Trophy Men - Die Erfindung der UEFA Champions League
31.05.2025 • 23:40 - 01:05 Uhr
Sport, Fußball
Lesermeinung
Klaus Hempel (l.) und Jürgen Lenz (r.), Erfinder der UEFA Champions League
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Trophy Men - Die Erfindung der UEFA Champions League
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Originaltitel
Trophy Men - Die Erfindung der UEFA Champions League
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2025
Sport, Fußball

Wer hat eigentlich die Champions League erfunden?

Von Eric Leimann

Im Doku-Film "Trophy Men – Die Erfindung der UEFA Champions League" trifft man auf zwei ältere deutsche Herren. Kaum jemand kennt sie, dabei erfanden sie vor 33 Jahren die Champions League. Sie erlöste den Fußball vom grauen Image der 80-er, sorgte aber auch für dessen totale Vermarktung.

Zu Beginn des sehr sehenswerten Dokumentarfilms "Trophy Men – Die Erfindung der UEFA Champions League" (ab 16. Mai in der ZDFmediathek) wird einer Reihe prominenter Fußballstars die Frage gestellt, wer die Champions League erfunden hat. Darunter Oliver Kahn, Lars Ricken, Philipp Lahm, Giovane Élber, Emre Can und Nico Schlotterbeck. Keiner der im Film von Christian Twente ("All or Nothing – Die Nationalmannschaft in Katar") und Markus Brauckmann wiederkehrenden Spieler kann die Frage beantworten. Schon deshalb scheinen die knapp anderthalb Stunden des Films eine Bildungslücke zu schließen. Die beiden Champions-League-Erfinder, Klaus Hempel und Jürgen Lenz, machten den Fußball mit ihren Ideen reich. Sie führten ihn aus den ebenso tristen wie brutalen 80er-Jahren mit Stadionkatastrophen im Brüsseler Heysel-Stadion (39 Tote), Bradford (56 Tote) und Sheffield (97 Tote).

Allerdings wurde der Fußball damals durch Marketing-Experten wie Hempel und Lenz, ihre potenten Geschäftspartner und die UEFA auch bis ins letzte Detail durchkommerzialisiert. Jüngere Fußballromantiker wie Podcast-Star Tommi Schmitt (36) oder Sportjournalistin Lena Cassel (30), die ebenfalls im Film zu Wort kommen, kennen den Prä-Champions-League-Fußball wohl nur vom Hörensagen. Dennoch scheinen sich beide so ein bisschen nach dem "ehrlichen" Fußball von damals zurückzusehnen, spürt man im Interview. Damals bedeutete Bundesliga-Fußball: halbleere Stadien, besetzt mit fast ausnahmslos proletarischen Männern, verregnete Tribünen und eine Berichterstattung in TV und Print, die an Amtsstuben-Sprech erinnerte.

"Wir wollten so etwas wie das 'Hallelujah' von Händel"

Auch an der Spannungskurve des damals noch nicht entdeckten Premium-Produkts Fußball ließ sich noch schrauben. Nur zur Erinnerung: Im Vorläufer-Wettbewerb der Champions League, dem Pokal der Landesmeister, spielten selbige (und nur die) von Runde eins an im K.O.-Modus gegeneinander. Da passierte es schon mal, dass 1987 in eben dieser Runde eins Diego Maradona, der beste Fußballer der Welt, mit seinem SSC Neapel gegen Real Madrid antrat. Mit dem Ergebnis, dass Neapel und Maradona nach zwei Spielen bereits aus dem Wettbewerb ausgeschieden waren. Eine "sinnlose Vernichtung vom Werten aus Sicht des Marketings", wie es im Film heißt. Die Reform des UEFA-Landesmeisterpokals nahm Fahrt auf, als eine Gruppe um den damaligen AC Mailand-Boss und späteren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi damals bereits über die Gründung einer Super League nachdachten. Ihre Idee: Die größten und strahlkräftigsten Vereine Europas verlassen ihre nationalen Ligen und spielen in ihrem eigenen Wettbewerb.

Ein Club der Reichen, der die nationalen Ligen stark entwertet hätte. Bis heute ein Schreckgespenst am Fußball-Horizont. Die UEFA hatte damals so viel Angst, dass sie die beiden ehemaligen Adidas-Topmanager Klaus Hempel und Jürgen Lenz mit einem Konzept für einen reformierten europäischen Vereinswettbewerb engagierten. Die beiden Freunde hatten gerade eine Sportvermarktungsagentur in der Schweiz gegründet.

Im Film erzählen die Herren um die 80, wie sie während eines Fitness-Urlaubes in Lugano nach dem morgendlichen Workout die Grundzüge der Champions League erfanden: die Aufstockung des Teilnehmerfeldes auf mehrere Top-Clubs pro prominenter Liga, gemeinsame Anstoßzeit, fixe Premium-Werbepartner sowie die Erfindung der berühmten Hymne ("Wir wollten so etwas wie das 'Hallelujah' von Händel") und des marmorkalten Logos. Viele Dinge, die damals sehr ungewöhnlich im Fußball erschienen.

Das Entdecken eines Produkts namens Fußball

Hempel und Lenz bekamen den Zuschlag, mussten aber 125 Millionen Franken stellen – was ihnen Dank Investoren gelang. 1992 hatten die beiden ein Schreiben von der UEFA, dass sie beauftragt waren, den Wettbewerb offiziell zu vermarkten: "Damit sind wir losgezogen" erzählen sie im Film. "Trophy Men – Die Erfindung der UEFA Champions League" ist mehr als ein Porträtfilm über zwei Männer oder den Wandel des Fußballgeschäfts von den 80-ern bis heute. Er erklärt auch ein bisschen, wie die Durchkommerzialisierung der Gesellschaft seitdem verändert hat.

An einer Stelle erzählt einer der Film-Protagonisten, wie er einem deutschen Fußballtrainer während der 80-er vorschlug, dass man mal über TV-Vermarktungsrechte und Live-Übertragungen der Spiele seiner Mannschaft nachdenken sollte. "Aber was muss ich dafür bezahlen?", lautete die drollige Antwort. Der Doku-Film beschreibt eine Bewusstseinsreise und das Entdecken eines Produkts namens Fußball über die letzten 40 Jahre. Sehr gelungen, unterhaltsam und ungeheuer lehrreich. Nicht nur, aber auch für jene, die damals noch nicht dabei waren.

Das ZDF zeigt die Dokumentation im Anschluss an die Übertragung des Champions-League-Finales, das diesmal in München stattfindet. Anpfiff ist um 21 Uhr, Oliver Schmidt kommentiert. Als Moderator in der Arena ist Jochen Breyer, er erwartet die fackundigen Wortbeiträge von Fritzy Kromp, Per Mertesacker und Christoph Kramer.

Trophy Men – Die Erfindung der UEFA Champions League – Sa. 31.05. – ZDF: 23.45 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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