"Aufschrei der Jugend"

Im Kampf für das Klima wollen sie weiter laut sein

von Elisa Eberle

Die Filmemacherin Kathrin Pitterling hat junge Berliner Klima-Aktivisten begleitet. Was treibt sie an? Und mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen?

ARD
Aufschrei der Jugend
Dokumentation • 18.11.2020 • 23:20 Uhr

Sie sind die wohl größte weltweite Protestbewegung, die es je gab: Seit Januar 2019 demonstrieren auch in Deutschland Woche für Woche Jugendliche verschiedener Altersgruppen vereint als "Fridays For Future" für mehr Klimaschutz. Doch wer sind diese Schüler, die zugunsten unserer aller Zukunft regelmäßig den Unterricht schwänzen? Was treibt sie zu ihren Protesten, an denen bislang Tausende von Menschen teilnahmen, an? Und woraus schöpfen sie die Kraft, um auch in schwierigen Zeiten wie der gegenwärtigen Corona-Pandemie nicht den Mut zu verlieren?

Die Filmemacherin Kathrin Pitterling hat Berliner Aktivisten seit den Anfängen der Protestbewegung begleitet. In einer Reihe von professionellen Porträts und selbst aufgenommenen Videotagebüchern ließ sie viele von ihnen auf ganz persönliche Weise zu Wort kommen. Herausgekommen ist ein spannender wie inspirierender Dokumentarfilm mit dem Titel "Aufschrei der Jugend", den das Erste im Rahmen der ARD-Themenwoche "#WieLeben" nun erstmals zeigt.

"'Fridays For Future' ist ein Aufschrei", erklärt Luisa Neubauer, das wohl bekannteste Gesicht der deutschen Bewegung gleich zu Beginn. "Es ist ein Hilferuf von einer Generation, die das Gefühl hat, da entgleist ganz viel". Ähnlich sieht es auch der 14-jährige Elias: Die Politik solle die Krise endlich ernst nehmen. Ein Kohleausstieg bis 2038 reiche nicht, denn "mit dem Klima lässt sich einfach nicht verhandeln."

"Fridays For Future" ist eine Jugendbewegung. Das wird in der Doku mehr als deutlich. Es ist faszinierend, wie sich die zum größten Teil minderjährigen Aktivisten organisieren und für einen möglichst störungsfreien Ablauf ihrer einzelnen Protestzüge sorgen. Der 14-jährige Silvan etwa erklärt: "Ich bin heute im Greta-Block eingeteilt. Also wir sind ungefähr 30 Leute und wir bilden sozusagen einen Block rund um Greta, dass Greta in Ruhe laufen kann." Dies sei deshalb so wichtig, weil sich "viele ungebetene Gäste" wie ein rechtsextremer Videoblogger angekündigt hätten. Dennoch gibt es auch Erwachsene, die die Jugendlichen in ihrem Anliegen unterstützen und ihnen beispielsweise bei den Behörden den Rücken freihalten. Wirklich einmischen wollen sie sich nicht.

"Aufschrei der Jugend" ist eine spannende Doku, die neben der Organisation und den Erfolgen der Bewegung auch deren Resignation und interne Konflikte zeigt. Die 17-jährige Clara etwa berichtet von Hasskommentaren, die sie nach ihrer Rede vor der VW-Hauptversammlung bekam. Auch ein internes Leck, wodurch Chatverläufe an die Presse kamen, wird diskutiert. Der mit Abstand niederschmetterndste Teil ist aber der letzte: Die Corona-Krise hat auch "Fridays For Future" hart getroffen. Mehrere Proteste wurden abgesagt.

"Der Hype ist vorbei", meint Silvan und auch Clara sagt: "Man hat manchmal das Gefühl, man wird zu einer Hülle von sich selbst. Wenn man nichts macht, kann man damit nicht klarkommen." Massenproteste und das Verständnis der Klimakrise als die "bedrohlichste Krise der Welt" seien, laut Luisa, die wichtigsten Säulen von der Bewegung gewesen. Durch Corona seien beide nun ins Wanken geraten. Dennoch kämpfen die Jugendlichen weiter, sprechen mit Politikern wie Olaf Scholz (SPD) und wollen weiterhin laut sein.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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