ARD-Freitagsfilm

"Auf einmal war es Liebe": sympathischer Weihnachtskitsch

von Hans Czerny

Spielwarenverkäufer Jakob bandelt wieder mit seiner alten Liebe an. Dabei würde eine andere Frau doch viel besser zu ihm passen ...

ARD
Auf einmal war es Liebe
Komödie • 06.12.2019 • 20:15 Uhr

"Auf einmal war es Liebe" – der Filmtitel klingt wie ein billiger Schlager, oder eben wie ein Feel-good-Movie, das zum x-ten Mal gewendet wird. Und ja, Nikoläuse kommen vor, wenn auch erst ganz am Schluss – und jede Menge Christbäume. Die allerdings im Kaufhausambiente. Jakob, der von Kostja Ullmann durchaus sympathisch gespielte Held dieser Degeto-Vorweihnachtsgeschichte, ist nun mal Spielwarenverkäufer, da lässt sich ein gewisser Kitsch nicht einfach so umgehen. Ophüls-Preisträger André Erkau (Buch und Regie) geht die Gefühlspflicht denn auch von vorne an – und packt den Stier bei den Hörnern. Zumindest versucht er es.

Im Kaufhaus-Radio dudelt es bedrohlich weihnachtlich, eine Stimme verkündet, dass in der Weihnachtszeit "keiner allein" sein möge. Also legen sie den Weihnachtsklasiker auf, von dem Mann, der nach Jahren der Trennung seine Liebe wiederfindet. Ironie? – leider nicht. Aber immerhin: Es wird viel Wind aus den nassen Segeln genommen, eine Reise zwischen Kitsch und cooler Unverfrorenheit könnte beginnen. Doch leider gerät die Wohlfühl-Komödie damit auch nur schwer in Fahrt.

Wie vom Himmel gestürzt, fällt Jakobs allererste Liebe mit dem Scheunentor ins Haus, sieht Jakobs tolles Loft – und ahnt nicht, dass ihre Jugendliebe hier nur hilfsbereit die Blumen gießt. Marie (Julia Hartmann) ist begeistert von dem Aufschwung, den Jakob nach all den Jahren genommen hat, seitdem sie ihn verlassen hat. Offensichtlich – "wow!" – ist er jetzt ein begehrter Modefotograf, Models gehen bei ihm ein und aus. Es dauert dann ein bisschen, bis Jakob begreift, dass Marie vor allem am Materiellen hängt und dass es doch viel besser wäre, sein Herz der netten Parfümverkäuferin Lotte (Kim Riedle) zu schenken, die er aus dem Kaufhaus kennt.

Maries kleiner Sohn Ben (Oskar Netzel) ist es hingegen, der sofort erkennt, dass Lotte die Richtige für Jakob ist – spätestens beim gemeinsamen Spielzeugbau aus Recycling-Stücken nach Art von Jakobs früh verstorbenem Vater. Offensichtlich, dass da eine neue Familie entsteht. Es ist also im Ganzen eine Geschichte, die den üblichen Wohlstands-Weihnachtsklischees auf sympathische Weise zu entkommen versucht, die dann aber doch irgendwo zwischen Hollywood – großes Kino: ein Proseccoflaschen-Telefonat mit kabarettistischem Esprit! – und dem üblichen Lilly Schönauer-Herzschmerz landet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst
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