Auf seiner vierten Auslandsreise zieht es Paul Krüger in seine tschechische Heimat, aus der er als Fünfjähriger einst mit der Mutter vertrieben wurde. Eine verstorbene Tante hat ihm und dem Bruder eine Familienbrauerei vererbt. Widerwillig macht sich Krüger auf eine Reise in die Vergangenheit.

Eigentlich wäre Paul Krüger (Horst Krause) lieber zu Hause geblieben. Ein Ei kocht einsam im viel zu großen Topf, alsbald wird es mit dem Messer geköpft. Krüger hat alles im Griff – bis auf den Umstand, dass die Tabletten zu tanzen beginnen, die auf einem kleinen Teller liegen. Ein Presslufthammer droht mit Entmietung. Just in diesem Moment tritt die Bürgermeisterin aus Krygovice in Tschechien auf den Plan und böhmakelt Krüger was vor – dass Krügers Tante Vera mit 98 in Krygovice gestorben sei. Es gelte jetzt, sich um die alte Familienbrauerei zu kümmern, die Tante habe sie Krüger und seinem noch immer in Tschechien lebenden Bruder vermacht. Schon stünden Chinesen bereit, die sich den guten alten Besitz als immobilie unter den Nagel reißen wollten und den Weiterbetrieb gefährdeten.

Das schmeckt nach Heimattourismus und revisionistischer Absicht, zudem will ja schlimmstenfalls die ganze deutsch-tschechische Vertreibungsgeschichte mitverarbeitet sein – ein immer noch heikles Gelände, ein noch immer nicht ganz von Tretminen befreiter Boden. Doch erstens ist die tschechische Bürgermeisterin so lieb und nett, dass man sich ihrem Verlangen gar nicht widersetzen kann, und zweitens bringt Krüger, der wunderbare Horst Krause in seinem vierten Reisefilm, genau die Bierruhe mit, die das heikle Rückholverfahren braucht. Einen wie Krüger bremsen bekanntlich noch nichtmal die immer etwas dumpf veranlagten mitgereisten Berliner Kumpel aus.

Was soll man sagen: "Kryger bleibt Krüger", Krügers Reise in die alte Heimat, die er als Fünfjähriger mit der Mutter verlassen musste, während der – fein ausgedacht! – tschechische Vater in Tschechien blieb, wird zum nahezu ungetrübten Vergnügen. Ein Schuft, wer nicht lachen muss, wenn Krüger schweigt und glotzt, während die anderen so fleißig reden. Redet Krüger nicht, dann redet sein Bauch, den er zwischen den Hosenträgern verstaut.

Mit viel Liebe zum Detail

Dass der in Böhmen zurückgebliebene Bruder ein Aussteiger der romantischen Sorte ist, gibt dieser auf schmalem Grat balancierenden Heimatkomödie ihren besonderen Pep. Emil, kauzig röchelnd und raunzend, wird von Christian Grashof als konsumkritischer Lebenskünstler gespielt. Als Puppenspieler reist er mit dem Zirkuswagen durch die Lande, von Kinderscharen stets umringt. Krüger muss ihn finden, nur gemeinsam können sie erben – das hatte die Tante so gewollt.

Weil aber Krügers Smalltalk nun mal der beste ist, und auch der ganze Mensch ein Ausbund der Vernunft, kann kein Zweifel am Gelingen der Bier-Heimholung bestehen. Spätestens, wenn Krüger die Nase ins weiß aufgeschäumte Budweiser steckt und nach langer Pause bemerkt: "Das muss man ihnen lassen!", ist der chinesische Zugriff in weite Ferne gerückt, ebenso wie die schreckliche Vertreibungsvergangenheit. Marc-Andreas Borchert (Regie), der bereits "Krüger aus Almanya" drehte, hat sie in einer schwarzweißen Erinnerungsszene in den Film integriert. Wie ein Fremdkörper platzt sie in Zeitlupe in diese ansonsten so farbige, mit viel Liebe zum Detail gedrehte Komödie hinein.

Kryger bleibt Krüger – Sa. 18.01. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH