dingfest machen?

Klischees und Fakten rund um Polizeigewalt

Der trotz – oder auch wegen – des gesellschaftspolitisch aufgeheizten Themas ziemlich spannende Film ist gut darin, schwer einschätzbare Spuren zu legen. Dabei gelingt es ihm – und das ist wichtig -, auf manipulative Erzähltechniken und sogar eine eigene Agenda zu verzichten. Das Geschehen, welches man ab Ermittlungsbeginn durch die Augen der Brigitte Hobmeier-Figur erlebt, bleibt vieldeutig und komplex, seine Betrachtung angenehm neutral. Klischees und Fakten rund um toxische Männlichkeit und Polizeigewalt, um rechte politische Gesinnung, aber auch falsche Vorverurteilungen der "Bullen" werden ernst genommen und in prüfende Szenen und Dialoge verwandelt. Dass der Film den Machern in dieser tonnenschweren Aufgabe nicht entgleitet und er dazu ein fiktional fast unbehandeltes Gesellschaftsthema aufgreift, kann man Sender und Machern kaum hoch genug anrechnen.

"Allein zwischen den Fronten" ist kein erzählerisches Meisterwerk, aber ein sehr präziser und vielschichtiger Debattenbeitrag zur Frage, wie wir als Bürger und Polizisten in einer aggressiver gewordenen Welt miteinander umgehen. Auch Thomas Feltes, Kriminologe und Polizeiwissenschaftler, der den Film beriet, ist zufrieden mit dem Ergebnis. Der Ablauf des Polizeieinsatzes während einer Groß-Demo mit seinen Gefahren und Fallstricken, ist tatsächlich realistisch und beklemmend geraten. "Obwohl es sich um einen fiktionalen Film handelt", sagt Feltes, "bewegt er sich aufgrund seiner Genauigkeit schon im Grenzbereich zur Dokumentation über die Dynamik bei Polizeieinsätzen."

Insofern bietet "Allein zwischen den Fronten" nicht nur Gelegenheit zur Reflexion über eigene Vorurteile gegen Polizisten und Demonstranten, sondern auch die Möglichkeit, ins Innere eines solchen Polizeieinsatzes zu blicken. Letzteres kann man auch über "Allein zwischen den Fronten – Die Dokumentation" vertiefen, die im Anschluss läuft, aber natürlich auch in der Mediathek des Senders zur Verfügung steht.

Allein zwischen den Fronten – Mo. 18.11. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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