Das Tal der Mörder
Fernsehfilm, Drama • 26.10.2020 • 20:15 - 21:45
Lesermeinung
Auf dem Gasser-Hof tritt Eva (Anna Unterberger, rechts) eine Stelle als Haushaltshilfe an. Ein Vorwand, um mehr über den rätselhaften Tod ihres Vaters zu erfahren. Die anderen Bediensteten wie Köchin Thea (Gertrud Roll) scheinen mehr zu wissen.
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In "Das Tal der Mörder" entwickelt sich zwischen Eva (Anna Unterberger) und Anton Gasser (Fritz Karl) ein ambivalentes Verhältnis. Es funkt zwischen ihnen, obwohl es sich bei Gasser möglicherweise um den Mörder von Evas Vater handelt.
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Ein Scheusal ist er ja schon irgendwie, aber durchaus charmant: Anton Gasser (Fritz Karl) ist nicht sonderlich leicht zu durchschauen.
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Immer Ärger mit den Söhnen: Nach dem Tod seiner Mutter ist Florian (Gerrit Klein, Mitte) völlig konsterniert, was seinen Vater (Fritz Karl, rechts) zur Weißglut treibt. Sein zweiter Sohn Jakob (Franz Dinda) gibt ihm zudem eine Mitschuld am Tod der Mutter.
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Eva (Anna Unterberger) wühlt in Gassers alten Unterlagen, in der Hoffnung, das Geheimnis um den Tod ihres Vaters zu lüften.
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Gasser (Fritz Karl)und Eva (Anna Unterberger) ziehen sich gegenseitig an. Größtenteils stellt sich dem Zuschauer jedoch die simple Frage: Warum bloß?
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Von Jakobs Exfreundin Katrin Oberhofer (Katharina Leonore Goebel, links) erhält Eva Kufner (Anna Unterberger) brisante Informationen.
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Vor den Augen seiner Söhne Jakob (Franz Dinda) und Florian (Gerrit Klein) verbrennt Anton Gasser (Fritz Karl, von links) Andenken an sein verstorbene Ehefrau. Eva (Anna Unterberger) kann nur hilflos zuschauen.
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Eva (Anna Unterberger) erarbeitet sich das Vertrauen der Familie. Anton (Fritz Karl, rechts) ist schwer von ihr angetan, Florian (Gerrit Klein, Mitte) hält große Stücke auf sie. Lediglich Jakob (Franz Dinda) findet sie verdächtig.
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Originaltitel
Das Tal der Mörder
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2019
Fernsehfilm, Drama

Haushaltshilfe serviert Logiklöcher

Von Christopher Schmitt

Eine junge Frau heuert als Haushaltshilfe auf einem Hof an, um herauszufinden, ob ihr neuer Arbeitgeber vor Jahrzehnten den eigenen Vater tötete. Während sie die Wahrheit sucht, sucht der Zuschauer die Logik.

Der ganze Mumpitz beginnt regelrecht philosophisch: "Keine wahre Liebe ohne Gerechtigkeit, und keine wahre Gerechtigkeit ohne Liebe", schwadroniert Anton Gasser (Fritz Karl) versonnen am Fenster. Kurz darauf stürzt seine Frau, die offenbar vor jemandem flüchtet, mehrere Meter in die Tiefe und verunglückt tödlich. Dieser mysteriöse Vorfall spielt in der erstmals gezeigten ZDF-Kriminalgeschichte "Das Tal der Mörder" von Regisseur Peter Keglevic aber lediglich eine untergeordnete Rolle. Zuvorderst dreht sich die teils abstruse Story um einen Todesfall, der bereits Jahrzehnte zuvor zu den Akten gelegt wurde. So viel sei verraten: Beide Fälle werden aufgeklärt, aber den Zuschauern stellen sich diverse Fragen, die unbeantwortet bleiben.

Eva Kufner (Anna Unterberger) hat ihren Vater nie kennengelernt, er starb vor ihrer Geburt, offiziell bei einem Bergunfall. Erst auf dem Sterbebett offenbart ihr die Mutter, dass sie sich sicher sei, dass er ermordet wurde. Angeblich aus Eifersucht, von seinem ehemals besten Freund Anton Gasser, welcher ebenfalls in sie verliebt war und nun möglicherweise am selben Ort auch seine Frau tötete. Nach deren Ableben fristet Gasser gemeinsam mit seinen zwei Söhnen Jakob (Franz Dinda) und Florian (Gerrit Klein) ein Dasein auf dem Familien-Hof, einem Paralleluniversum, in dem ganz eigene Regeln herrschen. Der Tod der Mutter setzt der Familie spürbar zu, durch das Unglück brechen lange schwelende Konflikte auf. Eva erhält als Haushaltshilfe unverhofft und unter falschem Namen Zugang zum Hof, wo sie versucht herauszufinden, ob es sich bei Gasser wirklich um den Mörder ihres Vaters – und vielleicht auch den seiner Ehefrau – handelt.

Das regelrechte Einschleichen Evas in den innersten Kreis der Familie, die zudem als schwer zugänglich und eigen dargestellt wird, läuft dabei erstaunlich einfach. Einzig dem stets übel gelaunten Jakob kommt die Scharade seltsam vor, und er äußert mehrmals sein Misstrauen. Allerdings stößt er bei Vater und Bruder auf taube Ohren. Mehr noch: Anton findet Gefallen an der neuen Haushaltshilfe, was Eva weitere Chancen bietet, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Erstaunlicherweise wird umgekehrt jedoch auch sie von ihm angezogen, und es beginnt zu knistern.

Ein liebenswertes Scheusal?

So ziemlich alles an dieser hanebüchenen Geschichte bleibt vage und unausgegoren. Immer wieder drängen sich dem Zuschauer haufenweise Logiklöcher auf: Nur, weil der vermeintliche Mörder des eigenen Vaters, der zudem vor ihren Augen seine eigenen Söhne piesackt, etwas charmant daherredet und adrett daherkommt, entwickelt Eva direkt Gefühle für den älteren Anton? Warum ist es einem Mann, der offenbar etwas zu verbergen hat, so völlig egal, dass er nichts über die Vergangenheit seiner neuen Haushaltshilfe weiß, welche sogar behauptet, ihre Dokumente seien gestohlen worden? Warum finden so viele auf dem Hof und im nahen Dorf Evas Neugierde auffällig oder gar verdächtig, aber einige nicht verdächtig genug, um sich einer praktisch völlig Fremden anzuvertrauen?

Da plaudert die junge Wirtin munter über das Verhältnis zur Familie ihres Exfreundes mit einer Person, die sie erst seit kurzer Zeit kennt. Das eben noch todunglückliche Häufchen Elend Florian, das nicht mal mit den engsten Verwandten über den Verlust der Mutter sprechen will, redet über seine Gefühle. Ob sich Gasser zu Eva hingezogen fühlt, weil sie ihn an seine große Liebe erinnert, ist ebenfalls nicht wirklich nachvollziehbar. "Das Tal der Mörder" operiert stattdessen mit Andeutungen und Metaphern.

Zumindest Hauptdarsteller Fritz Karl macht seine Sache wie immer sehr ordentlich. Er schafft es tatsächlich, sowohl den herrschsüchtigen Vater und den tief verletzten Ehemann, als auch den erfahrenen Charmeur glaubwürdig zu verkörpern. Über die eklatanten Schwächen der mäßig spannenden Story kann seine Performance allerdings nicht hinwegtäuschen.

Das Tal der Mörder – Mo. 26.10. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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