Alfonso Cuarón feiert unendliche Weiten und die Unwahrscheinlichkeit des Lebens.

"Gravity" beeindruckt nicht nur durch fantastische Bilder, sondern auch durch seine furchtlose Hauptdarstellerin Sandra Bullock. Regisseur Alfonso Cuarón schuf 2013 einen der faszinierendsten Filme des Jahres. Völlig zu Recht gewann er für seine visionäre Meisterleistung den Regieoscar 2014. Das ZDF zeigt das Science-Fiction-Ausnahmewerk nun im Zuge der Reihe Montagskino noch einmal.

Die absolute Leere des Alls – das ist die Kulisse, vor der sich das Drama abspielt. Für Dr. Ryan Stone (Bullock) sind die Reparaturarbeiten am Hubble-Teleskop der erste Einsatz, für den Weltraumveteranen Matt Kowalsky (George Clooney) dagegen der letzte. Als irgendwo in der Umlaufbahn die russische Regierung einen veralteten Satelliten abschießt, wird ihre Routinemission zum Albtraum: Die Trümmerteile rasen unkontrolliert auf sie zu und zerstören nicht nur das Teleskop, sondern auch das Shuttle – und machen damit die Heimreise unmöglich. Fast. Denn eine kleine, unwahrscheinliche Chance aufs Überleben bietet sich.

Vor den Beginn seines Films hat Cuarón ("Children of Men") ein paar Texttafeln gestellt, die Fakten zum Vakuum, zu Druckverhältnissen, Temperatur und zur Stille aufzählen. Leben im Weltall, so heißt es da, ist unmöglich. Diese Erinnerung wäre nicht nötig gewesen. Die Bilder machen das mehr als deutlich. Sie setzen die endlose Weite des Alls gegen die klaustrophobische Enge in Stones Raumanzug. Als die Wissenschaftlerin nach dem Trümmereinschlag hilflos, schwerelos und viel zu schnell durch den Raum trudelt, verliert der Zuschauer gemeinsam mit ihr die Orientierung – schrecklich schön und im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Verantwortlich für die kongeniale Bildsprache zeichnet der Kameramann Emmanuel Lubezki, der für seine Leistung in "Gravity" den Oscar gewann und diesen sogar in den beiden Folgejahren (für "Birdman" und "The Revenant") verteidigen konnte – Rekord.

Angesichts dessen ist es umso erfreulicher, dass die zwei einsamen Darsteller nicht von der Kulisse überwältigt werden. Insbesondere Bullock beeindruckt: So wie Dr. Stone sich zum ersten Mal in den Weltraum wagt, wagt Bullock sich ins ihr bisher vollkommen fremde Genre der Science-Fiction und schlägt sich dabei ebenso bravourös wie ihr filmisches Alter Ego. Sie spielt nie pathetisch, sondern zeigt sich ebenso verwundbar wie zäh.

Durch alle Widrigkeiten hindurch kämpft Stone um ihr kleines, nicht allzu spektakuläres Dasein. Cuarón und Lubezki begleiten sie dabei mit filmischen Hinweisen, denen es trotz großer Geradlinigkeit meist gelingt, eher poetisch als platt zu wirken: Das Rettungskabel als Nabelschnur, die rettende Raumstation als Uterus, das Babygeschrei, das irgendwann durch den gestörten Funkverkehr dringt – das alles erinnert immer wieder an die fantastische Unwahrscheinlichkeit des Lebens. "Gravity" ist ein anderthalbstündiger Höllenritt, bei dem zu keiner Sekunde Langeweile aufkommt – weil für die Figuren jede Sekunde zählt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst