Detroit

  • Auch Vietnam-Veteran Robert Greene (Anthony Mackie), der sich zufällig im Algiers Motel aufhielt, wird von den weißen Polizisten verhört und gefoltert. Vergrößern
    Auch Vietnam-Veteran Robert Greene (Anthony Mackie), der sich zufällig im Algiers Motel aufhielt, wird von den weißen Polizisten verhört und gefoltert.
    Fotoquelle: 2017 AnnaPuma
  • 1967 kam es zu schweren Rassenunruhen in Detroit. Vergrößern
    1967 kam es zu schweren Rassenunruhen in Detroit.
    Fotoquelle: 2017 AnnaPuma
  • Action-Regisseurin Kathryn Bigelow widmet sich in ihrem meisterhaft inszenierten Drama "Detroit" wieder einem wichtigen Politthema - den Rassenunruhen 1967 in Detroit. Vergrößern
    Action-Regisseurin Kathryn Bigelow widmet sich in ihrem meisterhaft inszenierten Drama "Detroit" wieder einem wichtigen Politthema - den Rassenunruhen 1967 in Detroit.
    Fotoquelle: 2017 AnnaPuma
  • Auch dem diplomatisch handelnden Dismukes (John Boyega) gelingt es nicht die Situation zu deeskalieren. Vergrößern
    Auch dem diplomatisch handelnden Dismukes (John Boyega) gelingt es nicht die Situation zu deeskalieren.
    Fotoquelle: 2017 AnnaPuma
  • Der rassistische und ultranervöse Krauss (Will Poulter) erschießt einfach einen schwarzen Plünderer. Vergrößern
    Der rassistische und ultranervöse Krauss (Will Poulter) erschießt einfach einen schwarzen Plünderer.
    Fotoquelle: 2017 AnnaPuma
Spielfilm, Kriminalfilm
Früchte des strukturellen Rassismus
Von Gabriele Summen

Infos
Originaltitel
Detroit
Produktionsland
USA
Produktionsdatum
2017
Altersfreigabe
12+
Kinostart
Do., 23. November 2017
arte
So., 27.09.
20:15 - 22:30


Ein Film, der vor dem Hintergrund der "Black Lives Matter"-Bewegung aktueller nicht sein könnte: In ihrem schweißtreibenden Drama "Detroit" zeigt Ausnahmeregisseurin Kathryn Bigelow meisterhaft, wohin institutionalisierter Rassismus führen kann.

50 Jahre alt ist die Geschichte, die Kathryn Bigelow in ihrem Drama "Detroit" dem Zuschauer in ihrer einzigartigen, fiebrigen Handschrift nahebringt. Dennoch ist der Film, den die erste Regie-Oscarpreisträgerin über die Rassenunruhen von 1967 gedreht hat, brandaktuell – gerade nach jüngsten Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze in Portland und dem Tod von George Floyd. Tief sitzender Rassismus im Staatsapparat führte dazu, dass unschuldige Menschen starben. Bigelow und ihr langjähriger filmischer Weggefährte Mark Boal befragten für die Rekonstruktion der Geschehnisse von Detroit Überlebende des sogenannten "Algiers Motel Incident", der der Kern ihres Werkes ist. Zudem werteten sie für den Film von 2017, den ARTE nun erstmals im Free-TV zeigt, die Prozessakten dieses verstörenden Vorfalls aus.

Die schweren Rassenunruhen in der Industriestadt nahmen vermutlich ihren Anfang bei einer Razzia in einer Bar ohne Ausschankgenehmigung, in der eine Feier für zwei schwarze Vietnam-Veteranen stattfand. Durch geschickte, den Puls hochtreibende Montagen, die zum Teil mit Archivmaterial verschnitten sind, wird der Zuschauer Zeuge, wie die Bar unter großem Protest der Anwohner geräumt wird. Bald schon gehen Schaufensterscheiben zu Bruch, Läden werden geplündert, Häuser in Brand gesetzt. Die Regierung verhängt eine Ausgangssperre und fordert Unterstützung durch die Nationalgarde, die US-Army und die State Troopers an. Auf einmal herrschen kriegsähnliche Zustände auf den Straßen Detroits.

Ganz allmählich lernt man in dem Chaos die Protagonisten dieses Dramas kennen, das sich immer mehr zu einem Kammerspiel verdichtet: Der weiße Polizist Krauss, der so ausdrucksstark von Will Poulter gespielt wird, dass man seinen Schweiß zu riechen meint, ist eine tickende Zeitbombe. Gegen die Weisungen seines Vorgesetzten erschießt er mal eben einen unbewaffneten Plünderer. Unterdessen geht Melvin Dismukes (John Boyega) seinem Zweitjob als Sicherheitsmann nach und versucht, im Rahmen seiner Möglichkeiten deeskalierend auf die allgegenwärtigen, weißen Polizisten einzuwirken.

Ein Lehrstück über strukturellen Rassismus

Dann ist da noch der hochtalentierte Sänger Larry (Algee Smith), dessen Konzert mit seiner Band The Dramatics, das ihnen den ersehnten Plattenvertrag bescheren soll, aufgrund der weiter ausufernden Unruhen ausfällt. Er flüchtet sich mit seinem Kumpel Fred Temple (Jacob Latimore) in das Algiers Motel. Dort scheinen sie zunächst sicher, bevor der Schuss aus einer Spielzeugpistole eines leichtsinnigen, jungen Schwarzen ihnen zum Verhängnis wird: Die staatlichen Sicherheitskräfte – allen voran der ultrarassistische Krauss – stürmen die Unterkunft.

Kameramann Barry Ackroyd bleibt mit seiner Handkamera stets so nah an den Geschehnissen, dass dem Zuschauer genauso der Atem stockt wie bei Bigelows oscargekröntem Meisterwerk "The Hurt Locker". Es schmerzt, sich diese brutalen Szenen anzusehen, bei denen erschreckend deutlich die finsteren Mechanismen von irrationalem Hass und Angst zutage treten. Überforderung, tief in das System eingeschriebener Rassismus und Sexismus werden noch potenziert durch einen verabscheuungswürdigen Korpsgeist. Auch das gerichtliche Nachspiel dieser Ereignisse ruft im Zuschauer große Bestürzung und Wut hervor.

So schafft Bigelow ein wahrlich unter die Haut gehendes Lehrstück, das nach den jüngsten Ereignissen in Portland, der Dynamik der "Black Lives Matter"-Bewegung und den häufig verheerenden Folgen des "Racial Profiling" zeigt, welche schlimmen Früchte struktureller Rassismus tragen kann.

"Detroit" ist der Auftakt zu einer vierteiligen Reihe, in der ARTE die besten Werke von Kathryn Bigelow zeigt. Es folgen "Tödliches Kommando" (Montag, 28. September, 22.15 Uhr), "Zero Dark Thirty – Die Jagd auf Osama bin Laden" (Sonntag, 4. Oktober, 22.10 Uhr) und "Blue Steel" (Montag, 5. Oktober, 21.35 Uhr).

Detroit – So. 27.09. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Eine Filmkritik sowie weitere Infos zu "Detroit" finden Sie hier.


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Der Trailer zu "Detroit"

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