"Leni Riefenstahl – Das Ende eines Mythos"

Hitlers glühende Verehrerin

von Wilfried Geldner

Filmhistoriker schätzen ihre Filme als stilbildend ein, andere sehen in Leni Riefenstahl eine propagandistische Verführerin. An der Regisseurin scheiden sich bis heute die Geister.

ARTE
Leni Riefenstahl – Das Ende eines Mythos
Dokumentation • 18.11.2020 • 22:15 Uhr

Die einen feierten die kühne Machart ihrer Dokumentationen, vor allem des Reichsparteitagsfilms "Triumph des Willens", und der Olympiafilme "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit". Andererseits war Leni Riefenstahl die "Kulturbotschafterin des Dritten Reichs", die "Steigbügelhalterin Adolf Hitlers" und dessen glühende, ihm in Freundschaft verbundene Bewunderin. Wie so viele andere wollte sie, die mit Hitler in den Polenfeldzug gezogen war, nach dem Ende des Dritten Reichs von dieser Euphorie nichts mehr wissen.

Im neuen ZDF / ARTE-Film "Ende eines Mythos" des Spiegel-Historikers Michael Kloft kommt vor allem die Filmemacherin Nina Gladitz zu Wort, die bereits 1982 in einer Dokumentation dem Faktum nachgegangen war, dass Riefenstahl bei ihrer "Tiefland"-Verfilmung 1944 Komparsen aus dem Sinti-und-Roma-Lager Maxglahn bei Salzburg rekrutiert hatte, die hinterher nach Auschwitz kamen.

Riefenstahls Aussage, sie habe von der Deportation nichts gewusst, wurde damals wie heute nicht vollständig widerlegt. Viel gründlicher belegt Nina Gladitz im Film jedoch den hohen künstlerischen Anteil des vergessenen Koautors und Kameramanns Willy Zielke, dessen Talente die Riefenstahl mit krimineller Energie für sich zu instrumentalisieren wusste, so wie sie bei ihrem Erstling "Das blaue Licht" nach 1933 den jüdischen Koregisseur Béla Balázs verschwieg. Der Mythos von der kreativ-innovativen Filmemacherin ist damit allerdings auch jetzt noch keineswegs zerstört.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Das könnte Sie auch interessieren