Blau ist eine warme Farbe
14.01.2018 • 22:15 - 01:10 Uhr
Spielfilm, Liebesdrama
Lesermeinung
Die 16-jährige Adèle (Adèle Exarchopoulos) beginnt, ihre Sexualität zu entdecken.
Vergrößern
Emma (Léa Seydoux, li.), die Malerin, zeichnet Adèles (Adèle Exarchopoulos) Porträt.
Vergrößern
Adèle (Adèle Exarchopoulos) ist total verliebt.
Vergrößern
Emma (Léa Seydoux, re.) zieht mit einer Freundin durch Lille.
Vergrößern
Originaltitel
La vie d'Adèle
Produktionsland
Belgien / Frankreich / Spanien
Produktionsdatum
2013
Spielfilm, Liebesdrama

Zärtlich bis besitzergreifend

Von Andreas Günther

Nah, näher, ins Herz: Sensibel wie eine Haut porträtiert Cannes-Sieger "Blau ist eine warme Farbe" die unmögliche Liebe einer schönen jungen Frau.

Den Schlüsselsatz in "Blau ist eine warme Farbe" (2012) überhört man fast. "Liebe kennt keine Geschlechter", meint irgendwann ein älterer Schwuler in einer einschlägigen Bar. Schülerin Adèle (Adèle Exarchopoulos) nickt dazu höflich, aber zerstreut. Wie wahr das Gesagte für sie ist, begreift sie nicht. Sie wird es ebenso freud- wie leidvoll erfahren.

Mit ihren bald irritierten, bald sanften braunen Augen, dem stummen Seufzer des Begehrens auf ihren Lippen und den rundlichen Wangen, die sich schnell röten, ist Adèle ebenso wie die Namensvetterin, die sie verkörpert, die schönste und erotischste Erscheinung des Jahres 2012. Und die am verzweifeltsten liebende. Bei aller Jugendlichkeit wirkt Adèle immer etwas schläfrig – oder so, als ob sie einen Nebel nicht lichten kann. Filmemacher Abdellatif Kechiche ("Couscous mit Fisch") enthält seiner Hauptfigur eine wichtige Selbsterkenntnis vor. "Blau ist eine warme Farbe" ist an der Stelle kalt zu Adèle.

Für die 15-Jährige könnte alles so einfach sein. Sie könnte mit Thomas (Jérémie Laheurte) gehen, dem Schwarm der Klasse. Gemessen an ihrem Alter, haben die beiden wunderbaren Sex. Aber Adèle fehlt etwas – oder besser: jemand. Noch vor ihrem ersten Date mit Thomas hat sie sie gesehen, das Mädchen mit den blauen Haaren (Léa Seydoux), Arm in Arm mit der Geliebten. Da wird die Leinwand zur sensiblen Haut: Die Straßengeräusche verschwinden zugunsten des wunderbaren Titelchansons, das Cinemascope-Format fasst Adèle so ins Bild, dass wir ihren beschleunigten Herzschlag in uns zu spüren meinen.

Später, nach ersten Erlebnissen mit dem eigenen Geschlecht, trifft sie die Kunststudentin Emma, wie die Angebetete heißt, in einer Lesbenkneipe wieder. Sie werden ein Paar, haben leidenschaftlichen Sex und ziehen zusammen. Adèle ist glücklich, doch die Fliehkräfte, sehr sozialer Natur, sind da: Sie, die Kleinbürgertochter, die Kindergärtnerin und Grundschullehrerin wird, genügt bald nicht mehr der aus gutem Hause stammenden Emma, die zur gefeierten Künstlerin aufsteigt. Als Emma sich mehr und mehr entzieht, tut sich ein Abgrund der Einsamkeit für Adèle auf.

Sicher ist "Blau ist eine warme Farbe" ein Film über lesbische Liebe – mehr noch aber vielleicht über das Dilemma einer schönen junge Frau, nur eine einzige Person lieben zu können, die eben – zufällig? – eine Frau ist. Gelegentlichen Sex wird sie danach nur noch mit männlichen Partnern haben. Adèle Exarchopoulos gibt der Heldin in so aussichtsloser Lage eine naive Unbedingtheit des Fühlens, wie sie eigentlich nur das Leben selbst kennt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Léa Seydoux wurde am 1. Juli 1985 als Tochter von Henri Seydoux und seiner damaligen Frau Valérie Schlumberger in Paris geboren.
Léa Seydoux

Das beste aus dem magazin

Olivia Jones (l.) und Johannes Hegemann 
HALLO!

Olivia Jones über den ZDF-Film: „Da ist keine Fiktion dabei“

Im ZDF-Film „Olivia“ werden auch schmerzhafte Kapitel aus Olivia Jones’ Leben gezeigt. Nun verrät sie, wie viel davon wirklich passiert ist.
Tarja Turunen in einem schwarzen Kleid mit lila Schleppe.
HALLO!

Tarja Turunen über ihr neues Album "Frisson Noir"

Tarja Turunen spricht über ihre Erfahrungen mit der Rock-Meets-Classic-Tour, die Produktion ihres neuen Albums "Frisson Noir" und ihre Meinung zu Musiklabels.
Kiepenheuer & Witsch
Gesundheit

Für Sie gelesen: „Macht Musik! Wie Musik uns ein Leben lang trägt und glücklich macht“

Dr. Pop zeigt in seinem Buch "Macht Musik!", wie tief Musik unser Leben beeinflusst, von der pränatalen Phase bis ins hohe Alter. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Anekdoten beleuchtet er die positiven Effekte der Musik auf Entwicklung und zwischenmenschliche Beziehungen.
Prof. Dr. med. Fadi Al-Rashid im weißen Kittel.
Gesundheit

Hightech erkennt koronare Herzerkrankungen früher

Plaques in den Gefäßen können gefährlich sein, aber dank moderner Techniken wie IVUS und NIRS können Risiken frühzeitig erkannt und behandelt werden. Die Universitätsmedizin Essen ist ein Vorreiter in der Anwendung dieser Verfahren.
Jim Kerr (rechts) und Charlie Burchill stehen nebeneinander.
HALLO!

Jim Kerr: "Man muss tiefer gehen"

Jim Kerr und Charlie Burchill, die Gründungsmitglieder der Simple Minds, haben das Buch "Unsere Musik, unsere Geheimnisse" veröffentlicht. Darin erzählen sie von ihrer jahrzehntelangen Freundschaft, die das Fundament der Band bildet, und reflektieren über ihre musikalische Reise und Erfolge wie das Album "Once Upon a Time".
Das Buch „Der Darm-Doc – Wie du deine Verdauungsprobleme in den Griff bekommst“
Gesundheit

Für Sie gelesen: „Der Darm-Doc – Wie du deine Verdauungsprobleme in den Griff bekommst“

In "Der Darm-Doc" erklärt Dr. Ulrich Selz die zentrale Bedeutung des Darms für die Gesundheit und bietet praktische Tipps zur Verbesserung der Verdauung. Themen wie Reizdarm und Ernährung werden verständlich aufbereitet und helfen, Gesundheitsprobleme selbst anzugehen.