Knast in Deutschland
31.07.2024 • 23:15 - 00:00 Uhr
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Originaltitel
Knast in Deutschland
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2024
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Eine lange Nacht hinter Gittern

Von Rupert Sommer

Die auf vier Folgen ausgelegte Dokumentationsreihe beleuchtet den Alltag und die enormen Probleme in deutschen Justizvollzugsanstalten: Rund 44.000 Männer und Frauen sitzen hierzulande im Gefängnis.

Vom Leben hinter hohen Mauern, Stacheldraht und Stahltüren: Die lange Doku-Nacht "Knast in Deutschland" blickt über Gefängnismauern und wirft ein Licht auf einen Alltag, von dem sich Nicht-Betroffene üblicherweise kein Bild machen können. Es geht um die rund 44.000 Strafgefangenen und Sicherungsverwahrte, die in deutschen Justizvollzugsanstalten einsitzen.

Rund jeder dritte Straftäter hinter Gittern befindet sich dabei nicht zum ersten Mal im Gefängnis. Doch wie ihr Leben und das ihrer Betreuer sowie der Familienangehörigen, Besucher und Rechtsvertreter abläuft, wird selten dokumentiert. Und die Vorstellungen, die Kinofilme und Krimiserien befeuern, treffen die Realität vor Ort meist nur sehr ungenau. Das ZDF strahlt gleich vier Dokumentationen aus, die sich unterschiedliche Aspekte, Probleme und Herausforderungen im Knastalltag zum Thema machen.

Wenn Kinder im Gefängnis aufwachsen

Los geht es mit einem Beitrag der Autorin Karin Wendland, der sich mit den eklatanten Drogenproblemen in deutschen Gefängnissen befasst. Sucht und die damit verbundenen Drogen-Beschaffungsprobleme treiben nicht nur viele, oft noch sehr junge Menschen in die Kriminalität. Auch hinter Gittern ist Sucht ein großes Problem. Schätzungen zufolge ist jeder dritte Inhaftierte in Deutschland drogenabhängig.

Selbst Heroin und Kokain, aber auch Crystal Meth und moderne Designer-Drogen werden hinter die streng kontrollierten Tore geschmuggelt. Auf den Gefängnisfluren floriert der Schwarzmarkt. Und Dealer üben starken Einfluss auf ihre Mitinsassen aus. Die Reportage verfolgt in der JVA Meppen in Niedersachsen die Arbeit von Zellen-Kontrolleuren, die den Drogenhandel unterbinden wollen: Spürhund Pepper kann selbst 0,1 Gramm leichte Drogenmengen erschnüffeln.

Der zweite "Knast in Deutschland"-Beitrag, den das ZDF um 0.00 Uhr ausstrahlt, rückt besonders berührende menschliche Schicksale ins Zentrum: Es geht um die Fälle, bei denen eine Inhaftierung bestehende Familienbande zu zerreißen droht. Immerhin gibt es rund 100.000 Kinder in Deutschland, die ein Elternteil haben, das Gefängnisstrafen absitzen muss. Etwa 150 Mütter deutschlandweit leben sogar mit ihren Kindern hinter Gittern. Doch ihre Routinen sind besonders hart und trostlos: Der Traum von "Normalität" in einem Familienleben in Freiheit ist bei diesen Menschen besonders verzweifelt ausgeprägt.

Karin Wendland stellt in dieser Vor-Ort-Reportage die 30-jährige Romina vor. "Am Tag der Verhaftung habe ich erfahren, dass ich schwanger bin", sagt die Inhaftierte, die wegen Betrugs im Frauenvollzug der JVA Vechta in Niedersachsen sitzt. Ihren Alltag im Knast teilt sie sich mit ihrem jüngsten Sohn, einem mittlerweile Zweijährigen. Er kam zur Welt, als ihre Mutter bereits ihre Strafe abbüßen musste. Von drei weiteren Kindern ist Romina seit ihrer Verhaftung getrennt.

Kaum Chancen auf eine Rückkehr in die Normalität

Um 1.00 Uhr geht es mit "Knast in Deutschland" nach einem Nachrichten-Update weiter. Dann stehen Wiederholungstäter im Fokus. Reporterin Wendland besucht dafür die JVA Saarbrücken, die größte Haftanstalt für männliche Gefangene im Saarland. Dort bringt der Staat 140 U-Häftlinge, Schwerverbrecher und Langzeithäftlinge unter – in einer Einrichtung, die mit einer eigenen medizinischen Abteilung, einer Bäckerei, Metzgerei, einer Holzwerkstatt, einer Druckerei, in der eine Haftzeitung erscheint, und der Großküche wie ein Dorf funktioniert. Alles kreist um die Frage, wie es Dauer-Inhaftierten geht und warum ihnen oft der Schritt in eine verlässlich straffreie Existenz "draußen" so schwerfällt.

Der letzte der insgesamt vier Beiträge richtet ab 1.45 Uhr den Blick auf die Menschen, die oft kaum mehr Aussicht auf eine Rückkehr in ein Leben in Freiheit haben: Die Filmemacher Jochen Köhler und Toni Salzl suchen dafür die JVA Bruchsal in Baden-Württemberg auf. Dort sitzen mehr als 400 Männer unter höchster Sicherheitsstufe ein. Was sie vereint: Sie büßen überwiegend langen Haftstrafen ab. Im Knast in Bruchsal gibt es 60 "Lebenslängliche".

Knast in Deutschland – Mi. 31.07. – ZDF: 23.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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