Im Schatten der Netzwelt - The Cleaners
11.09.2018 • 22:45 - 00:15 Uhr
Spielfilm, Dokumentarfilm
Lesermeinung
Auf den Philippinen arbeiten zehntausende sogenannte Content-Moderatoren, die täglich Unmengen an Bildern sichten und nach einem bestimmten Kriterienkatalog bearbeiten. Sie entfernen das Bildmaterial, das nicht genehm ist. Ihre Arbeit wirft Fragen von Zensur auf, die Löschprozesse sind nicht transparent. Die Content-Moderatoren haben keine spezielle Ausbildung und doch bestimmen sie, was wir in den sozialen Medien zu sehen bekommen.
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In THE CLEANERS geht es um die Schattenseiten der sozialen Medien und der mächtigen Konzerne, die dahinter stehen. Sie bestimmen, was wir in unseren Time Lines zu sehen bekommen, legen aber ihr Regelwerk dafür nicht offen. So bleiben die Löschprozesse intransparent und für die Öffentlichkeit nicht kontrollierbar.
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Die Regisseure von THE CLEANERS stellen die drängende Frage nach den Grenzen des Einflusses von Facebook, YouTube, Twitter & Co auf uns und unsere Gesellschaft. Abseits von jeglicher gesellschaftlicher Kontrolle arbeiten die sogenannten Content Moderatoren und bestimmen durch ihre Löschprozesse, was wir in den sozialen Medien zu sehen bekommen. Sie sind als 'digitale Müllabfuhr' tätig.
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Auf den Philippinen ist eine gigantische Schattenindustrie digitaler Zensur angesiedelt. Dort löschen zehntausende Menschen in zehn Stunden Schichten im Auftrag der großen Silicon Valley-Konzerne belastende Fotos und Videos von Facebook, YouTube, Twitter & Co. Komplexe Entscheidungen über Zensur oder Sichtbarkeit von Inhalten werden an die Content Moderatoren abgegeben, ohne dass die Öffentlichkeit Einblick in das Regelwerk der Löschprozesse erhält.
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Die traumatisierende Arbeit der sogenannten Content Moderatoren von Manila ist meist nicht freiwillig gewählt. Viele kommen aus den Slums, sind durch Armut dazu verdammt, sich mit dem 'digitalen Müll' der sozialen Medien zu beschäftigen.
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Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2018
Spielfilm, Dokumentarfilm

Digitale Putzkolonnen

Von Andreas Fischer

"The Cleaners" zeigt, welche armen Seelen eigentlich löschen, was nicht auf Facebook und Co. zu sehen sein soll.

"Die Welt soll wissen, dass es uns gibt", sagt ein Mann aus Manila, der nicht erkannt werden will. Er ist nicht der Einzige, der in "The Cleaners" (2018) im Schatten bleibt, im Verborgenen agiert. Der Dokumentarfilm von Hans Block und Moritz Riesewieck, den das Erste nur wenige Monate nach Kinostart zeigt, ist eine Exkursion ins Halblicht, aus dem der größte Teil des Internets besteht. Dort, wo sich Sexbilder, Gewaltvideos und Terrorpropaganda finden, die ans Licht der sozialen Netzwerke drängen. Es sind oftmals verstörende Aufnahmen, mit denen sich Zehntausende digitale Drecksarbeiter Tag für Tag beschäftigen müssen: Sie entscheiden, was auf Facebook, Twitter, Google und Co. veröffentlicht wird.

Dass es diese Putzkolonnen gibt, das ist nicht neu, aber eben meist auch nicht im Bewusstsein derer angelangt, zu deren Alltag die Nutzung sozialer Netzwerke gehört. Und die nicht mit dem Grauen konfrontiert werden, welches auf den Philippinen gelöscht wird. Durch bis zu 25.000 Bilder klicken sich die Cleaner jeden Tag: "Ignore or Delete?", ist die Entscheidung, für die sie bezahlt werden.

"Es geht uns nicht um Anerkennung", sagt der anonyme Mann weiter. "Wir sind wie Polizisten, es geht uns darum, die Plattform so sicher wie möglich zu machen." Es ist ein fast schon missionarischer Eifer, den die Filmemacher in den Säuberungsbüros entdecken. Die Menschen, die dort arbeiten, können ihren Job eigentlich nicht ertragen, aber sie machen ihn, um das Internet sicherer zu machen. Das ist zumindest eine Seite der Medaille. Die andere: Sie brauchen den Job, um ihre Familien zu ernähren.

Hans Block und Moritz Riesewieck haben es geschafft, eine Handvoll der zehntausend "Content Moderators", wie der Jobtitel der Cleaners offiziell lautet, vor die Kamera zu bekommen. Menschen, die zwischen einem und drei US-Dollar pro Tag bekommen, um sich den Abschaum der Welt anzusehen. Menschen, die kaum ausgebildet sind, deren Entscheidungen aber weitreichende Konsequenzen für die Freiheit in den sozialen Netzwerken haben.

"The Cleaners" ist ein Film, der aussieht und sich anfühlt wie ein Noir-Thriller. Im Mittelpunkt stehen die Anti-Helden vor ihren flackernden Bildschirmen, die bestimmen dürfen, was online geht. Ihre persönlichen Schicksale aber sind Teil eines umfassenderen Ganzen, das der faszinierende Film beleuchtet: Denn am Ende sind es gar nicht die digitalen Drecksarbeiter, die bestimmen, was online gehen darf.

Die Richtlinien zur vermeintlichen Verbesserung der Welt werden im Silicon Valley beschlossen. Sie greifen auch in die Meinungs- und Kunstfreiheit ein, sie sind nicht nur Schutz, sondern auch Zensur. Die Entscheidung darüber jedoch obliegt dem Klickbataillon in Manila, das nicht nur schwer erträgliche Bilder auf den Monitor bekommt, sondern Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen treffen muss: welche Informationen überhaupt noch zugänglich sind.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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