Friesland - Fundsachen
22.10.2022 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
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Originaltitel
Friesland
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Halloween an der Nordseeküste

Von Hans Czerny

Im 16. Friesland-Krimi (ZDF) bekommt es das Leerer Polizistenpärchen Henk Cassens und Süher Özlügül (Maxim Mehmet, Sophie Dal) mit gleich zwei Leichen zu tun. Ihr Vorgesetzter, Kommissar Brockhorst (Felix Vörtler) ist diesmal besonders engagiert – er verspricht sich die Beförderung.

Sage niemand, die Deutschen hätten keinen Humor. Zumindest, was die humordurchsetzten Krimis betrifft, ist der Zuspruch jedenfalls groß. Das fängt beim Eberhofer-Krimi an und setzt sich bis zu "Wilsberg" fort – von "Hubert ohne Staller" oder den "Rosenheim-Cops" ganz zu schweigen. Der Friesland-Krimi "Fundsachen" ist die 16. Folge dieser Reihe, weitere sind abgedreht. – Das Format zieht am Samstagabend regelmäßig um die sieben Millionen Zuschauer in seinen Bann. Dabei haben sich die Macher ganz nebenbei durchaus Tollkühnes ausgedacht: Wohl weil der Tod nun mal ein Meister aus Deutschland ist, spielt er hier in Gestalt des Bestatters Habedank (Holger Stockhaus) eine recht wichtige Rolle. An der ostfriesischen Küste herrscht auch immer ein wenig Halloween. Diesmal gibt es gar die Erfindung eines "Coffin to rent" ("Sarg zum Mieten") für weniger betuchte oder gar geizige Gemüter. Ein verzwickter Fall für das Polizistenpärchen Henk Cassens und Süher Özlügül (Maxim Mehmet, Sophie Dal).

Wo ist das norddeutsche Platt?

Ausgerechnet Yunus (Yunus Cumartpay), der Bruder der taffen Law-and-Order-Polizistin Süher (Sophie Dal), hat eine blendende Idee: Ließen sich teure Särge nicht wiederverwenden, wenn man die Leichen nach der Aufbahrung in einem einfachen Sperrholzkasten bestatten würde? – Anlass ist hier das Gezänk zwischen Mutter und Tochter Freese, beides Hinterbliebene eines Bootshändlers, der wohl nach einem Infarkt ums Leben kam. Die Tochter willl löhnen, sie hat den Vater geschätzt. Die Mutter weitaus weniger, sie lebte von ihrem Mann innerlich bereits Jahre getrennt und hatte sich einen jüngeren Liebhaber zugelegt.

Wäre da nicht die leitmotivisch in allen Friesland-Krimis aufscheinende forensische Freizeitdetektivin und Apothekerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg), es wäre wohl nie herausgekommen, dass der Bootshändler gar nicht eines natürlichen Todes starb, sondern mittels Spritze ums Leben kam. So aber breitet sich ein doppelter Mordfall aus, der seine Aufklärung einem Zufall verdankt. Insa, die Apothekerin, hatte eigentlich nur eine am Strand liegende Leiche untersuchen wollen, aus Zeitmangel dann aber die Blechsärge vertauscht. Die Leiche am Strand hatte ein für "Entrümpelungen aller Art" zuständiger Unternehmer entsorgt, er hatte sie in einem seiner Container gefunden.

Krimikomödien-Liebhaber werden es mögen, wenn das friesische Personal wieder einmal brav durchbuchstabiert wird, also die stets etwas zänkischen Polizisten Süher und Henk, ebenso wie Insa Scherzinger und nicht zuletzt Bestatter Habedank. Über allen thront Brockhorst, Felix Vörtler als cholerisch-sarkastischer Kommissar, immer mit einem Kalauer auf den Lippen. Dominic Müller, der Regisseur, lässt ihn hier Plot-bedingt noch mehr als sonst durch die Gegend schnauben. Schön allerdings, wenn er eitel und voreilig die Beute seiner Beförderung an sich und andere verteilt.

Doch fällt es auch dieser Folge schwer, von der Komik auf den zugrunde liegenden Krimi aus dem Pflegebereich einzuschwenken. Zwischen Klamauk und Spannung hält der schwarze Ostfriesenspaß nicht immer die richtige Balance. Man wünscht den Machern etwas mehr von der bayerischen Eberhofer-Lässigkeit. Und wo, bitte, bleibt eigentlich das norddeutsche Platt?

Friesland – Fundsachen – Sa. 22.10. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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