Die Tragikomödie "Bornholmer Straße"  zum Mauerfall wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Die ARD wiederholt nun den Film mit einem brillanten Charly Hübner in der Hauptrolle.

Wenn es im TV um die Wende ging, handelte sich's meist um ehrenwerte Dramen: Event-Movies, Krimis, Melodramen, auch Tragödien. Sie erzählten das große Ganze ("Wir sind das Volk") oder miniaturhafte Ausschnitte daraus. Dazu gab es ein paar knackige Komödien: "Sonnenallee" etwa, und natürlich "Good Bye, Lenin!". Was fehlte, war eine leise komödiantische Annäherung an das Thema, wie sie 2014 der Fernsehfilm "Bornholmer Straße" zum 25. Jahrestag des Mauerfalls wagte. Dass Regisseur Christian Schwochow diese Tonart wählte, um an die historischen Ereignisse am berühmten Berliner Grenzübergang zu erinnern, war ein Glücksfall. Nun wiederholt das Erste den Grimme-Preis-gekürten Film.

Bis zum frühen Abend ist der 9. November 1989 für Oberstleutnant Harald Schäfer (Charly Hübner) ein Tag wie jeder andere. Am von ihm befehligten Grenzübergang Bornholmer Straße zwischen Prenzlauer Berg (Ost) und Wedding (West) ist es ruhig. Nur ein aus Richtung Westen die Grenze illegal passierender Hund versetzt die Mitarbeiter Schäfers in Unruhe. Vor allem Oberleutnant Ulrich Rotermund (Milan Peschel) ist vom Schicksal des Tieres angetan, er wälzt Vorschriften und Paragraphen, die in diesem Falle anzuwenden sind. Da hinein platzt plötzlich Schabowskis Satz: "Privatreisen nach dem Ausland können ab sofort ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden." Als erfahrener Grenzoffizier weiß Schäfer, dass ihm diese Aussage baldigen Ärger einbringen wird.

Wenig später versammeln sich die ersten neugierigen DDR-Bürger vor seinem Schlagbaum. Sie wollen rüber, nur mal gucken und dann wieder zurück. Das geht natürlich erst mal nicht. Leider ist das DDR-System nach Schabowskys Ankündigung umgehend in Schreckstarre gefallen. Schäfers Vorgesetzter, Oberst Kummer (Ullrich Matthes) will nichts entscheiden und dämmt seine zunehmende Nervosität mit einer Alkohol-Intensivtherapie am Schreibtisch ein. Rasch werden aus einer Handvoll Wartender am Zaun Dutzende, dann Hunderte, schließlich Tausende.

Per "Ventillösung", so eine Idee der Obrigkeit, soll nun einzelnen Krakelern und Unruhestiftern die Ausreise erlaubt, jedoch die Wiedereinreise verboten werden. Dass man so Familien auseinanderreißt, missfällt dem bodenständig denkenden Schäfer, auch wenn er seinen Befehl erst mal befolgt. Doch je stärker die Geschehnisse an der Grenze eskalieren, desto klarer wird ihm: Er muss eine mutige Entscheidung treffen. Dass er damit zur historischen Figur werden würde (die im echten Leben Harald Jäger heißt), ahnt er da noch nicht.

Christian Schwochow, 1978 auf Rügen geboren, kennt die DDR nur noch als Kind. Das Drehbuch des Films stammt von seinen Eltern, Heide und Rainer Schwochow. Es erinnert an die feine Komik tschechischer Komödien, wie sie etwa Jiri Menzel in den 60er-Jahren drehte. Hier geht es ums zutiefst Menschliche, um die Bedürfnisse, Fehler und Macken der Guten wie der eher Bösen. Charly Hübner ist als unfreiwilliger Held der Wende brillant. Dazu kommen bärenstarke Auftritte von Ulrich Matthes, Milan Peschel oder Rainer Bock, sowie von Frederick Lau, Ludwig Trepte oder Jasna Fritzi Bauer in kleineren Rollen. – Staatstragend ist "Bornholmer Strasse" dabei nicht, der Film erzählt einfach nur sehr einfühlsam von Menschen, die sich mit ihrem Staat in einer schwierigen Ausnahmesituation auseinandersetzen müssen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst