So hat man Jennifer Aniston selten gesehen. Die für Komödien bekannte Schauspielerin überzeugt in dem US-Drama "Cake" in der Rolle als Schmerzpatientin, die sich selbst und anderen das Leben schwer macht.

Überall Narben, Schlabberlook und beißender Zynismus: So präsentiert sich die weibliche Hauptfigur aus "Cake". Was sich oberflächlich nach einer undankbaren Rolle für einen glamourösen Hollywoodstar anhört, bietet ungeahnte Chancen für eine Charakterdarstellerin in spe. Auftritt Jennifer Aniston: Die Spezialistin für (romantische) Komödien darf sich in diesem Drama ganz ungeschminkt von ihrer besten Seite als Schauspielerin zeigen. Sie trägt damit einen Film, der inhaltlich wenig überrascht, aber dennoch aufgrund Anistons Darstellung gefällt. Davon können sich Zuschauer nun bei der Free-TV-Premiere im Ersten (in der Nacht von Sonntag auf Montag) überzeugen.

Claire (Jennifer Aniston) leidet zwar unter körperlichen Schmerzen, benimmt sich aber wie ein Scheusal. Gleich die erste Szene in "Cake" macht unmissverständlich klar, wo Claire emotional steht. In einer typischen Los-Angeles-Selbsthilfegruppe sollen die Anwesenden eine Übung absolvieren, um über den Selbstmord einer Teilnehmerin hinwegzukommen. Claire boykottiert die Runde und schildert zum Erschrecken der anderen eiskalt grausige Details zur Tat. Diese Provokation führt zum Rausschmiss und die Frau bleibt allein mit ihrer Tabletten- und Alkoholsucht.

Lange hält der Film die Geschichte Claires zurück. Stattdessen darf man sie als unsympathische Person kennenlernen und dabei beobachten, wie sie sich vor Schmerzen windet und zu viele Medikamente schluckt. Aber Claire will nichts davon hören. Ohnehin ist sie für die Sprüche in diesem Film zuständig: Ihre absolut bitteren Kommentare nötigen dem Zuschauer dabei sogar das eine oder andere leichte Lachen ab.

Kuchen als Entschuldigung

Die Handlung beschränkt sich zunächst darauf, dass Claire alle Menschen, die es gut mit ihr meinen, aus ihrem Leben vergrault. Nachdem sie ihren Ex-Ehemann (Chris Messina), die patente Physiotherapeutin (Mamie Gummer) und die gutmütige Selbsthilfegruppenleiterin (frisch und überzeugend: Felicity Huffman) vertrieben hat, hält ihr nur noch die Haushälterin Silvana (Adriana Barraza) die Treue. Und diese wird ordentlich ausgenutzt. Etwas Bewegung kommt in die Geschichte, als sich Claire dem Mann (Sam Worthington) und Sohn von Selbstmörderin Nina (Anna Kendrick) nähert und versucht, mehr über deren Leben zu erfahren.

Inszenatorisch interessante Momente bietet "Cake", als sich endlich der Grund für Claires Leiden herauskristallisiert und sie sich fortan in einer Grauzone zwischen Leben und Tod bewegt, in der ihr die tote Nina erscheint. Trotz ihres Narzissmus und ihrer Bösartigkeit begegnet man dieser Frau und der Bewältigung ihres Schicksals am Ende doch noch mit Respekt. Was auch daran liegt, dass man sich nie fragt, ob die Rolle bei einer anderen Schauspielerin besser aufgehoben wäre.

Denn Jennifer Aniston verschmilzt ideal mit ihrer Figur. Warum es dafür nicht einmal eine "Oscar"-Nominierung gab, bleibt das Geheimnis der Academy. Den titelgebenden Kuchen soll Claire übrigens als nette Geste für die Menschen backen, die sie immer schlecht behandelt. Am Ende verschenkt sie tatsächlich einen an Ninas Familie – nicht jedoch, ohne dabei getrickst zu haben.

Seit ihrer Rolle in "Cake" gab sich Jennifer Aniston wieder vermehrt ihren Wurzeln hin und spielte in Kino-Komödien. Unter anderem war sie in "Kill The Boss 2" (2014) und "Murder Mystery" (2019), einem Netflix-Film an der Seite von Adam Sandler, zu sehen. Mit letzterem knackte sie den Rekord für den erfolgreichsten Start eines eigenproduzierten Films des Streamingdienstes.


Quelle: teleschau – der Mediendienst