Wilde Azoren - Wunderwelt im Atlantik
06.05.2026 • 20:15 - 21:00 Uhr
Natur + Reisen, Tiere
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Expeditionen ins Tierreich
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2017
Natur + Reisen, Tiere

Wilde Azoren - Wunderwelt im Atlantik

Mitten im Atlantik erhebt sich ein gigantisches Unterwassergebirge. Mit seinen höchsten Spitzen durchdringt es die Wasseroberfläche und bildet die Inselgruppe der Azoren: jede der neun Inseln eine fantastische Welt für sich. Für Seevögel sind die üppig bewachsenen Inseln vulkanischen Ursprungs ein Brückenkopf zwischen Amerika und Europa. Sturmtaucher- und Seeschwalbenkolonien überziehen die Steilküsten. In den Gewässern des Archipels leben die größten Tiere der Welt: Blauwale. Für über 20 Walarten auf ihrem langen Weg der Durchreise von und in die arktischen Gewässer in wärmere Bereiche des Atlantiks ist das Meer vor den Azoreninseln ein üppiger Futterplatz: Mit dem Golfstrom gelangen aus den Tiefen des Ozeans Tausende Tonnen Krill, Biomasse, aus südlichen Gewässern. Vor den Küsten der Azoren treffen die riesigen Meeressäuger wie Blauwale, Finnwale, Buckelwale, Pottwale oder Schwertwale auf die größten Fische der Ozeane: Walhaie, Blauhaie oder den seltenen Mondfisch, den größten Knochenfisch der Erde. Wie Wesen aus einer anderen Welt wirken die Salpen, die aus großer Tiefe an die Oberfläche aufsteigen. Sie sind walzenförmig, fächerartig oder langgestreckt, sehen aus wie runde, durchsichtige Köcher oder transparente Plastikröhrchen. Manche Individuen hängen zusammen und bilden Bänder, die acht Meter Länge und mehr erreichen. Selten kommen Salpen in großen Mengen vor. An der Südküste der Insel Pico fällt der Vulkanhang steil ab. Nur wenige Seemeilen vor der Küste liegt der Meeresboden bereits in 2000 Metern Tiefe. Im Scheinwerferlicht des Tauchboots erscheinen fremdartige Wesen. Manche drehen sich um die eigene Achse, andere wieder ziehen wie eine Schlange vorbei, die nächsten senden bunte Lichtsignale. Die Azoren haben aber mehr als das Unterwasserspektakel zu bieten. Die Landschaften der Inseln mit Basalthöhlen und Wasserfällen sind ebenso spektakulär wie fruchtbar. Überall finden sich grüne, teils von Seen und Teichen durchzogene Vulkankrater. Sie sind ein Süßwasserreservoir für die hier lebenden Vögel, aber auch für Zugvögel, die aus Europa und Amerika kommen und sich auf den Azoren treffen, um hier zu überwintern. Darunter sind Strandpieper, Kiebitzregenpfeifer, Steinwälzer und Steinschmätzer. Ihnen bieten die Kraterlandschaften ein sicheres Refugium mit ausreichend Nahrungsangebot. Im Lavagestein der Steilküsten brüten Gelbschnabel-Sturmtaucher gut versteckt in kleinen Felslöchern. Ihre Flugleistungen sind rekordverdächtig: Kaum flügge geworden, ziehen die Jungtiere mit den Eltern über den Atlantik, um dort den Winter zu verbringen. Ein einziges Ei wurde im Frühjahr in die karge Nisthöhle gelegt. Nistplätze gibt es genug auf den vulkanischen Azoren, wo sich im brüchigen Lavagestein Höhlensysteme weit über die Inseln erstrecken. Die Gelbschnabel-Sturmtaucher bevorzugen die kleinen Höhlen und Löcher an den Steilküsten. Sobald das Junge geschlüpft ist, verbringen die Elterntiere den ganzen Tag mit der Nahrungssuche am Wasser. Erst wenn es Nacht geworden ist, kommen sie für wenige Stunden zum Nest zurück, um das Jungtier zu versorgen. Das Geschrei der Sturmtaucher gleicht einem krächzenden Wimmern und erfüllt bei Anbruch der Nacht ganze Küstenstriche. Hunderte Meter, ja oft mehrere Kilometer erstrecken sich die gewaltigen Höhlenröhren über die Inseln. Sie verlaufen in Fließrichtung der einst flüssigheißen Lava von den Vulkanen talwärts. Irgendwann gibt es den Punkt, wo der Höhlenschlund das Meer erreicht, ein Sammelplatz für Unterwassertiere. Im Scheinwerferlicht der Kameras nutzen Fische die Gelegenheit und stoßen in einen Garnelenschwarm. Muränen tauchen auf und vertilgen die Garnelen zu Hunderten. Große Rochen, Oktopusse und Bärenkrebse sind weitere Bewohner dieses düsteren Reichs ohne Tageslicht. An der Meeresoberfläche gleitet langsam die Portugiesische Galeere dahin. Die Quallenart hat einen transparenten, bläulich schimmernden, ca. 15 Zentimeter langen Körper mit vielen Nesselarmen. Die Nesselfäden sind hochgiftig. Wenn sie nicht eingezogen sind, können sie als bis zu 20 Meter lange Giftschnüre im Wasser nach Beute angeln. Meereslebewesen wie Fische, Garnelen, Salpen, aber auch andere Quallen werden durch diese Fangfäden in wenigen Sekunden getötet. Dann wird die Beute ins Zentrum der Galeere gezogen, zersetzt und verspeist. Die Portugiesische Galeere ist eine Kolonie von Polypen, deren Einzeltiere im Verbund spezielle Fertigkeiten entwickeln und alleine nicht mehr lebensfähig sind. Das größte Lebewesen des Planeten ist der Blauwal. Ein Exemplar ist zum Atmen an die Meeresoberfläche aufgestiegen. Sein mächtiger Körper ist gut 25 Meter lang. Nur mit Brille, Schnorchel und Flossen gleiten die Kameraleute ins Wasser. Sobald der dunkle Schatten näher kommt, holen sie einmal noch tief Luft und tauchen ab. Der Wal zieht wenige Meter vor den Tauchern vorbei. Die Atemluft wird knapp, denn es dauert eine Weile, bis der riesige Blauwal sich wieder entfernt hat. Fährt man mit dem schnellen Schlauchboot von der Insel Pico nach Süden, ist bald kein Land mehr in Sicht. Wer dann ins Wasser geht und abtaucht, fühlt sich sehr allein und einsam im weiten riesigen Ozean. Vor allem, wenn ein Blauhai auf die Kamera zuschwimmt, majestätisch und ruhig. Nicht selten kommen die Tiere mit der Nasenspitze bis auf wenige Zentimeter an die Kameralinse heran und drehen dann ab. Es kommt vor, dass die lange Brustflosse über die Schulter des Kameramanns streicht. Blauhaie sind sanfte "Primaballerinas", sie sind nicht hektisch, aber neugierig. Erich Pröll berichtet, der Hai, den Nuno Sa filmte, hatte Reste eines Thunfischs zwischen den Zähnen. Schwarze Schwertwale hatten den Fisch attackiert und zerstückelt. Nuno gelingen Aufnahmen, wie der Hai den Thunfisch zerlegt, das alles passiert wenige Zentimeter vor der Kameralinse. Jutta Anna Wirth hält einem anderen Taucher den Rücken frei, sie dirigiert einen anderen Hai langsam zur Seite, während der andere sich auf den vor ihm konzentriert und versucht, gute Aufnahmen zu machen. Spannend wird aber das Auftauchen nach eineinhalb Stunden. Der erste Blick über Wasser, kein Boot weit und breit, nur leichte Dünung und weiter Ozean. Die Taucher treiben an der Meeresoberfläche, die Sonne steht schon tief. Es ist einer der großen Augenblicke auf den Azoren, wunderschön und doch etwas beklemmend: weit in der Ferne die 2500 Meter hohe Spitze des Vulkans Pico, rot angeleuchtet von der Abendsonne. Unter ihnen das dunkle Meer mit seinen Haien. Doch dann nähert sich tatsächlich das Motorboot, der Skipper hat das Taucherteam gefunden. Corvo ist die kleinste Insel der Azoren, ein erloschener Vulkan und ganz im Westen gelegen. Ebenso wie Flores ist sie schon Teil der amerikanischen Kontinentalplatte. Der riesige Krater erhebt sich direkt aus dem Meer. In der Caldera befinden sich sumpfige kleine Seen. Einmal im Jahr, im Oktober, wird Corvo von Birdwatchern aus aller Welt belagert. Sehnsüchtig erwarten sie das jährliche Erscheinen der Zugvögel aus zwei Kontinenten: Amerika und Europa. Manche Vögel kommen sogar aus Grönland auf die Azoren. Hier trifft Europa auf Amerika: über Wasser die winzigen Vögel mit ihren gigantischen Flugleistungen, in den Tiefen des Ozeans die Kontinentalplatten mit ihren Urgewalten, die für die Entstehung der Inselgruppe verantwortlich sind. Die in UHD-Qualität gedrehte "Universum"-Dokumentation zeigt die kleine Inselgruppe im Atlantik als Brückenkopf zwischen Nord und Süd, Ost und West, zu Wasser wie zu Luft. Während es auf den Inseln selbst keine großen Wildtiere gibt, ist die Biodiversität rund um die Inseln einzigartig. Die Lava- und Basaltfelsen sind aufgrund ihrer exponierten Lage im Atlantik eine Drehscheibe für die größten Tiermigrationen im Atlantik.

Das beste aus dem magazin

Dr. Lena Schlender ist Zahnärztin im Carree Dental in Köln.
Gesundheit

Gegen schädliche Bakterien: Zahnseide richtig nutzen

Zahnseide ist ein unverzichtbares Werkzeug in der Mundhygiene. Doch viele machen beim Flossing einen entscheidenden Fehler: Das kreuz und quer Anwenden. Warum das schädlich ist und wie es richtig geht, erfahren Sie hier.
Eine Geburtstagstorte mit der Zahl 100 und Kerzen.
Gesundheit

Alt wie Methusalem?

Der Lebenserwartungsrechner des Deutschen Instituts für Altersvorsorge ermittelt anhand persönlicher Angaben, wie sich die eigene Lebenserwartung statistisch entwickelt. Faktoren wie Sport, Alkohol- und Tabakkonsum sowie Schlaf beeinflussen das Ergebnis.
Dr. Jens-Andreas Münch.
Gesundheit

Prostatabeschwerden: Das können Sie selbst tun

Nächtlicher Harndrang quält viele Männer ab 50. Eine vergrößerte Prostata kann die Ursache sein. Pflanzliche Arzneimittel versprechen Hilfe, ohne tagsüber müde zu machen. Was es zu beachten gibt und wie Sie die passende Behandlung finden, erfahren Sie hier.
Das Buch „Too much. Warum wir Kontrolle suchen – und Kraft im Loslassen finden“ von Professorin Dr. Eva Asselmann
Gesundheit

Für Sie gelesen: "Too much. Warum wir Kontrolle suchen – und Kraft im Loslassen finden"

Professorin Dr. Eva Asselmann bietet mit ihrem Buch "Too much" wertvolle Einblicke in den Umgang mit Alltagsstress und erklärt, wie man durch Selbstwirksamkeit Kontrolle zurückgewinnt.
Harry Whitley mit einer Gitarre.
HALLO!

Harry Whitley: "Für mich ist ein Traum wahr geworden"

Harry Whitley, der neue Sänger von Asia, erzählt von seinem überraschenden Einstieg in die legendäre Band, den Aufnahmen neuer Live-Alben und wie seine YouTube-Cover ihn ins Rampenlicht katapultierten.
WDR Herby Sachs
Gesundheit

TOFI: Normalgewichtig, aber Adipositas

Gesundheit ist mehr als nur das Gewicht auf der Waage. Warum Menschen mit normalem BMI und Bauchfett ein höheres Risiko für Krankheiten haben können als leicht Übergewichtige mit aktiver Lebensweise.