Leerstand im Kurort Bad Gastein. "Leer, leer. leer", wie ein kundiger Einheimischer sagt. Schon vor vielen Jahren hat ein Investor alles aufgekauft, nun wird sein Sohn in der Kanalisation gefunden. Die Kommissare Palfinger und Mur ermitteln auch im vierten Fall grenzübergreifend.

Christian Redl, den man als melancholischen Kommissar aus den Spreewaldkrimis im ZDF kennt, ist im vierten Fall der Reihe "Die Toten von Salzburg" ein von Krankheiten geplagter Großinvestor, der halb Bad Gastein aufgekauft hat. Doch noch immer stehen die Hotels leer, es darf gerätselt werden, was Jan Torbeck eigentlich im Schilde führt. Aber warum ist sein Sohn, den er jüngst noch so richtig abgekanzelt hat, als Leiche gargekocht in einem Schacht mit heißem Quellwasser gelandet?

Der Herr Hofrat Seywald (Erwin Steinhauer), seines Zeichens Abteilungsleiter "für Blut- und Gewaltdelikte", will den Fall wegen seiner Brisanz übernehmen. Die Polizei ist, wie man später in der Episode namens "Mordwasser" erfährt, weisungsgebunden: Gegen Torbeck wird nicht ermittelt! – Aber es bleiben ja noch ein paar andere Verdächtige: Ein Rotlicht-Etablissementbesitzer hat bei Torbeck einen Vorvertrag unterschrieben und auch schon einen höheren Betrag überwiesen, doch dann hat dessen nunmehr im Thermalwasser gesottene Sohn Gelder von der Summe abgezweigt.

Während der im Rollstuhl agierende Salzburger Kommissar Palfinger (Florian Teichtmeister) und dessen Kollegin Irene Russmeyer (Fanny Krausz) bereits mit dem Fall beschäftigt sind, rückt aus Bayern einmal mehr der Kommissar Mur (Michael Fitz) an, der mit seinem ewigen Dreingerede dem Rollifahrer Palfinger das Leben zur Hölle macht. Der Anlass für seine Ankunft ist, dass auch ein deutscher SEK-Trupp befragt werden muss, der in Gastein das Klettern übt. Das Schicksal will es, dass eine tüchtige SEKlerin (Sophie Pfennigstorf) der Wirtin des örtlichen "Kraftwerk-Cafés" zu Hilfe kam, als der Torbeck-Sohn gegen diese gar zu aufdringlich wurde und sie ihn mit gekonntem Griff vor die Türe setzte. Doch wie kam der Mann dann in die Kanalisation?

Es ist nicht leicht für die Heimatkrimi-Macher, landschaftlichen Reiz mit einem glaubhaften Plot zu verbinden, und so muss man auch hier abstrusesten Verwicklungen folgen. Weil sich aber Palfinger und Mur samt Gasteiner Entourage nichts an Sottisen schenken, ist man äußerst dankbar für die Begegnung Palfingers mit einem fanatischen Liebhaber der Heimat. Johannes Krisch spielt ihn unter der Regie von Erhard Riedlsperger ("Kaisermühlenblues") als Rollstuhlfahrer mit Muskelschwund höchst überzeugend – eine dieser Rollen, mit denen man in Hollywood den Oscar gewinnen kann. Wie sich Palfinger und sein bester Freund in den Katakomben des leerstehenden Gasteiner Grandhotels bewegen, ihre Beichten und Annäherungen, entschädigt für sonstige Vielplauderei. Alles in allem aber ufert dieser Gasteiner Tourismuskrimi in seinem Wortschwall aus wie ein Gebirgsbach nach dem Dauerregen. Manche kabarettistische Szene, die zum Lachen reizen mag, ändert nichts daran.


Quelle: teleschau – der Mediendienst