Amy Adams entschlüsselt im philosophischen SciFi-Werk "Arrival" (2016) die Sprache auf der Erde gelandeter Aliens – und damit das Wesen des Menschen.

Eine Vorstellung, so alt wie die Science Fiction: Was geschähe, wenn uns eines Tages Bewohner fremder Welten auf der Erde besuchten? Hollywood beantwortete diese Frage oft mit gewaltreichem Spektakel. In der Tradition philosophischer Sci-Fi-Reflexionen zwischen "2001" und "Interstellar" ging Regisseur Denis Villeneuve ("Sicario", "Blade Runner 2049") einen Schritt weiter: In seiner eindrücklichen Studie "Arrival" (2016) lotete der Kanadier mit einer außergewöhnlichen Amy Adams die Grenzen von Sprache und Kommunikation aus – und damit das Wesen menschlichen Seins überhaupt. RTL zeigt den Film nun in einer Free-TV-Premiere.

Besucher aus dem Universum tauchen eines Tages plötzlich an zwölf über die ganze Welt verteilten Orten auf, mit zylinderförmigen Raumschiffen, die wenige Meter über dem Boden schweben. Weder drohen sie, noch schießen sie; weder entführen sie zu wissenschaftlichen Zwecken, noch erobern sie unsere Städte zum Ziele der Weltherrschaft. Villeneuve kostet diesen unvorstellbaren Moment des Erstkontakts, auf den schier unerträgliches Warten und weltweite Ratlosigkeit folgt, erzählerisch und ästhetisch voll aus: die öffentliche Hysterie, die Versuche seriöser Analyse, den Wahn religiöser Gruppen, die meinen, die Erlösung sei nah.

Mitten hinein in das wohl größte Ereignis seit Menschengedenken gerät die Linguistin Louise (Amy Adams): Regierung, Militär und Geheimdienste haben sie zum Teil jener Auserwählten auserkoren, die Zugang zum Alien-Landeplatz auf US-amerikanischem Boden bekommen. Unter Leitung von Colonel Weber (Forest Whitaker) begibt sich das Team um Louise und den Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) nach Montana, wo sich die Außerirdischen niedergelassen haben. Ihr Schiff machen sie alle paar Stunden zugänglich und geben absonderliche Laute von sich. Mithilfe der Wissenschaftler wollen die ratlosen Regierungstruppen endlich herausbekommen: Was wollen die eigentlich von uns?

Louise beim Verstehen der Alien-Sprache zu beobachten, während die Militärs auf schnelle Ergebnisse drängen, erzeugt einen aufregenden Widerspruch aus poetischer Transzendenz und existenziellem Chaos. Große Fragen stellen sich in der Auseinandersetzung: Ist Sprache oder Physik planetenübergreifend verständlich? Was ist die Grundlage von intelligentem Sein? Lässt sich Empathie zwischen interstellar verschiedenen Spezies ausdrücken?

Villeneuve begibt sich künstlerisch, doch nachvollziehbar auf die Suche nach den Antworten auf jene klassischen SciFi-Fragen – für actiongewöhnte Augen auch entsprechend langatmig. Dabei birgt "Arrival" eine ganz andere, tiefere Form von Spannung. Eine Spannung, die vom Erkennen des menschlichen Wesens überhaupt ausgeht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst