In einem Bergsee wird eine Frauenleiche gefunden, wenig später ist auch der junge Pfarrer des Ortes tot. Die Mafia hat es derweil auf Commissario Matteo Zanchetti abgesehen.

Eine Frauenleiche wird in einem Bergsee ans Ufer gespült, schon seit Monaten ist sie tot, die Frau des Gamperwirts. Im düsteren Kirchenschiff betet ein junger Pfarrer lateinisch, und in der örtlichen Autowerkstatt montiert einer gerade eine Bombe unter den Autoboden. Sie soll dem Commissario Matteo Zanchetti gelten, der sich immer so furchtlos der Mafia widersetzt, stets im Gleichschritt mit der Kollegin Sonja Schwarz (Chiara Schoras). Tobias Oertel, der diesen Matteo als attraktiven Macho spielt, wird den "Bozen-Krimi" verlassen, so ließ er vor Kurzem wissen. Es dürfte das Ende nach der – bereits abgedrehten – elften Folge sein, die im kommenden Jahr gesendet wird. Doch jetzt, in der achten Ausgabe des "Bozen-Krimis", überlebt Matteo die Autobombe – er hat etwas Verdächtiges am Anlasser gehört und sich gerade noch rechtzeitig vom Acker gemacht.

Als hätten die Einwohner des einsamen Dorfes im Sextental nicht schon genug an ihrem Schicksal zu tragen, wütet auch dort sehr ausdauernd die Mafia. Der frühere örtliche Clan-Chef, Herr Rossi, sitzt dank Sonja und Matteo jetzt hinter Gittern in Rom und geistert nur noch als eine Art Erinnerung durch den Südtiroler Alpenkrimi, der eine ausdauernd hohe Anhängerschaft aufweisen kann (zuletzt 6,4 Millionen Zuschauer). An Rossis Stelle schwingt jetzt eine Mafia-Anwältin das Zepter im Bozener Revier. Susanna Simon gibt diese blonde "Dottoressa" mit derart scharfer Verve, dass man über zu wenig Gefährlichkeit nicht klagen kann. Fast möchte man vergessen, in welche Widersprüche sie sich mitunter verwickelt, wenn sie mal zu äußerster Tatkraft mahnt ("Bombe legen!", "Beseitigen!"), sich dann aber andererseits von den Untaten distanziert und sie einem unbekannten Dritten in die Schuhe schiebt.

Es sind natürlich jede Menge Klischees und stereotype Personen, die hier unter der Silhouette der Dolomiti versammelt sind. Damit kann man in einem Heimatkrimi freilich recht gut leben – selbst mit dem finsteren Mafia-Handlanger, der immer mit der Giftspritze herumlungert und darauf wartet, dass er den Nächsten killen kann. Auch wird man nicht danach fragen dürfen, ob es mit der Kirche und der Beichte in den Südtiroler Kalkalpen noch so abläuft, dass der Mörder dem Jungpfarrer die letzten Geheimnisse im Beichtstuhl anvertraut. Den kühnen Kalenderspruch allerdings, den Nikolaus Paryla als scheidender Altpfarrer spricht, sollte sich jeder Geistliche ins Pfarrhaus hängen: "Unsere Kraft erwächst nicht daraus, dass wir keine Versuchungen haben, sondern dass wir ihnen widerstehen!"

Wer aber hat die Frau im See ermordet, und wer den Jungpfarrer hinterher? Der Bürgermeister und Sägewerksbesitzer, dem der halbe Ort gehört und der immer seine Frau verprügelt? Diese selbst, oder doch der eigene Ehemann aus Eifersucht? Hier weitere Vermutungen anzustellen, würde jeden Rahmen sprengen. Und was erst ist los mit dem neuen Verwalter auf dem Weingut, den Sonjas Schwiegermutter so sorglos angestellt hat und der sich als deren leichtfertig zur Adoption freigegebener eigener Sohn erweist?

Nächstens mehr von diesem mafiesken Schauerstück (Teil neun am Donnerstag, 26.09.), das man nicht nur wegen seines bizarren Bergparonamas, sondern auch wegen des monströs abwegigen Umgangs mit der Wirklichkeit noch kurz vor Torschluss lieb gewinnen kann.


Quelle: teleschau – der Mediendienst