Den meisten Statistiken zufolge ist jeder Zweite in Deutschland schon einmal fremdgegangen. In Ninas Grosses Film geht dieses Wagnis ganz gehörig schief.

Einmal nachgeben. Einmal sündigen. Noch einmal verführbar sein, so wie früher, als das Leben noch keinen Regeln folgte. Und dann mündet das alles in der Katastrophe. Der Fernsehfilm "In der Falle" erzählt von einer Frau, die alles hat, die aber wohl auch deswegen eine gewisse Leere in ihrem Leben empfindet. Und dann taucht er auf, der attraktive Fremde, der ihre Sehnsucht bedient. Regisseurin und Autorin Nina Grosse drehte dieses hochinteressante Familiendrama, das extreme Emotionen zum Thema hat, dabei aber bemerkenswert sachlich und distanziert bleibt. Das Publikum soll sich selbst ein Bild machen: Wie schuldig ist diese Frau, die sehenden Auges ihr Leben in Trümmer legt?

Simone Carstensen-Kleebach (Claudia Michelsen) führt ein auf den ersten Blick perfektes Leben: Sie ist mit ihrer Firma erfolgreich und in der Gesellschaft sogar eine Berühmtheit. Ihre Tochter (Michelle Barthel) macht keine Probleme, ihr Ehemann Frank (Bernhard Schütz) gehört ganz offensichtlich zu den Guten. Seit fast 20 Jahren sind die beiden verheiratet, und es ist keineswegs eine schlechte Ehe. Und doch schwelt in ihr eine Sehnsucht nach einem Abenteuer. Einmal noch, mit Mitte 40, neu begehrt werden. Einmal noch die Aufregung spüren wie beim ersten Mal. Sie macht Urlaub und begegnet Leon (Michael Rotschopf), der ihr Avancen macht. Komplimente, die sie so schon lange nicht mehr gehört hat. Blicke, die sie so schon lange nicht empfunden hat.

Bröckelnde Fassade

Simone gibt der Verführung nach. Nicht aus einer Laune heraus, sondern wohlüberlegt. Sie weiß, was sie tut, worauf sie sich einlässt. "Es geht um die immerwährende Suche einer Frau danach, sich selbst zu spüren. Das Bewusstsein zu erweitern. Die Träume zu leben", sagt Claudia Michelsen, die diese komplizierte Rolle sehr glaubwürdig spielt. Wie man / frau selbst in dieser Situation reagieren würde, ist nicht mehr die Frage. Diese Frau wagt eben den Betrug, und man ahnt, dass das alles nicht gut ausgehen wird.

Denn nach ihrer Rückkehr nach Hamburg erhält sie plötzlich kompromittierende Fotos, die sie und Leon in eindeutigen Situationen zeigen. Wer oder was steckt dahinter? Eine Erpressung? Simone Carstensen-Kleebach ist eine vermögende Frau. Und ist es womöglich Leon selbst, der hier ein perfides Spiel mit der Unternehmerin trieb? Geheim wird sie ihre Affäre nun nicht mehr halten können. Ihre Ehe und ihre Ehre stehen auf dem Spiel. Denn die Presse bekommt Wind von der Untreue der nur vermeintlich so perfekten Frau.

"Warum?" – Das ist die Kernfrage, die sie von ihrem Mann wenig überraschend zu hören bekommt, und die Antwort fällt ihr schwer. Klug baute Nina Grosse, die das Projekt von zwei Kollegen übernahm, ihr Drehbuch auf und richtete den Blick dabei vor allem auf die betroffene Frau. Leon, der Verführer, bleibt bis zum Schluss mehr oder minder rätselhaft, sodass der Film, der im Kern ein Familiendrama ist, auch eine spannende Komponente besitzt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst