Jens Söring wurde in den Vereinigten Staaten wegen Doppelmordes angeklagt und verurteilt. Bis heute sitzt er seine Haftstrafe ab, bis heute bestreitet er seine Schuld. Im grandiosen Dokumentarfilm "Das Versprechen" widmen sich Marcus Vetter und Karin Steinberger dem mehr als mysteriösen Fall.

"Am 25. August 1984 habe ich die Elisabeth Haysom kennengelernt", sagt Jens Söring ohne zu zögern in die Kamera. "Da war ich 18 Jahre alt und zum ersten Mal in meinem Leben von zu Hause weg." Was Söring damals noch nicht wusste: Diese Begegnung sollte sein Leben nachhaltig beeinflussen. Man kann sagen – zerstören. Denn nicht einmal ein Jahr später werden Haysoms Eltern in ihrem Haus in Virginia (USA) ermordet. Jens Söring und Elisabeth Haysom fliehen nach Großbritannien. Als sie gefasst werden, legt Söring ein Geständnis ab. Er habe Elisabeths Eltern auf dem Gewissen. Später widerruft er sein Geständnis, er wollte Elisabeth schützen. Doch sie bestätigt seine Schuld vor Gericht. Um von sich selbst abzulenken? "Ich bin unschuldig", sagt Jens Söring, als er 1990 in Virginia zu zweimal lebenslänglich wegen Mordes verurteilt wird. Elizabeth Haysom sitzt da bereits seit zwei Jahren im Gefängnis, verurteilt zu 90 Jahren Haft wegen Anstiftung zum Mord. Bis heute ist unklar, was sich im Haus der Haysoms abgespielt hat. Die Filmemacher Marcus Vetter und Karin Steinberger recherchierten mehr als drei Jahre lang und fanden neue Beweise, die für Sörings Unschuld sprechen. Auch Söring selbst kommt in dem Dokumentarfilm "Das Versprechen" zu Wort.

Elisabeth Haysom ist eine bildschöne, junge Frau, die über ein gewisses Charisma verfügt. Vieles an ihr erinnert an eine andere Verdächtige, bei der man bis heute nicht weiß, ob sie des Mordes schuldig ist: Amanda Knox. 2007 wurde die britische Austauschstudentin Meredith Kercher im italienischen Perugia in ihrer Wohnung beraubt und getötet. Amanda Knox wurde des Mordes beschuldigt, vor zwei Jahren allerdings in letzter Instanz freigesprochen. Auch Knox hat eine außergewöhnliche Präsenz, ist bildschön und charismatisch. Ihre Geschichte verarbeitete der Streamingdienst Netflix letztes Jahr in einer Dokumentation, die dem Film "Versprechen" sehr ähnlich ist. Beide Werke sind spannender, als jeder fiktionale Krimi es je sein könnte.

Doch das "Versprechen" entfaltet eine emotionale Wucht, an die nicht einmal der "Engel mit den Eisaugen" herankommt. Denn: Jens Söring sitzt bis heute in Haft. Und bis heute behauptet er, unschuldig zu sein.

In dem Film wird genau erklärt, wie der damals 19-Jährige in diese Situation gelangte. Nachdem Söring und Haysom in England gefasst wurden, wurden sie beide getrennt voneinander zu dem Mord an Haysoms Eltern verhört. "Da habe ich mich dazu entschlossen und gesagt, dass ich es war. Ich dachte, ich sei ein Held. Ich dachte, ich sei ein ganz toller Kerl und rette ihr Leben", so der Diplomatensohn über seine Aussage damals, vor über 30 Jahren.

Wenn er spricht, wirkt es fast so, als rede er über jemand anderen. Nicht über sein Leben, das durch Elisabeth Haysoms Anschuldigungen zerstört wurde. "Ich habe sie geliebt. Sie ist bis heute die einzige Frau, mit der ich geschlafen habe." Die Geschichte über den Doppelmord in Virginia ist zugleich eine Geschichte über Gewalt, Missbrauch, Drogen, Leidenschaft, Sex. Es ist eine Geschichte über die erste große Liebe. Und der Film zeigt, wie verhängnisvoll ein einziger Fehler im Leben eines Menschen sein kann.

Die Filmemacher Marcus Vetter und Karin Steinberger fanden neue Beweise, die nie vor Gericht erwähnt wurden, wichtige Zeugen wurden nie vorgeladen. Doch trotzdem sitzt Jens Söring bis heute in Virginia im Gefängnis. Und man weiß nicht, ob zu Recht. Am Ende des Interviews hat Jens Söring für die Filmemacher noch einen Tipp: "Passt bloß auf, ihr seid in Virginia. Benehmt euch ganz besonders gut. Denkt an den Jens."


Quelle: teleschau – der Mediendienst