Star-Regisseur

David Fincher: "'Joker' war Verrat an psychisch Kranken"

David Fincher hat den Erfolgsfilm "Joker" scharf kritisiert und zu einem Rundumschlag gegen die großen Hollywoodstudios ausgeholt.

Mit der Comicverfilmung "Joker" schuf Regisseur Todd Phillips 2019 einen der erfolgreichsten Filme aller Zeiten – beim weltweiten Einspielergebnis knackte das gewaltreiche Psychokiller-Drama die Milliarden-Dollar-Marke. Hauptdarsteller Joaquin Phoenix bekam für seine eindringliche Leistung den Oscar als bester Hauptdarsteller. Und doch wurde an der Darstellung des psychisch gelinde gesagt auffälligen Batman-Gegenspielers vielfach Kritik laut.

So deutlich wie Star-Regisseur David Fincher ("Fight Club") hat sich zumindest in Hollywoodkreisen jedoch noch kaum jemand artikuliert. Im Interview mit der britischen Tageszeitung "The Daily Telegraph" nannte der 58-Jährige "Joker" jetzt als Negativbeispiel für den künstlerischen Niedergang der großen US-Filmstudios. Die Art, wie die Hauptfigur in Szene gesetzt wurde, geißelt der Schöpfer von gefeierten Kult-Thrillern wie "Sieben" und "Fight Club" als "Verrat an psychisch Kranken".

Finchers Vorwurf: Innovative Projekte würden gemieden zugunsten kalkulierbarer Blockbuster, auch wenn sie ethischen Richtlinien zuwiderlaufen. Dabei stünden innovative Filme aus der Vergangenheit oft genug Pate – wenn sie entsprechend erfolgreich waren, wie Fincher am Beispiel eines wegweisenden Batman-Films aus dem Jahr 1999 ausführt: "Niemand hätte erwartet, dass mit 'Joker' ein riesiger Hit entsteht, hätte 'The Dark Knight' zuvor nicht so bahnbrechend eingeschlagen."

Heute jedoch, führt Fincher weiter aus, würden die großen Hollywood-Studios nichts umsetzen, was ihnen "nicht mindestens eine Milliarde Dollar einbringen" könne. "Keines der Studios will im Geschäft mit mittelpreisigen, anspruchsvollen Inhalten tätig sein. Und das schließt genau die Art von Filmen aus, die ich mache."

In Bezug auf seinen Film "Gone Girl" aus dem Jahr 2014 unterstellt der Regisseur: "Es wäre unmöglich gewesen, einen Film mit diesem unharmonischen Ende zu drehen, hätten wir nicht darauf verweisen können, dass die Romanvorlage auf die Bestsellerliste der 'New York Times' stand."

Finchers neuer Film wird am 4. Dezember ohne vorherigen Kinostart bei Netflix erscheinen: "Mank" erzählt aus dem Leben des legendären Drehbuchautors Herman J. Mankiewicz, gespielt von Gary Oldman. Außerdem plant David Fincher eine Miniserie über das Thema "Cancel Culture". – "Wenn man sich wirklich von Herzen entschuldigt und niemand glaubt es, hat man sich dann überhaupt entschuldigt?", beschreibt der Filmemacher die Fragestellung hinter dem Projekt. "Das ist eine beunruhigende Idee. Aber wir leben in beunruhigenden Zeiten."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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