Tschick
24.07.2018 • 22:45 - 00:15 Uhr
Spielfilm, Tragikomödie
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Maik (Tristan Göbel) und Tschick (Anand Batbileg) im geklauten Lada. Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de.
Vergrößern
Hint
Audiodeskription
Originaltitel
Tschick
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2015
Kinostart
Do., 15. September 2016
Spielfilm, Tragikomödie

Lakonie im Lada

Von Jasmin Herzog

Fatih Akin verfilmte den außergewöhnlichen Jugendroman "Tschick" so, wie es dessen verstorbener Autor Wolfgang Herrndorf verdient und gewollt hat. Das Erste versteckt den Film nun allerdings auf einem undankbaren Sendeplatz.

Das Buch: ein Mega-Bestseller, von Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen gefeiert und an vielen deutschen Schulen schon Pflichtlektüre. Die Verfilmung: einer der deutschen Kinohits des Jahres 2016 mit mehr als 800.000 Zuschauern. Jetzt kommt "Tschick" ins Free-TV – allerdings auf einem ziemlich unwürdigen Sendeplatz: am Dienstagabend um kurz vor elf Uhr abends. Die jugendliche Zielgruppe dürfte, zumindest, wenn sie noch keine Sommerferien hat, da schon längst im Bett liegen und so einen großartigen Film verpassen. Falls sie ihn nicht schon längst bei Netflix und Co. gesehen hat.

Das eigene Leben in all seiner Großartig- und Fürchterlichkeit selbst in die Hand zu nehmen: Darum geht es in "Tschick, der Romanvorlage des 2013 verstorbenen Wolfgang Herrndorf. Die große Frage bei der Verfilmung lautete: Würde es gelingen, den Protagonisten Leinwand-Gesichter zu verleihen, die nicht aus dem Fundus des wahlweise moralischen oder klamaukigen deutschen Jugendfilms stammen? Kurze Antwort: Es gelingt Regisseur Fatih Akin ("Aus dem Nichts") beeindruckend. In Tristan Göbel und Anand Batbileg fand er zwei herausragende junge Hauptdarsteller.

Die Handlung hält sich klugerweise nah an der Vorlage. Maik Klingenberg, dem Göbel eine sympathische frühpubertäre Lustlosigkeit verleiht, ist trotz reicher Familie unglücklich: Die Mutter säuft, der Vater hat eine Affäre, Freunde besitzt der langhaarige 14-Jährige kaum. Doch eines Tages kommt Tschick. Andrej Tschichatschow, gespielt vom Newcomer Batbileg, ist neu in der Klasse, stammt aus Russland und trägt Plastiktüten und Jogginghosen. Zunächst hasst Maik den Neuling – bis beide als einzige nicht auf der Geburtstagsparty von Maiks Schwarm eingeladen werden. Außenseitertum vereint. Bald steht Tschick zum Beginn der Sommerferien mit geklautem Lada vor Maiks Haus. Die Reise kann beginnen.

In der Klapperkiste begeben sich die von elterlichen und schulischen Verhältnissen entnervten Teenager auf den schönsten, kuriosesten Roadtrip seit langer Zeit. Ziellos ist dieser keineswegs. In die Walachei soll es gehen, wo Tschicks Großvater wohnt. Natürlich kommen die beiden dort niemals an. Dafür treffen sie unterwegs unter anderem auf brandenburgische Öko-Hippies und ein verlottertes Mädchen namens Isa (Nicole Mercedes Müller), das auf einer Müllkippe haust und weiß, wie man per Schlauch Sprit aus LKWs klaut.

In Sprache und Ästhetik nähert sich "Tschick" sympathisch agendalos rebellierenden Jugendlichen, ohne sich mit sozialarbeiterhafter Moral oder gut meinenden Botschaften anzubiedern. Von kitschigem Coming-of-Age samt politischen Korrektheiten und verklärender Reise-Romantik zeigt sich Akins Werk meilenweit entfernt. Als Jugendfilm besitzt "Tschick" im besten Sinne keinen erzieherischen Wert – und gelingt deshalb: Humanistisch feiert der Film, was das Menschsein trotz aller gesellschaftlichen Widrigkeiten ausmacht. Wolfgang Herrndorf hätte es gefallen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Der Trailer zu "Tschick"

Darsteller

Gibt - trotz seiner Vielseitigkeit - oft den Bösewicht: Uwe Bohm
Uwe Bohm
Udo Samel
Seine erste Rolle machte ihn bekannt: Alexander Scheer.
Alexander Scheer
Schauspielerin Friederike Kempter.
Friederike Kempter
Anja Schneider im Porträt.
Anja Schneider
Weitere Darsteller
Marc Hosemann Kai Ivo Baulitz Tristan Göbel Anand Batbileg Mercedes Müller Claudia Geisler-Bading Xenia Assenza Nadine Dubois Henning Peker Till Wonka Alfred Hartung Katerina Poladjan Aniya Wendel Justina Humpf Paul Busche Jerome Hirthammer Max Kluge Sammy Scheuritzel Julius Felsberg Aurelia Selene Schäfer Philomena Köbele Matthis Schmidt-Foß Siri Dausend Gwendolyn Göbel Bella Bading Enno Spohn Helena Siegmund-Schultze Noah Wiechers Florian Wihstutz

Das beste aus dem magazin

Mathias Liebing mit verschränkten Armen.
HALLO!

Mathias Liebing: „Der Fußball gehört im Osten wieder zur regionalen Kultur“

Mathias Liebing hat nach seiner Biografie über Norbert Nachtweih nun das Buch „Plattgemacht“ über die Entwicklung des Fußballs in Ost-Deutschland nach der Wende geschrieben. Im Gespräch mit prisma gibt er interessante Einblicke in die ostdeutsche Fußballseele.
Eine Grafik zum Weltgesundheitstag.
Gesundheit

Die Gesundheit im Blick

Der Weltgesundheitstag wird jährlich am 7. April gefeiert und erinnert an die Gründung der WHO 1948. Das diesjährige Thema lautet: "Gemeinsam für die Gesundheit. An der Seite der Wissenschaft". Deutschland begeht diesen Tag seit 1954 mit angepassten Schwerpunkten.
Dr. med. Ramtin Knuschke in einem weißen Kittel.
Gesundheit

Bluthochdruck: Was hilft, wenn Tabletten nicht mehr reichen?

Bluthochdruck bleibt oft trotz Medikamenten ein Problem. Die Nierennervenablation kann neuen Halt bieten, indem sie gezielt Nervenfasern in der Nierenarterie verödet.
Alexander Scheer vor einem roten Hintergrund.
HALLO!

Alexander Scheer: "Bowie hatte 35 verschiedene Leben"

Lola-Gewinner Alexander Scheer („Gundermann“, „Sonnenallee“) feiert als David Bowie im Stück „Heroes“ seit März 2025 große Erfolge in Berlin. Nun geht der Schauspieler und Sänger mit der Show, die am Berliner Ensemble regelmäßig ausverkauft ist, auf Tour. Im Interview spricht er über Bowies Musik und dessen Liebe zur Literatur.
Professor Dr. Sven Ostermeier ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin und Chirotherapie. Der Schulter- und Knieexperte arbeitet als leitender Orthopäde der Gelenk Klinik Gundelfingen. Außerdem ist er Instruktor der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie.
Gesundheit

Knie-Arthrose: Nur keinen Schongang einlegen

Knie-Arthrose muss nicht das Ende der Beweglichkeit bedeuten. Mit gezielten Übungen kann der Knorpel gestärkt und Schmerzen gelindert werden. Entdecken Sie einfache Bewegungsformen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Getty Images
Reise

Mit KI zum perfekten Urlaub 

Künstliche Intelligenz (KI) kann die Reiseplanung vereinfachen. Viele Fluggesellschaften und Anbieter setzen bereits auf sie. Auch KI-basierte Apps erweisen sich als hilfreiche Assistenten.