Ein Spielfilm über multiresistente Keime? Im Ersten hält man das offenbar für eine gute Idee.

Keine Frage: Multiresistente Keime sind ein großes Problem in deutschen Krankenhäusern. Hunderttausende Patienten, so wird geschätzt, erkranken jedes Jahr an den Erregern, Tausende sterben. Jetzt hat sich die ARD der Problematik angenommen – nicht mit einer Dokumentation, sondern mit dem Fernsehfilm "Götter in Weiß" (Regie: Elmar Fischer). Multiresistente Keime also als Thema eines Dramas – eine gute Idee? Nun ja.

Schließlich trägt so eine Keiminfektion keinen 90-Minüter. Eine Geschichte muss also her, und Andrea Frischholz und Jörg Tensing, die gemeinsam das Drehbuch zu "Götter in Weiß" geschrieben haben, griffen in die Vollen. Da gilt es für Dr. Anna Hellberg (hervorragend: Claudia Michelsen), die Heldin des Films, Intrigen durchzustehen, ihre Ehe zu retten und Freundschaften ebenfalls, und irgendwann muss sich die taffe Ärztin dann noch gegen ein korruptes System zur Wehr setzen. Da gerät die traurige Geschichte der kleinen Leah Strasser (Hedda Erlebach), die nach einem Fahrradunfall operiert werden muss und sich in Annas Krankenhaus einen Keim einfängt, stellenweise arg ins Hintertreffen.

Schon während der OP, die von Anna geleitet wird, gibt es Probleme: Eine Klemme ist nicht steril, panisch wird Ersatz beschafft. Dennoch erleidet die junge Patientin wenig später einen allergischen Schock. Anna geht auf Spurensuche und stellt bald fest, dass es in ihrem Krankenhaus zuletzt häufiger solche Komplikationen gegeben hat. Schuldige sind schnell gefunden: In der Sterilisationsabteilung herrscht Chaos, der Verantwortliche hat gar eine heimliche Affäre mit einer Mitarbeiterin. Das Krankenhaus schreibt außerdem Verluste, ein Wirtschaftsprüfer führt deswegen eine "Effektivitätsevaluierung" durch, wie er das nennt. "Wo sollen wir denn noch sparen?", schnauzt Anna ihn an. "Aber Hanna, ist doch überall so", sagt ihre Freundin, eine OP-Schwester. Man merkt schnell: Hier wird alles durchdekliniert, was im deutschen Gesundheitssystem derzeit schief läuft.

"Götter in Weiß" geht dann aber noch einen Schritt weiter. Denn Anna, die die Miss Marple in sich entdeckt und zu schnüffeln beginnt, kommt bald wahrlich unschönen Machenschaften auf die Schliche, in die auch ihr Mann (Jan Messutat), ebenfalls Doktor, verwickelt scheint.

"Wir wollen mit dem Spielfilm definitiv nicht die Behauptung aufstellen, dass diese Form der kriminellen Verdeckungen gang und gäbe ist in deutschen Kliniken", sagt die verantwortliche NDR-Redakteurin Sabine Holtgreve über "Götter in Weiß". Mag sein, nur: Nach diesem Film will man so schnell nicht in einem deutschen OP-Saal landen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst