Zwei Jahre nach dem Fall der IS-Hochburg Mossul im Norden Iraks wirft ARTE mit einem Themenabend und drei Dokumentationen einen neuen Blick auf den Islamischen Staat.

"Frauen im Islamischen Staat wurden lange Zeit nur als wehrlose Opfer gesehen, die der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und ihren Ehemännern bedingungslosen Gehorsam zu leisten hatten." Mit diesem Hinweis auf einen Irrglauben beginnt Thomas Dandois seine durchaus erschreckende ARTE-Dokumentation über "Die Frauen der Terrormiliz". Zwei Jahre lang hatte sich der französische Filmemacher auf die Suche nach den Unterstützerinnen des IS gemacht.

In Rakka in Syrien und Mossul im Norden des Irak leben sie nun nicht mehr. Die beiden Hauptstädte des selbsternannten Kalifats sind gefallen. Und doch sind die meisten dieser Frauen im Irak oder in Syrien geblieben. Einige sind in die benachbarte Türkei geflohen. Als Dandois zehn von ihnen ausfindig macht, zeigen sie sich nur versteckt. Zu groß ist ihre Angst, doch noch für begangene Taten zur Verantwortung gezogen zu werden.

Denn anders als oftmals angenommen, waren viele dieser Frauen willfährige Unterstützerinnen des IS. Sie berichten unter anderem, wie sie in Rakka oder Mossul als Angehörige der islamischen Religionspolizei Hisba über die strengen Regeln des IS gewacht hatten. Sogar gefoltert und getötet hätten sie, wie einige von ihnen zugeben. Doch auf ihre begangenen Grausamkeiten blicken heute nicht alle der Befragten mit Schuldgefühlen zurück, wie in dem Film deutlich wird.

Mit seiner Dokumentation über "Die Frauen der Terrormiliz" schließt Dandois seine Trilogie über die Schreckensherrschaft es IS ab. Wie brutal die Terroristen sogar Kinder ermordet und "Ungläubigen" die Kehle durchgeschnitten haben, darüber berichten IS-Deserteure in Dandois' Reportage "Insida Rakka" ab 22.15 Uhr. Für den aufsehenerregenden Film von 2016 erklärten sich erstmals ehemalige Terrorkämpfer bereit, offen über ihre Rolle in der Terrormiliz zu sprechen.

Erschreckend an den Filmen Dandois' ist, dass sie eindringlich zeigen, dass der Islamische Staat zwar weitgehend als militärisch besiegt gilt und die Gefahr dennoch noch lange nicht gebannt ist. Die Saat kann jederzeit noch einmal aufgehen – so könnte man wohl seine Botschaft auf den Punkt bringen. Denn der IS hat auch die Kleinsten "ausgebildet". In der Dokumentation "Ashbal, die Kindersoldaten der Terrormiliz" porträtiert der Regisseur ab 21.15 Uhr die sogenannten "jungen Löwen". Bereits ab einem Alter von vier Jahren wurden sie einer Gehirnwäsche unterzogen. Heute leben viele von ihnen ein Schattendasein in Europa. Der Beitrag wirft die Frage auf, welche Gefahr von den Kindersoldaten ausgeht?


Quelle: teleschau – der Mediendienst