In ihrem 27. Fall bekommen es die Kölner Kommissare Marie Brand und Jürgen Simmel mit einer Familientragödie zu tun. Auf einer Geburtstagsfeier gibt ein wohlhabender Bauunternehmer seinen Abschied zugunsten seines Sohnes bekannt. Als dieser ermordet wird, gerät der Stiefsohn unter Verdacht.

Für die Kölner Kommissare Marie Brand und Jürgen Simmel ist es oberste Pflicht, die harte Kriminalistenarbeit mit einer gehörigen Portion Humor zu verbinden. In ihrem 27. gemeinsamen Fall "Marie Brand und die falschen Freunde" (Regie: Isabel Prahl) machen das Mariele Millwitsch und Hinnerk Schönemann abermals nicht schlecht. Allerdings greift ihnen dabei Thomas Heinze als natürlich begabter Komiker in der Rolle ihres steifen Vorgesetzten Dengler kräftig unter die Arme. Der Zufall will es, dass Dengler einen Trainer für seine Polizeimannschaft braucht, die im Rudern gegen die Kölner Justiz antreten will. Weil sich ausgerechnet Simmel als Ex-Rudertrainer entpuppt und der neue Fall ins ehemalige Ruderleben Simmels führt, entsteht ein dauerhafter Running Gag, der die komische Seite der Kölner Krimireihe (zuletzt über acht Millionen Zuschauer) bestens bedient.

Kampf ums Lösegeld

Drastisch bis zur Schmerzgrenze gerät allerdings das Familiendrama, das letztlich zu zwei Toten führt. Auf der Geburtstagsfeier seiner Frau gibt der Bauunternehmer Borris Angersbach (Klaus Zmorek) geradezu zynisch bekannt, dass er die Firma ab sofort seinem Sohn Malte übergebe, er selbst wolle sich künftig in der Politik engagieren. Angersbach hatte in die Firma seiner Frau eingeheiratet, deren Sohn, eigentlich rechtmäßiger Erbe, würde alles verlieren. Ohnehin lagen der Vater und der Stiefsohn seit langem im Krieg, geschäftlich wie auch privat. Kein Wunder, dass Kai, der Stiefsohn (Golo Euler) unter Mordverdacht gerät, als man die Leiche Maltes findet. Doch was sollte der Grund für die Tat gewesen sein, etwa blanker Hass?

Es ist eine Freude, dem eingespielten Kölner Ermittlerpärchen auf allerlei gekrümmten Pfaden zu folgen. Während bei den Angersbachs blanker Hass grassiert, und Ehefrau Luise nicht nur die Scheidung will, sondern auch einen Privatdetektiv engagiert, taucht recht unvermittelt ein großer Geldschein auf, Teil eines Millionenbetrags, den vor vier Jahren Borris Angersbach Erpressern nach der Entführung des Stiefsohnes übergab – nicht allerdings, ohne dem Stiefsohn die eigene Entführung zu unterstellen.

Hintergrund dessen ist eine Jules-und-Jim-Geschichte. Zwei Freunde, die im Ruderboot für Olympia trainerten (Zweier mit Steuermann, inzwischen als Bootsklasse abgeschafft, hier aber für mancherlei Spötteleien tauglich) und eine Frau ("Unsere Yoko Ono!") glaubten damals engste Freunde zu sein. Selbstverständlich hinterging der eine den anderen – zum Kampf ums Lösegeld ist's da nicht mehr so weit.

Schade, dass es dann doch nicht zum Ruderwettkampf mit den Justizlern kommt, man einigt sich in letzter Sekunde auf Minigolf. Nach gefühlt 20 Wiederaufnahmen des Ruder-Leitmotivs ein letzter Gag. Der Krimiplot des Drehbuchautors Timo Berndt wirkt vor allem zum Ende hin einigermaßen verschroben. Doch wurde insgesamt eine recht amüsante Mischung aus kriminalistischer Knobelei und zündenden Gags angerührt.

Marie Brand und die falschen Freunde – Mi. 16.09. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH