Er ist wieder da: Jochen Horst, der als knorriger Chef Berger nach sechs Jahren wieder in der RTL-Kultsitcom "Sekretärinnen" zu sehen ist, über die besonderen Herausforderungen dieses Genres.

Er kann tun und lassen, was er will: Für viele ist und bleibt Jochen Horst noch immer der "Balko". Obwohl er die Figur nur vier Jahre, von 1995 bis 1998, verkörpert hat und das auch schon über zwei Jahrzehnte zurückliegt, verbinden die meisten Zuschauer den aus Osnabrück stammenden Schauspieler in erster Linie mit dem coolen Kommissar aus der RTL-Serie. Dass Jochen Horst vom Drama bis zur Romanze noch mehr kann, hat der mittlerweile 58-Jährige in seiner langen Laufbahn in zahlreichen Rollen vor der Kamera wie auf der Theaterbühne bewiesen. Seine komische Seite darf er einmal mehr in der Sitcom "Sekretärinnen – Überleben von 9 bis 5" zeigen, die nach sechs Jahren wiederbelebt wurde und deren zehn neue Folgen RTL ab dem 2. Januar immer donnerstags, um 21.15 Uhr, ausstrahlt. Im Interview verrät Jochen Horst, was die Figur des cholerischen Dr. Berger für ihn bedeutet. Und: Mit Balko, oder zumindest mit dieser Art von Ermittler, scheint er selbst auch noch nicht ganz abgeschlossen zu haben.

prisma: Herr Horst, war es für Sie sofort klar, dass Sie bei der Fortsetzung der "Sekretärinnen" wieder mitmachen?

Jochen Horst: Ja, unbedingt! Das ist eine Figur, die ich sehr liebe und die mir in der ersten Staffel wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Es gibt nicht viele Rollen, denen ich nachgeheult habe, aber da war ich schon sehr traurig, dass wir ursprünglich nicht weitergemacht hatten.

prisma: Warum? Der Herr Berger kommt ja nicht gerade wie der nette Herr von nebenan daher ...

Horst: Ja, das stimmt. Der Berger ist der klassische Menschenfeind. Und der hat eine ganz andere Moralität, seine Welt funktioniert nach ganz anderen Kriterien. Im Grunde ist das eine Comic-Figur. Und so eine Comic-Figur zu spielen, hat mir immer Spaß gemacht.

prisma: Was ist an solchen Figuren so besonders?

Horst: Ich muss als Schauspieler komplett anders arbeiten, als wenn ich mit einer Figur arbeite, die in der Realität existiert. Sitcom funktioniert nach ganz bestimmten Regeln, nach ganz bestimmten Grundsätzen, die Sie als Schauspieler immer einhalten müssen, und dann ergibt sich auch eine Figur: Sie müssen mit Texten anders umgehen, Sie dürfen keine übermäßigen Pausen lassen, es geht viel über Anschlüsse, viel über Rhythmus. Dann müssen Sie manchmal Dialoge am Set ein bisschen auseinandernehmen und Sätze einbauen. Der technische Vorgang, um eine Pointe herauszuarbeiten, ist manchmal viel wichtiger, als eine Figur zu erzählen.

"Ich bin ein großer Fan von Sitcoms"

prisma: Wie geht man an den Sitcom-Dreh ran?

Horst: Ein Grundsatz ist, dass man eigene Eitelkeiten zur Seite stellen muss. Wenn ich auch viele Dinge sage als Berger, die ich persönlich nie über die Lippen bringen würde, ich muss die halt so en passant bringen, dass man nicht merkt, dass ich mich privat dagegen sträube.

prisma: Haben Sie sich denn öfters innerlich gesträubt?

Horst: Diese Figur hat nun wirklich überhaupt nichts mit mir zu tun, das sind alles meine dunklen Bereiche, die ich selber gar nicht kenne von mir. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich das sehe.

teleshau: Sind Sie nach sechs Jahren gleich wieder in diese Rolle hineingekommen?

Horst: Naja, ich hatte ein bisschen Anlaufschwierigkeiten. Letztlich ist es natürlich eine Figur, die auch Leben braucht. Da musste ich ein bisschen suchen, wo die Momente dieser Figur sind, dass man sagt, es macht Spaß, ihm zuzugucken. Weil er immer wieder versucht, Dinge zurechtzurücken, weil er immer wieder versucht, das Beste herauszuholen, aber es geht dann immer wieder schief. Und das ist, glaube ich, auch der Witz bei der ganzen Nummer.

prisma: Deckt sich das mit Ihrem persönlichen Humor?

Horst: Ja, ich bin ein großer Fan von Sitcoms! Ich habe selten eine gemacht, weil ich die Angebote, die ich bisher hatte, nicht komisch fand. Dieses Sujet ist sehr sensibel. Sie brauchen gute Bücher, gute Regisseure und gute Schauspieler. Wenn eins von den dreien nicht funktioniert, dann haben Sie schon ein großes Problem. Während bei allen anderen Sujets wie Drama, Familienserie, da muss nicht alles stimmen und man kann es doch irgendwie erzählen. Bei einer Sitcom muss alles stimmen. Sie gehen da sehr schnell auf Eis, und man kann sehr leicht einbrechen.

prisma: Sie sagten, der Herr Berger ist ganz anders als Sie ...

Horst: Ja, ich bin absolut das genaue Gegenteil. Ich bin nicht laut, ich bin nicht mittelpunktsbedürftig, ich glaube nicht, dass ich der Nabel der Welt bin, ich bin eher der Zuschauer als derjenige, der macht. Ich bin überhaupt kein Machertyp, überhaupt nicht.

prisma: Trotzdem sind Sie Schauspieler geworden?

Horst: Es ist ein Irrglaube, Schauspieler automatisch im Mittelpunkt stehen wollen. Ich kenne großartige Schauspieler, die lieber ganz privat für sich sind und in dem Moment, wenn sie anfangen zu spielen, eine Seite von ihnen aufgeht, die Sie nie erwartet hätten. Das sind für mich sowieso die spannendsten Leute. Die Schauspieler, die sich auch persönlich ins Mittelfeld spielen, sind die langweiligsten, die überraschen mich am wenigsten.

prisma: Haben Sie so etwas wie eine Traumrolle, oder einen beruflichen Traum, den Sie sich gern erfüllen würden?

Horst: Es gibt so viele Dinge, die ich noch nicht gemacht habe. Lieblingsrollen sind immer schwierig. Ich versuche immer, etwas in meine Rollen mit einzubringen, das ich gerne spielen möchte. Ich kann das in den meisten Figuren mit reinschummeln. Deshalb bleibt eigentlich nicht so ein wirklicher Wunsch, was ich unbedingt mal spielen möchte. Manchmal denke ich, wir brauchen eine neue Kriminalfigur, einen neuen Kommissar.

prisma: Na ja, wenn es von etwas genug im deutschen Fernsehen gibt, dann sind es doch Krimis ...

Horst: Das stimmt. Aber ich habe den Eindruck, dass im deutschen Krimi die Frauenquote angekommen ist, und ich als Mann muss sagen, dass mich das sehr wenig interessiert. Ich möchte mal wieder eine männliche Figur als Kommissar sehen. Der Til Schweiger macht das schon sehr extrem in eine Richtung, das ist schon fast wieder zu viel. Ich würde gern so ein Zwischending haben, ich würde gern eine Figur spielen, die politisch unkorrekt, aber gleichzeitig dann doch moralisch ist, also eine nicht ganz unkomplizierte Figur.

"Ein Buch für Zuschauer und für Schauspieler"

prisma: Was würde Sie noch reizen?

Horst: Auch das wird ständig gemacht, aber ich würde gern mal eine richtig gute Liebesgeschichte spielen. So aus der Sicht eines Mannes, der zwischen zwei Frauen steht, und wie er sich entscheidet.

prisma: Anfang des Jahres haben Sie das Buch "Spielen amerikanische Schauspieler besser?" veröffentlicht. Worum geht es da?

Horst Das ist eine humorvolle Betrachtung, ob amerikanische Schauspieler besser spielen als deutsche. Diese Frage wird auch beantwortet, aber mit einem kleinen Twist. Es ist ein Buch für Zuschauer und für Schauspieler, da vor allem für die Berufsanfänger.

prisma: Wie sind Sie überhaupt auf dieses Thema gekommen?

Horst: Ich wollte mal ein bisschen Hilfestellung geben. Ich bin jetzt auch schon seit 40 Jahren in diesem Job und dachte, ich schreibe einfach mal auf, was ich so über meinen Beruf weiß. Es gibt kaum Schauspieler in diesem Land, die über ihren Beruf schreiben. Die meisten Kollegen schreibe nur über sich, und das finde ich stinkendlangweilig. In dem Fall wollte ich einfach mal zu einer großen englischen Tradition beitragen, dass Schauspieler über ihren Beruf schreiben.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH