Er ist der moderne Sherlock Holmes in Paul McGuigans BBC-Reihe "Sherlock - Ein Fall von Pink" (2010), die den Detektiv ins London des 21. Jahrhunderts versetzt. Sir Arthur Conan Doyles kauziger wie genialer Junggeselle ist hier ebenso ein vor unglaublicher Arroganz und Egozentrik strotzender Einzelgänger - nur ohne Deerstalker-Hut und Pfeife. Wie in Doyles Geschichten steht Cumberbatch Scotland Yards Polizisten bei unlösbaren Fällen als Berater zur Seite. Der markante Unterschied zwischen der Klassikervorlage und der BBC-Adaption liegt in der Aktualität des Themas begründet: Findet man in Doyles Vorlage immer mystische Untertöne, die letztendlich durch logische Vorgänge erklärt werden, so hat McGuigans Holmes - auch dank moderner Telekommunikation - eine nahezu unglaubliche Beobachtungsgabe, die ihm Aufschluss über den Tathergang gibt. Zusätzlich zu dieser Gabe stehen Cumberbatch alle heutigen technischen Mittel beim Lösen eines Falls zur Verfügung, so dass Laptop, TV und Smartphone zu Sherlock Holmes' ständigen Begleitern zählen. Den Sherlock gab er zusammen mit Martin Freeman als Dr. Watson auch in den fünf weiteren Krimis, von denen 2010 "Sherlock - Der blinde Banker" und "Sherlock - Das große Spiel" ausgestrahlt wurden, 2012 folgten "Sherlock - Ein Skandal in Belgravia", "Sherlock - Die Hunde von Baskerville" und "Sherlock - Der Reichenbachfall".

Von 2002 bis 2005 war Cumberbatch zunächst in verschiedenen TV-Serien zu sehen, bis er 2004 in seiner ersten Hauptrolle als Physikgenie Stephen Hawking in der Filmbiografie "Hawking - Die Suche nach dem Anfang der Zeit" (2004) dem Zuschauer beeindruckende Einblicke in die Psyche sowie die außergewöhnliche menschliche Lebensleistung des genialen Wissenschaftlers gewährt. In jungen Jahren an der Nervenlähmung ALS erkrankt, ist Hawking ein Beispiel für die innere Zerrissenheit eines Menschen: Er ist der vor Geist sprühende Physiker, dessen Verstand keine Grenzen kennt, der jedoch durch seine Erkrankung zunehmend zum Gefangenen seines eigenen Körpers wird. Seitdem war Cumberbatch verstärkt in Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen: In dem Mantel- und Degenfilm "To Kill a King" (2003) übernahm er die Nebenrolle eines Royalisten und spielte an der Seite von Tim Roth als Oliver Cromwell und Rupert Everett. In dem Drama "Abbitte" (2007) verkörperte Cumberbatch perfekt die Rolle des schmierigen Paul Marshall, der mit seinem Kommilitonen Leon Tallis über die Sommerferien dessen Familie besucht und sich an Leons halbwüchsige Cousin Lola heranmacht. Das Drama nach Ian McEwans Romanvorlage wirkt wie eine Karrierespritze, so dass Cumberbatch ab 2007 zunehmend in großen amerikanischen Kinoproduktionen mitwirkt. Bereits ein Jahr später trat er neben Natalie Portman in dem Drama "Die Schwester der Königin" auf, in dem er Mary Boleyns alias Scarlett Johanssons Ehemann William Carey verkörpert.

Cumberbatch spielt oft Charakterköpfe: Neben seiner Darstellung des Privatdetektivs Sherlock Holmes war er 2010 in "Van Gogh: Painted with Words" als niederländischer Maler Vincent Van Gogh in einer weiteren BBC-Fernsehproduktion zu sehen. Das Drama erzählt die tragische Geschichte des Malers, der in völliger Armut lebt und sich mit seinem Kollegen und Freund Paul Gauguin zusammen tut. Von seinen Misserfolgen verbittert, beginnt Van Gogh zu trinken und geht in einem heftigen Streit mit dem Messer auf Gauguin los. Gauguin überlebt die Attacke zwar, doch zur Buße schnitt Van Gogh sich sein rechtes Ohr ab. Für seine Darstellung des Van Gogh, der im Laufe der Jahre unter Halluzinationen litt und sich schließlich dem Wahnsinn verfallen selbst in eine Nervenheilanstalt einwies, bekam Cumberbatch viel Lob. 2012 übernahm Cumberbatch in Peter Jacksons Tolkien-Verfilmung "Der Hobbit: Eine unerwartete Reise" mit seiner sonoren Stimme die Sprech-Rolle (im Original) des animierten Drachen Smaug. In dem Fantasiestreifen wird die Geschichte erzählt, wie Bilbo Beutlin alias Martin Freeman an den magischen Ring gelangt, der in der nachfolgenden Trilogie "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" (2001), "Der Herr der Ringe - Die zwei Türme" (2002) und "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" (2003) für viele blutige Auseinandersetzungen und Gefechte zwischen Gut und Böse sorgt.

Weitere Filme und Serien mit Benedict Cumberbatch: "Heartbeat" (Serie 2000-2004), "Hills Like White Elephants" (Kurzfilm), "Fields of Gold", "Tipping the Velvet", "Gerichtsmediziner Dr. Leo Dalton - Tell no Tales Part 1&2" (Serie, alle 2002), "Cambridge Spies: Episode 1.2" (Serie), "Spooks - Im Visier des MI5" (Serie), "Dr. Slippery" Serie, alle 2003), "Dunkirk" (2004), "Nathan Barley" (Serie), "To the Ends of the Earth" (Serie), "Broken News" (Serie, alle 2005), "Starter for 10", "Amazing Grace" (beide 2006), "Inseparable" (Kurzfilm), "Stuart: A Life Backwards" (beide 2007), "The Last Enemy" (Serie), "Marple: Murder is Easy" (beide 2008), "Creation", "Small Island" (beide 2009), "Burlesque Fairytales", "Four Lions", "Third Star", "The Whistleblower" (alle 2010), "National Theatre Live: Frankenstein" (Serie), "Dame, König, As, Spion", "Gefährten" (alle 2011), "Parade's End - Der letzte Gentleman" (2012), "Star Trek Into Darkness", "Inside Wikileaks - Die fünfte Gewalt", "Der Hobbit: Smaugs Einöde", "12 Years a Slave", "Im August in Osage County" (alle 2013).

Foto: ARD/Degeto/BBC/Hartswood Films