Um die 50
Fernsehfilm, Komödie • 30.08.2021 • 20:15 - 21:45
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Originaltitel
Um die 50
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Fernsehfilm, Komödie

"Man wird nicht erwachsener, nur älter"

Von Eric Leimann

Fast 26 Jahre nach der damals ziemlich innovativen ZDF-Miniserie "Um die 30" treffen sich die jungen Protagonisten von einst wieder: Dominic Raacke, Natalia Wörner, Jürgen Tarrach und Co. spielen ihre alten Figuren. Eine tragikomische, berührende Reise durchs Leben.

Eigentlich müsste dieser ZDF-Montagsfilm "Mitte 50" oder gar "Um die 60" heißen. Die sechsteilige ZDF-Miniserie "Um die 30", auf die man sich bezieht, lief im Herbst 1995. Macht fast 26 Jahre – und einige der Protagonisten wie der ehemalige Berliner "Tatort"-Kommissar Dominic Raacke (62) oder Jürgen Tarrach (60) haben tatsächlich schon ihr siebtes Lebensjahrzehnt begonnen. Doch egal, jüngere Zuschauer werden mit dem tragikomisch melancholischen Cliquen-Porträt "Um die 50" ohnehin wenig anfangen können, sollten sie sich überhaupt in die lineare Primetime des ZDF verirren.

"Um die 30" beschrieb damals das Leben einer sechsköpfigen Münchener Clique, zumeist Paare. Es ging um Freundschaft, Berufspläne, Kinderwünsche, die Angst vorm Erwachsensein und frühen Familienfrust. Nun treffen sich Frank (Dominic Raacke), dessen Ex-Freundin Tina (Natalia Wörner), das "alte" Ehepaar Carola (Susanne Schäfer) und Carlo (Jürgen Tarrach), die mittlerweile in einer lesbischen Beziehung lebende Sabrina (Catherine Flemming) sowie der nicht älter werden wollende Porsche-Fahrer Olaf (Bruno Eyron) anlässlich von Carolas 50. Geburtstag wieder.

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Alter, selbstmitleidiger Sack

Für die ehemaligen Liebenden Frank, mittlerweile ist er mit Henriette (Henny Reents) verheiratet, und Tina, die in Frankreich mit ihrem älteren Mann lebt, ist es die erste Begegnung nach langer Zeit. Ob das alte Feuer zwischen den beiden wieder zu flackern beginnt? Oder dominieren Frust und Enttäuschung? Beide sind kinderlos geblieben, wenn auch Frank Henriettes halbwüchsigen Sohn "miterzieht", was nicht ohne Probleme abläuft. Carlo und Carola, die schon in "Um die 30" verheiratet waren, haben mittlerweile drei erwachsene Kinder. Carlo lebt immer noch ungesund und macht sich zu viel Stress mit seinem Gastro-Betrieb. Dass Carola offensichtlich eine Affäre hat, nimmt er hin. Denn was hätte er denn noch, wenn er die alte Liebe ganz aufkündigt? Ziemlich wenig, vermutet er.

Auch Womanizer Olaf geht es nicht gut. Er steckt in finanziellen Problemen und will deshalb seiner dementen Mutter im Altersheim die Unterschrift zwecks Überschreibung des Häuschens abluchsen. Gleichzeitig schämt er sich für seinen Plan. Und seine junge Freundin Ellie (Sandra Bourdonnec) scheint zunehmend genervt von ihrem alten, selbstmitleidigen Sack zu sein. Ganz andere Probleme hat Sabrina, die mit ihrer Partnerin Ellen (Jule Böwe) von Berlin zu Carolas Fest anreist. Sabrina macht sich Sorgen um ihren Sohn, dessen Vater Lars (Marc Hosemann) ihr das Leben schwer macht. Gleichzeitig muss sie mit ihrer Schwester Tina das Haus der verstorbenen Eltern ausräumen.

Zu "Um die 40" kam es nie

Die 90 Filmminuten, die wie damals auf einem Drehbuch von Dominic Raacke und Ralf Huettner ("Die Musterknaben", "Vincent will meer") beruhen, der auch wieder die Regie übernahm, mäandern erzählerisch ziemlich herum. Die Handlung spielt in den Stunden vor, während und nach dem Fest, und sie besteht vornehmlich aus Gesprächen, Geständnissen, Kriseninterventionen und dem späten Versuch, sich noch ein paar Wünsche zu erfüllen oder zerbrochenes Porzellan zu kitten. Hier wird kein gigantischer Spannungsbogen aufgezogen. Es muss reichen, dass man wissen will, wo die altvertrauten Charaktere am Anfang und am Ende des Films stehen. Doch gerade die entspannt melancholische Erzählweise ist eine Stärke des Films. Die ausbleibende Plot-Hetze führt zu einem fast französischen Filmgefühl der amüsiert-gespannten Beobachtung, des Mitlachens und Mitleidens.

Dominic Raacke und Ralf Huettner wollten ihr Generationen-Porträt übrigens schon mehrmals fortsetzen. Zu Filmen oder Serien mit Titeln wie "Um die 40" kam es jedoch nie, weil die Finanzierung scheiterte oder sonstige Mühlsteine dem Projekt im Weg lagen. Was daran liegen mag, dass "Um die 30", eine damals ziemlich moderne, weil eben auch erzählerisch freche Erzählung über eine hedonistisch-orientierungslose Generation X zwar ein Unikum im deutschen Fernsehen war, aber eben auch kein sonderlicher Quotenhit.

Erst mit den Jahren "outeten" sich viele Generationsangehörige als Fan der Miniserie, die aus dem damals fiktional doch eher langweiligen deutschen TV-Einheitsbrei der 90-er herausstach. "Man wird nicht erwachsener, man wird nur älter", sagte Frank schon damals zu seinen Freunden. In der ZDF-Mediathek werden die alten Folgen von "Um die 30" übrigens wieder zu sehen sein. Bleibt zu hoffen, dass "Um die 50" nicht das erzählerische Ende der Fahnenstange für die sechs Protagonisten ist. Man würde wirklich gerne wissen, was aus ihnen wird. Was durchaus ein Kompliment für diesen ZDF-Montagsfilm ist.

Um die 50 – Mo. 30.08. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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