Gefährliche Wahrheit
15.10.2021 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Drama
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Originaltitel
Gefährliche Wahrheit
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Fernsehfilm, Drama

Eine Berieselung der düsteren Art

Von Franziska Wenzlick

Nach einem Brand in einem Wohnblock steht die Lokalreporterin Maren Gehrke (Lisa Maria Potthoff) vor jeder Menge Fragen. Zwar werden diese in Jens Wischnewskis jüngstem Politthriller durchaus beantwortet, viel Freude kommt dabei allerdings nicht auf.

Blaulicht, Rauchschwaden, gaffende Menschenmassen: Ein Wohnblock steht in Flammen. Viele Schaulustige zücken ihre Handykameras. Sie filmen, während die Einsatzkräfte versuchen, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Inmitten des Getümmels befinden sich auch die Journalistin Maren Gehrke (Lisa Maria Potthoff) und ihr Kollege Hans Buttke (Uwe Preuss) – immerhin liegt bei einem derart verheerenden Brand die ganz große Story nur ein tragisches Schicksal entfernt. Selbiges ist schnell gefunden: ein Mann (Sahin Eryilmaz), augenscheinlich verzweifelt, der seine Tochter aus dem Haus trägt und nach seinem Sohn schreit, der sich noch in der brennenden Wohnanlage befindet.

"Dahinten", sagt Maren. "Der mit dem Kind." Hans knipst. Es ist das perfekte Motiv für die Titelseite: ein weinender Vater mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm. Im nächsten Moment die Entwarnung, gänzlich herzlos scheint das Duo mit den Pressewesten dann nämlich doch nicht geraten zu sein. Stattdessen läuft Maren auf den Mann zu, nimmt ihm das Kind ab und beginnt mit der Herzdruckmassage, bis ihr ein Sanitäter zu Hilfe eilt.

Tatsächlich, wie dem Publikum in Jens Wischnewskis Politthriller "Gefährliche Wahrheit" (2021) bereits in den nächsten Szenen unmissverständlich signalisiert wird, gehören Maren und Hans zu den Guten. Die Skrupellosen, das sind die anderen: Etwa Marens junge Kollegin Sarah Karimi (Almila Bagriacik), die stets auf reißerische Headlines und fragwürdige Methoden setzt, um die Karriereleiter bei der Lokalzeitung hochzuklettern.

Auch sonst scheint es recht korrupt zuzugehen in der fiktiven Stadt, die Regisseur Wischnewski gemeinsam mit Drehbuchautorin Silke Zertz ("Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen") zum Dreh- und Angelpunkt dieser leider etwas freudlos geratenen Geschichte auserkoren hat. Maren, die um jeden Preis herausfinden will, was wirklich hinter dem Brand steckt, findet sich schon bald im Mittelpunkt zahlreicher Verschwörungen wieder. Wieso mussten drei Menschen – darunter auch der 14-jährige Sohn des Mannes, der dank Maren und Hans die Titelseite der Zeitung ziert – ihr Leben lassen? Hat der neue Eigner der bereits vor dem Brand baufälligen Siedlung damit zu tun? Oder handelt es sich schlichtweg um einen Zufall, dass während Marens Ermittlungen wichtige Zeugen und Informanten sterben?

Der Funke springt nicht über

Eigentlich spräche so vieles dafür, dass "Gefährliche Wahrheit" funktionieren könnte und sollte: Da sind zum einen Jens Wischnewski, der 2020 für seinen grandiosen Tatort "Anne und der Tod" zu Recht für einen Grimme-Preis nominiert wurde, und Silke Zertz, die für ihre Drehbücher bereits zweimal mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Zum anderen ist da natürlich Lisa Maria Potthoff, die die Figur der ruhigen und gleichermaßen unnachgiebigen Journalistin genauso souverän spielt wie ihre ARD-Actionrolle Sarah Kohr.

Und trotzdem: Irgendwie will diesem Thriller trotz so viel Potenzial nicht gelingen, ebenjenes auch auszuschöpfen. Auch, dass am Ende hinter einer großen Verschwörung natürlich eine noch größere Verschwörung steckt, lässt den Funken nicht überspringen. Stattdessen gestaltet sich "Gefährliche Wahrheit" über lange Strecken hinweg zu langatmig, zu oberflächlich – und das, obwohl die Handlung intelligent und die Figuren glaubwürdig und gut durchdacht sind. Zu vieles wird nur angedeutet, zu wenig wirklich auserzählt in dem anderthalbstündigen Film, der trotzdem gut genug ist für eine düstere Berieselung an einem Freitagabend.

"Gefährliche Wahrheit" – Fr. 15.10. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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