Hanne muss nach einem Arztbesuch mit dem Verdacht auf eine tödliche Krankheit klarkommen – und stürzt sich ins Leben. Gewissheit wird sie erst in zweieinhalb Tagen haben. So, wie Iris Berben das spielt, sieht man ihr gerne dabei zu.

Hanne Dührsen (Iris Berben) wollte sich eigentlich nur ein paar Krampfadern wegmachen lassen. Aber dann macht der Arzt beim Besprechungstermin im Krankenhaus doch ein bedenkliches Gesicht. Man hat im "kleinen Blutbild" zu viele weiße Blutkörperchen gefunden. Könnte auf Blutkrebs, auf Leukämie schließen lassen. Es gilt, die genauere Untersuchung abzuwarten. Es ist jetzt Freitagnachmittag, am Montagmorgen sollte es so weit sein. Für Hanne beginnt die schreckliche Zeit des Wartens – eine Achterbahn der Gefühle zwischen Hoffen und Bangen. Hanne ist ohnehin nicht gut drauf: Tags zuvor wurde sie im Kreis ihrer Kollegen pensioniert, 23 Jahre hatte sie als Vorstandssekretärin beim selben Chef gedient. Es ist eine doppelte Leere, die Hanne jetzt überkommt. Und doch hängt sie, wie sich herausstellen wird, sehr am Leben.

Der in zwölf Kapitel streng gegliederte Film von Dominik Graf (sein erster mit Iris Berben und zweifellos eine künstlerische Liebeserklärung) balanciert auf der Schwelle zwischen Tod und Leben. Bei aller Melancholie und Strenge gelingt es dem Drehbuch von Beate Langmaack aber immer wieder, auch leisen Humor zu transportieren. Wieder einmal erweist sich, dass Komisches nur auf dem Boden von Traurigkeit oder Tragik gedeihen kann. So unerbittlich die Uhr tickt – von 15.47 auf 15.48 Uhr springt sie beim Arztbesuch erstmals um -, Hanne stürzt sich ins Leben. Mal zufallsbedingt, mal aber auch kalkuliert. Einmal ruft sie ihre von Herbert Knaup wunderbar desillusioniert gespielte alte Liebe an und verbringt mit ihm im Kapitel acht ("Eine Liebesnacht souverän absolvieren") einen Nachmittag und eine kurze Nacht. Nein, das Kind, wäre es damals zur Welt gekommen, wäre nicht von ihm gewesen. Und, nein, sie hatte auch nicht Soziologie, sondern nur kurz mal Jura studiert. Er hat sie schlicht verwechselt.

Hanne zieht sich dann eilends in das Hotel zurück, das sie für die Dauer des Wartens und der etwas aufgesetzt wirkenden Renovierung ihrer Wohnung bezogen hat. Frauenfreundschaften, zumal zufälliger Art, bieten da mehr Haltbarkeit. Uli (Petra Kleinert), die sie beim Rauchen vor der Türe eines Restaurants kennenlernt, bringt ihr gar einen Wohnungsschlüssel für Sylt vorbei, und mit der Rezeptionistin ihres Hotels wird sie jene "ostpreußische Kindbettsuppe" zubereiten, die zu kochen ihr der eigene Sohn anlässlich der Verkündigung, dass sie bald Großmutter werde, empfohlen hat. Keine Frage, das Leben hat uns und Hanne da längst wieder. Trotz einem mitunter rauen Umgangston draußen, trotz der Parkplatzstreitereien im Off und aller Missverständnisse der schon besprochenen Art.

Vielleicht hätte man gerne ein paar elegante Verbindungen mehr zwischen Hannes Endzeit-Episoden gehabt: Schön, wie sie den "Sorry"-Zettel, der in ihrem geklauten leeren Geldbeutel steckte, nun bei ihrer alten Liebe hinterlässt, oder wie sich der Kreis vom ostpreußischen Huhn zur angedachten Weihnachtsgans in sechs Monaten schließt – wird sie so lange leben?

Aber es ist ja, machen wir uns da mal nichts vor, vor allem eine Hymne auf eine Schauspielerin, und vielleicht sogar zwei. Man sieht Iris Berben jedenfalls eineinhalb Stunden lang gerne zu bei ihrem Spiel zwischen Angst und Bangen – und denkt auch ein bisschen an ihre Freundin Hanne, Hannelore Elsner, dabei, die bekanntlich an Ostern 2019 verstarb.

Lesen Sie hier, was Iris Berben im Interview über ihre Rolle als "Hanne" zu sagen hat.


Quelle: teleschau – der Mediendienst