Aus der Spur
23.04.2020 • 21:10 - 22:00 Uhr
Serie, Dramaserie
Lesermeinung
Alain Delambre (Eric Cantona) wittert seine große Chance: ein Jobangebot bei einem großen Konzern.
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Alain Delambre (Eric Cantona, li.) muss sich seit Jahren mit Hilfsarbeiterjobs herumschlagen, bei denen er ständig den Demütigungen seines Chefs (Nabil Terbeche, re.) ausgesetzt ist.
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Alexandre Dorfmann (Alex Lutz) will seine Manager mit Hilfe einer fingierten Geiselnahme einem ungewöhnlichen Stresstest aussetzen.
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Alain (Eric Cantona) ist durch die lange Arbeitslosigkeit in Geldnöten. Nun plant er den ganz großen Coup.
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Originaltitel
Dérapages
Produktionsland
F
Produktionsdatum
2019
Serie, Dramaserie

Cantona tritt zu

Von Andreas Schoettl

Der ehemalige Fußballheld Eric Cantona ist längst auch als Schauspieler etabliert. In der neuen Serie "Aus der Spur" überzeugt er als zunächst gebrochener Mann, der unverhofft in fatale Entwicklungen schlittert.

Die Haare sind abrasiert. Er trägt martialisch Backenbart mit dicken Koteletten. Im schwarzen Tanktop mit muskulösem Körper sieht er aus wie der schlimmste Schläger aus dem Rotlichtviertel. Die Hauptrolle in der französischen Serie "Aus der Spur" spielt kein Geringerer als Eric Cantona. Bei ARTE ist sie nun zu sehen. Die sechs Episoden der ersten Staffel werden jeweils donnerstags im Dreierpack am 23. und 30. April ausgestrahlt.

Cantona, der ehemalige Fußballstar und legendäre Kung-Fu-Treter, spielt darin den gescheiterten Mittfünfziger Alain Delambre. Er hat vor sechs Jahren seine Stelle als Personalchef verloren. Nun ist er nur noch auf Hilfsarbeiterjobs angewiesen. Cantona sagt gleich zu Beginn mit stechendem Blick in Nahaufnahme in die Kamera: "Nach sechs Jahren Arbeitslosigkeit, zu elenden Jobs und permanenter Erniedrigung verdammt und der ständigen Bedrohung, die Wohnung zu verlieren, war ich bei kalter Wut angelangt. Manchmal hatte ich Gefühle wie ein Terrorist. Und das war kein gutes Zeichen." Dabei wirkt er, als trete er sogleich wieder zu. Mit der Sohle und 18er-Alu-Stollen voraus – mitten hinein in die Fresse, diesmal einer verunsicherten und gespaltenen Gesellschaft.

Zunehmende Verbitterung und Aggressivität

Bis es endgültig zur Verwandlung in den vermeintlich fiesen Terroristen kommt, dauert es zunächst. Das zunehmende Scheitern von Cantonas Charakter Delambre steht im Vordergrund. Dessen Frau Nicole (Suzanne Clément) und die beiden Töchter leiden unter seiner Verbitterung und Aggressivität. Vor allem die notorischen Geldsorgen fressen den ehemaligen Personalrecruiter auf. Nach einem Familientreffen bringt es eine alternde und weithin zerstörte männliche Seele in Gedanken auf den Punkt: "Wenn die Mädchen zum Essen kamen, brachte die eine den Nachtisch und den Wein mit. Die andere den Käse und die Vorspeise. Ich fragte mich, ob nicht eines Tages eine von ihnen diskret einen Geldschein auf die Kommode legen würde – wie im Bordell."

Hoffnung jedoch keimt auf, als Delambre unverhofft einen Job in Aussicht gestellt bekommt. Als Recruiter soll er einen internationalen Konzern unterstützen. Das Auswahlverfahren allerdings ist mehr als ungewöhnlich. Die Kandidaten sollen ein Rollenspiel leiten. Dabei handelt es sich um eine fingierte Geiselnahme. Damit will der Konzern wiederum testen, welcher seiner Top-Manager die stärksten Nerven hat. Hintergrund: In einem Werk sollen demnächst mehr als tausend Leute entlassen werden. Eine riesige Protestwelle ist vorprogrammiert. "Bei dieser werden dann auch Fabriken brennen", wie einer der Konzernleiter meint.

Spirale aus Gewalt

In der Hoffnung auf die ausgelobte Stelle und damit die Rückgewinnung eines längst angeschlagenen Selbstwertgefühls radikalisiert Delambre sich zusehends. Akribisch durchleuchtet er das persönliche Umfeld der jeweiligen Manager, die wohl zu entführen sind. Sogar die Dienste eines Spezialisten für Geiselnahmen nimmt er in Anspruch. Damit überschreitet er endgültig die Grenzen des Zumutbaren. Delambre mit fieser Schläger-Miene wiederum erklärt: "Gewalt ist wie Alkohol und Sex. Das ist kein Phänomen, das ist ein Prozess. Man gerät hinein, ohne es zu bemerken. Einfach, weil man reif dafür ist und der richtige Moment da ist. Ich war bis jetzt nur grob gewesen. Aber jetzt war ich bereit für die nächste Stufe."

Aus der Spur – Do. 23.04. – ARTE: 21.10 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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