Seit zehn Jahren treten sie nun schon gemeinsam im TV auf – im neuen Format "Joko & Klaas gegen ProSieben" erstmals auch als Team. Was ihren Erfolg ausmacht, erklären Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf im Interview.

Am 12. Juni 2009 war es soweit: Erstmals sah man einen gewissen Joko Winterscheidt und einen Mann namens Klaas Heufer-Umlauf zusammen in einer Fernsehsendung. "MTV Home" lautete der Titel der Show auf dem schon damals darniedergehenden Musikkanal – ein Format, das die Vorlage zum Erfolg "Circus HalliGalli" lieferte und in diesem Sinne "Joko & Klaas" erst hervorbrachte. Unter ihrem allseits bekannten Duo-Doppelnamen firmieren die beiden heute noch – zehn Jahre nach den Anfängen und zwei Jahre nach dem Ende ihrer ProSieben-Show, die sie endgültig zu Promis im deutschen Entertainmentbetrieb machte. Mittlerweile sind sie älter – Joko wurde Anfang des Jahres 40 – und weniger selbstreferenziell – jeder geht von Klaas' "Late Night Berlin" bis zu Jokos Magazin "JWD" eigenen Projekten nach. Doch der Spaß aneinander und am gemeinsamen Fernsehmachen bleibt, ebenso wie die Lust auf Neues: Erstmals treten sie im Wettkampf-Format "Joko & Klaas gegen ProSieben" (ab 28. Mai immer dienstags, 20.15 Uhr) im Team an. Stellt sich die Frage, warum sie noch nicht genug voneinander haben – und wo sie den Schlüssel ihres Erfolges vermuten.

prisma: In Ihrer neuen Show "Joko & Klaas gegen ProSieben" müssen Sie sich wieder zahlreichen physischen Herausforderungen stellen. Müssen Sie sich mittlerweile besser für mögliche körperliche Folgen wappnen?

Joko Winterscheidt: Das hatten wir ja immer. Wir waren immer gut beraten, uns nicht zu viele Gedanken darüber zu machen, was uns am Ende erwartet. Sonst hätte man manche Sendung wohl am Ende auch abgesagt, weil dann klar geworden wäre, dass unsere alten gebrechlichen Körper dazu nicht mehr in der Lage sind.

Klaas Heufer-Umlauf: Ich finde es unfair, dass ich da mit eingemeindet werde. Joko bricht sich Sachen, von denen man nicht mal weiß, dass man sie hat. Ich hingegen habe mir einen schönen, jugendlichen Körper erhalten.

Winterscheidt: Aber wir sind doch jetzt ein Team und agieren zusammen! Noch mal zur Vorbereitung: Manchmal sind wir selbst überrascht, wie unvorbereitet wir an Dinge rangehen.

prisma: Gibt es da keine versicherungstechnischen Einwände von Seiten des Senders?

Heufer-Umlauf: Ich glaube, unser Vertrag wird so interpretiert, dass sie mehr Geld verdienen, wenn wir uns verletzen. Es geht ja um die Werbeeinnahmen: Wenn die also feststellen, dass es eigentlich viel mehr Geld bringt, wenn wir uns ein Bein brechen, dann ist auf einmal nicht mehr so wichtig, was da genau im Vertrag steht zum Thema persönliches Risiko.

Winterscheidt: Solange das System funktioniert, ist eine Verletzung sogar das Beste, was passieren kann.

prisma: Wie war für Sie die Erfahrung, nach Jahren des Gegeneinanders in einer Sendung als ein Team zu agieren?

Heufer-Umlauf: Das war schon ungewohnt. In manchen Situationen vergaßen wir auch, dass wir jetzt zusammen arbeiten. Da mussten wir uns aktiv erinnern: Halt, wir sind jetzt ein Team! Bitte hören Sie auf, mich zu schlagen!

Winterscheidt: Es war neu, dass die privaten Momente des Spaßes miteinander, die vorher im Fernsehen nichts zu suchen hatten, jetzt auf einmal auch On-Screen existieren. Da sind wir selbst überrascht, wenn wir uns so vertraut und herzlich sehen. Für mich fühlt es sich immer noch ein wenig befremdlich an. Etwa wenn man den anderen in manchen Situationen bewusst nicht zusammenfalten kann, weil es ja nichts bringt. Es wird noch einige Staffeln dauern, bis wir wirklich an einem Strang ziehen. Bis dahin denke ich in manchen Situationen noch, dass das eine Falle ist, dass ich verarscht werde. Dass der ganze Aufwand und das Gerede von Teamwork nur betrieben wird, um mir am Ende den Mittelfinger zu zeigen (lacht)

Heufer-Umlauf: Das Vertrauen muss langsam wieder aufgebaut werden, damit muss man sehr behutsam umgehen. Das wird auch psychologisch begleitet.

prisma: Immerhin findet die Annäherung pünktlich zu Ihrem Jubiläum statt. Im Juni 2009 waren Sie erstmals gemeinsam bei "MTV Home" im Fernsehen zu sehen.

Heufer-Umlauf: Stimmt, schon zehn Jahre mit dir, Joko.

Winterscheidt: Das tut mir leid.

Heufer-Umlauf: Ich bin jetzt schon 16 Jahre beim Fernsehen. Neulich sprach mich so ein Typ auf der Straße an, größer als ich, und erzählte, dass er mich schon mal beim Vorlesen in seiner Grundschule gesehen habe. Da war der in der dritten Klasse und ich war beim "Zeit"-Vorlesetag.

prisma: Mittlerweile sind Sie Prominente, werden angesprochen. Das war vor zehn Jahren noch nicht so. Wie gewöhnt man sich daran?

Heufer-Umlauf: Wenn das über Nacht kommt, durch irgendwelche Castingshows etwa, ist das sicher ungesund. Wenn sich von jetzt auf gleich dein Alltag ändert, übersteht man das nicht sehr gut. Bei uns geschah das aber langsam. Man konnte sich dran gewöhnen. Zudem waren wir zu der Zeit noch so jung, dass es auch nicht peinlich war, daran Freude zu empfinden. Irgendwann ist das Besondere daran relativ schnell weg. Dann muss man überlegen, ob es einen stört. Mich stört es nicht. Ich weiß, wie ich dem aus dem Weg gehen kann, wie ich mir Privatheit besorge – und auch, dass das nicht immer geht.

Winterscheidt: Klaas war tatsächlich derjenige, der mich darauf vorbereitete. Wir kannten uns ja schon vor "MTV Home" und saßen uns am Schreibtisch gegenüber. Als ich recht frisch war, meinte er zu mir, dass sich schon einiges verändern werde, dass ich feststellen werde, dass Leute einen erkennen. Eines Tages ging ich dann von einem Dreh nach Hause, lief durch Berlin-Friedrichshain – und alle Leute schauten mich an. Ich dachte: Krass, dass muss der Moment sein, von dem Klaas sprach! Zu Hause merkte ich dann, dass ich noch als kleines Bärchen geschminkt war.

prisma: Wie oft passiert es mittlerweile, dass Sie auf der Straße angesprochen und gefragt werden, wo Sie denn Joko respektive Klaas gelassen hätten?

Heufer-Umlauf: Wir kennen das schon lange. Bei mir heißt es immer: "Wo ist Joko?". Entweder antworte ich so was wie Yachthafen, Marbeilla, Monaco, wo er halt so ist. Mittlerweile sage ich einfach, er sei leider, leider tot, um das Ganze abzukürzen. Vom Bus überfahren, wir sind alle sehr traurig, Leben muss weitergehen.

Winterscheidt: Ich fand das sehr witzig, deshalb hab ich das übernommen. Da antworte ich, dass Klaas bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen ist. Dann verpasse ich aber den Moment, dreh' das irgendwie nicht rechtzeitig ins Lustige, sondern bleibe ernst. Ein unangenehmer Moment.

Heufer-Umlauf: Du musst einfach Freude daran haben. Dann kannst du so was sagen wie: "Das passiert auf der Welt, hat halt nicht aufgepasst." Neulich wünschte ich mir übrigens von meiner Redaktion, dass ich mindestens einen Tag in den Twittertrends sein möchte, wenn ich mal sterbe. Manche Leute sterben ja und sind nach zwei Stunden wieder aus den Top-Ten verschwunden. Das finde ich respektlos.

prisma: Erinnern Sie sich eigentlich noch an die ersten Worte, die Sie miteinander gewechselt haben?

Heufer-Umlauf: Auf einer Weihnachtsfeier ging ich mal zu Joko und fand es unglaublich lustig zu sagen: "Du hast die Beatles auseinandergebracht!" – Fand Joko nicht so witzig.

prisma: In der Folge sind Sie als Duo bekannt geworden. Glauben Sie, dass wäre auf ähnliche Weise Ihnen auch einzeln gelungen?

Winterscheidt: Ich würde Nein sagen. Den eingeschlagenen Weg hätte ich alleine wahrscheinlich nicht gewählt. Auch, weil ich von Klaas viel gelernt habe – das kann ich mit Stolz sagen.

Heufer-Umlauf: Stimmt, Rechnen und Lesen und Schreiben.

Winterscheidt: Überhaupt: Reden. Ich war ja kaum der deutschen Sprache mächtig (lacht). Aber tatsächlich lernte ich von Klaas die Ernsthaftigkeit der Arbeit im Metier Fernsehen. Vorher ging ich einfach so zur Sendung – und lernte erst später, dass noch mehr dazugehört. Mit Klaas erwuchs eine Möglichkeit, die ich zu hundert Prozent sonst nicht gehabt hätte.

prisma: Zwei Jahre nach dem Ende von "Circus HalliGalli" werden Sie noch immer vor allem gemeinsam wahrgenommen. War es jemals das Ziel, das etwas zu lockern?

Heufer-Umlauf: Wir hatten nie das Gefühl, dass wir öffentlich nicht mehr zusammen wahrgenommen werden sollten. "Circus HalliGalli" hatte einfach einen Anfang und ein Ende. Es lag im Zeitgeist, daher war von Vornherein klar, dass sich das Rad irgendwann weiterdrehen würde. Die Dosierung unserer Shows sorgt sicher auch dafür, dass wir das noch ein wenig länger machen können. Wenn man es mit so einer Nervtruppe wie uns übertreibt, reicht es den Zuschauern auch mal. Das muss man vorsichtig dosieren.

Winterscheidt: Für mich ist es am schönsten, auf die "HalliGalli"-Zeit mit großer Freude zurückzublicken. Ich hätte es schade gefunden, wenn wir den Moment verpasst hätten, das Ganze gut behütet ins Regal zu stellen. Wir hätten das ja ewig weitermachen können. Es war die erwachsenste Entscheidung, die wir je trafen. Vielleicht waren wir die Ersten, die aktiv auf den Sender zugegangen sind, um die Show zu beenden.

prisma: Besprechen Sie derlei Entscheidungen eigentlich immer zuerst privat?

Heufer-Umlauf: Ja. Wir haben auch ein großes Team, mit dem wir die Dinge besprechen. Aber in dem Fall saß Joko abends bei mir am Esstisch, um darüber zu reden. Und es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn der bei mir zu Hause ist. Da weiß ich schon: Irgendwas ist los.

Winterscheidt: Das ist seitdem auch nicht wieder vorgekommen.

prisma: Wie entstehen Ihre Show-Ideen eigentlich – eher informell beim Drink oder organisierter?

Heufer-Umlauf: Wir sind da aufgeräumter, als man uns das vielleicht zutraut. Wir stehen früh auf und arbeiten früh – Joko ist einer der wenigen, die ich sieben Uhr morgens anrufen kann. Manchmal enden nüchtern entstandene Ideen auch auf der Weinmesse oder so – aber nicht mehr so oft wie früher. Das Drumherum ist sehr strukturiert, aber manchmal bauen wir uns aus dieser Struktur Inseln des Chaos. Das genießen wir dann.

prisma: Haben Sie inzwischen Narrenfreiheit – oder gibt ProSieben bei manchen Konzepten auch mal ein klares Nein?

Heufer-Umlauf: Ja, gerade ganz aktuell. Da können wir aber gerade nicht drüber reden. Wir sind noch im Prozess. Es gibt da zwei Möglichkeiten: Entweder wir labern ganz lange und versuchen mit Argumenten etwas hinzukriegen. Oder wir machen es einfach. Da muss man dann einschätzen, wie hoch der Schaden ist, den man anrichtet – und bis wann der wieder gut ist.

Winterscheidt: Beim Gosling-Gate damals haben wir zum Beispiel nur eine einzige Person aus dem ProSieben-Umfeld an Bord geholt. Um es bei jemandem zu platzieren. Auch, wenn die Person dann sagte, dass wir ihr das nie erzählt hätten (lacht). Da gab es intern schon Wirbel. Aber hätten wir das offiziell mit dem Sender besprochen, hätte das nie funktioniert. Daran konnte man sehen, was man schaffen kann, wenn man es an der richtigen Stelle niemandem erzählt. Es gab zwar einen kleinen Aufruhr – "Seid ihr wahnsinnig?" -, aber bis heute ist gut, dass wir das gemacht haben.

prisma: In gewissem Sinne kann ProSieben über derlei Aktionen von Ihnen ja ebenso dankbar sein.

Heufer-Umlauf: Man kann nicht oft genug betonen, wie dankbar wir sein können, einen Sender wie ProSieben gefunden zu haben. Der Sender besteht natürlich aus ganz bestimmten Menschen, mit denen wir uns sehr wohlfühlen. Die haben einen großen Anteil daran, dass wir im Fernsehen die Zeit unseres Lebens haben können.

prisma: Wäre das noch einmal möglich, wenn Sie heute im Unterhaltungsgeschäft beginnen würden?

Heufer-Umlauf: Man muss die Gunst der Stunde nutzen. Du brauchst gewissen Rückenwind, das kannst du dir nicht erarbeiten. Für uns war das zunächst MTV – eine damals mehr oder weniger sterbende Fernsehkultur. Wir waren die letzte Show, die man da wahrnehmen konnte. Die meinten: Es ist uns scheißegal, was ihr macht. Das war unsere Chance, diese Art von Fernsehen zu machen: Weil es niemanden interessiert hat.

Winterscheidt: Wir sind ja auch nicht freiwillig gegangen, sondern wurden rausgeworfen. Das wurde an einem großen Konferenztisch entschieden. Dann kam jemand ins Büro und sagte: "Übrigens, das gibt es jetzt nicht mehr."

prisma: Für die einstigen MTV-Kids übernehmen Sie heute im Fernsehen auch die Sonderrolle derjenigen, die diese Generation überhaupt noch in diesem Medium abholt.

Heufer-Umlauf: Klar, wir sind da eine Art Übergangsjacke. Wir können und wollen trotzdem nicht so tun, dass das alles immer noch läuft wie 1993. Aber diese permanente Erreichbarkeit und Greifbarkeit, die starke Nähe, die sehr junge Zuschauer heute erwarten, könnte ich gar nicht bedienen. Für 18- oder 20-Jährige heute ist es völlig normal, richtig viel von sich preiszugeben. So ticke ich nicht. Für mich ist Fernsehen immer noch eine Art Aufführung.

Winterscheidt: Wir waren anfangs ja auch primär fürs Fernsehen da. All die Social-Media-Kanäle spielten noch keine große Rolle. Unser Vorteil war es lediglich, dass wir schon zur Stunde Null dabei sein konnten. Daraus ergab sich ein organisches Wachstum, bis wir auch im Netz eine Basis gefunden hatten. Müssten wir heute von vorne anfangen, wäre der Weg ein ganz anderer. Dazu wären wir angesichts unserer Kenntnis der neuen Medien gar nicht in der Lage – anders als beim Medium Fernsehen, mit dem wir großgeworden sind.

prisma: Glauben Sie, dass das alte Konzept einer Samstagabend-Show noch irgendeine Chance hat?

Heufer-Umlauf: Ich glaube nicht, dass es immer der Samstagabend sein muss. Und auch nicht, dass das dasselbe wie vor ein paar Jahren sein wird. Aber ich glaube auch, dass nach wie vor gute Ideen fehlen. Von der guten Idee lebten auch die großen TV-Shows vor 100 Jahren schon. Es geht auch um Exklusivität: Das Finale von "Game of Thrones" schauten sich in Deutschland nachts um drei über eine Million Menschen an. Der eine Termin, an dem alle gucken. Das muss nicht das alte Kabelfernsehen mit den Privaten und Öffentlich-Rechtlichen sein. Verändert hat sich das bereits – und wird sich auch weiter verändern.


Quelle: teleschau – der Mediendienst