ARD-Freitagsfilm

"Das Leben ist kein Kindergarten": erfrischend unkonventionell

von Hans Czerny

Ärztin Juliana wünscht sich, dass ihr Mann mit den Kindern zu ihr nach Zürich zieht. Doch der Erzieher hat große Pläne mit seiner Kita in Konstanz ...

ARD
Das Leben ist kein Kindergarten
Komödie • 25.09.2020 • 20:15 Uhr

Anders als es der Titel "Das Leben ist kein Kindergarten" besagt, ist das Leben vielleicht wenigstens ein Spiel, mit all seinen Höhen und Tiefen. Man muss es nur mit Kinderaugen sehen, die man sich erhalten hat. Eben diese Kinderaugen spielen in diesem Freitagsfilm eine ziemlich wichtige Rolle. Der Schauspieler und Drehbuchautor Oliver Wnuk, hier beides in einem, hat sein Ehedrama, das recht besehen eine fortdauernde Liebesgeschichte ist, in sehr realistische Kindergartenszenen mitsamt hellem Kindergeplapper und Elterngequengel (immer diese Besserwisser!) eingebaut. Alles ist drin: die mit Witz und Fantasie präsentierte Läuseplage, der gar nicht pädagogisch servierte, stets liebevolle Umgang mit den Kindern, hier mit einer Aufführung des Grimmschen Märchens vom "Wolf und den sieben Geißlein" garniert, mitsamt der Frage: Wer spielt wen – und womöglich ohne Maske?

"Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch", so zitierte die Regisseurin Katja Benrath den Schriftsteller Erich Kästner bei den Dreharbeiten zu ihrem TV-Erstling. Der Erzieher Freddy, den Oliver Wnuk ohne falsches Pathos und alle Rührseligkeiten spielt, handelt ganz in diesem Sinne. Zwar ist mal von einem "Konzept" die Rede, das Freddy und seiner engagierten Kollegin Lara (Franziska Wulf) vorschwebt, um den Idealismus der beiden zu unterstreichen. Doch über sehr weite Strecken lässt der Film ganz die Kinder für sich sprechen und spielen. Der Umgang zwischen Freddy und den Kindern verläuft stets auf Augenhöhe.

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So nimmt Freddy den Kindern die Angst beim Läuseproblem, indem er erst mal auf allerlei Tiere zu sprechen kommt und dann den lausenden Affen spielt. Mit den Eltern hat er es indessen nicht so leicht. Sofort beklagen die sich darüber, dass man sie nicht gleich auf kürzestem Weg informiert hat. Und dann auch noch das Märchen mit dem bösen Wolf, der die Kinder frisst: Was für ein blutrünstiges Stück!

Dabei hat ja Freddy privat genug an der Backe. Seine von ihm durchaus geliebte bessere Hälfte Juliana (Meike Droste), Klinikärztin in Zürich, ist zur Leiterin der Kinderonkologie aufgestiegen und will, dass er mit ihr und den Kindern nach Zürich zieht. Doch auch Freddy steht mit seiner Kita vor großen Plänen – gemeinsam mit der tüchtigen Kollegin Lara (Franziska Wulf) will er aus der Kita mit viel Fantasie etwas sehr Besonderes machen. Neben den Kindern mit ihrer erfrischenden Natürlichkeit wirkt das Schwanken der Erwachsenen zwischen Liebe und beruflich-pekuniären Erwägungen zwar etwas konventionell, doch es trägt den Film ganz gut bis zum überraschenden Ende.

Ob das gänzlich unpädagogisch pädagogisierende Stück nun mit all seinen Zusatzmotiven – Freddys Vater kehrt nach 18 Jahren unverhofft zurück, eine wütende Mutter fährt ihren Mann beim Zurückstoßen mit dem Auto um, Freddys pubertierende Tochter klaut für die beste Freundin – zu weiteren Filmfolgen reicht, wird man sehen müssen. Drehbuch und Regie, beide erfrischend unkonventionell, lassen jedenfalls erhoffen: Fortsetzung folgt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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