"Bad Girl Avenue" ist ein typischer Lemke. Der Film des Kult-Regisseurs wurde ohne Drehbuch und mit wenig Geld gedreht. Es geht um schöne Frauen und geile Dialoge.

Lange hat's gedauert, bis man ihm in seiner Heimatstadt München die Würdigung zuteilwerden ließ, die er verdient hat: Jahrelang ignorierte das Filmfest München den kultigsten – manche würden sagen: den g'spinnertsten – Regisseur der Stadt, nur um Klaus Lemke 2014 dann doch wiederzuentdecken. Seitdem zeigt das Enfant Terrible des deutschen Films im Jahresrhythmus ein neues Werk, zuletzt in diesem Jahr "Bad Girl Avenue". Jetzt feiert der Film zu sehr später Stunde Fernsehpremiere im ZDF.

Es geht, kurz gesagt, vor allem ums Vögeln. Nur dass hier, wie so oft bei Lemke, die Frauen den Ton angeben. Judith (Judith Paus), Anabell (Anabell Griess-Nega), Daidy (Daidy Mair) und Valentina (Valentina Häberle) gehen in der Münchner Schellingstraße auf Männerjagd und fangen so fragwürdige Exemplare wie den aufgepumpten Autoknacker Rocky (Panagiotis Matsangos) und den Schönling Paul (Paul Triller) ein, um sie nach ihren Bedürfnissen abzurichten. Eine Pistole taucht auch irgendwann auf, fällt ein paarmal zu Boden, wechselt den Besitzer und wird schließlich doch noch abgefeuert. Da ist Lemke, der seine Karriere einst an den Münchner Kammerspielen begann, eben Traditionalist.

Gedreht wurde "Bad Girl Avenue", wie immer bei Lemke, ohne Drehbuch und fast ohne Geld. 50 Euro Gage am Tag gab's für jeden, vorfinanziert wurde der Film aus Lemkes eigener Tasche. Das Ergebnis ist hoch vergnüglicher Trash, aber Trash mit ganz viel Herz und Liebe fürs Geschichtenerzählen. Und mehr muss ein Film eigentlich nicht haben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst