Er ist furchtbar kitischig, aber auch furchtbar schön: Der Film "Der kleine Lord" ist in der Weihnachtszeit ein Muss. Und so zeigt in die ARD auch in diesem Jahr.

Kein Jahr vergeht, in dem nicht "Der kleine Lord" (1980) auf den deutschen Fernsehbildschirmen auftaucht. Die Verfilmung des Jugendromans der britischen Autorin Frances Hodgson Burnett, die auch "Sara – Die kleine Prinzessin" und "Der geheime Garten" verfasste, ist inzwischen selbst zum Klassiker geworden. Die ergreifende Geschichte vom kleinen Jungen (Ricky Schroder), der durch seine Herzlichkeit die raue Schale seines Großvaters (Sir Alec Guinness) knackt und den weichen Kern zutage fördert, gehört zur Vorweihnachtszeit wie Plätzchen und Adventskranz. Deshalb zeigt das Erste wie jedes Jahr den rührenden Appell an die Menschlichkeit wieder zur besten Sendezeit.

Der opulente Ausstattungsfilm hält sich getreu an die Vorlage. Eigentlich ist die Erzählung im England zu Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelt, doch zunächst führt der Weg in ein heruntergekommenes Viertel in New York. Arm, aber rechtschaffen lebt hier der achtjährige Ceddie (Schroder) mit seiner verwitweten Mutter. Von seiner adeligen Herkunft hat er keine Ahnung. Sein verstorbener Vater war der einzige Sohn des Grafen von Dorincourt (Guinness) und wurde, als er eine bürgerliche Amerikanerin heiratete, von Ceddies Großvater verstoßen.

Nun besinnt sich der alte Herr auf seinen einzigen Nachfahren und lässt den Enkel nach England holen. Sein rechtmäßiger Erbe soll standesgemäß erzogen werden. Auf Dorincourt trifft der warmherzige und fröhliche Junge auf einen verbitterten und hartherzigen Greis. Doch Ceddies unerschütterlicher Glaube an das Gute im Menschen verfehlt auch bei seinem Großvater nicht seine Wirkung. Sein hartes Herz wird weich, und er verbessert sogar die Lebenssituation seiner Pächter. Bleibt eigentlich nur noch die Aussöhnung mit der verhassten Schwiegertochter.

Wenn Menschen wie im "kleinen Lord" aufeinander zugehen, lassen sich Probleme am wirkungsvollsten aus der Welt schaffen. In diesem Sinne inszenierte Jack Gold das Plädoyer für Toleranz und Güte mit viel Melodramatik. Brillant als alter Patriarch, dessen Herz ein Kind erweicht: Sir Alec Guinness.

Ricky Schroder, der den kleinen Lord spielte, ist Hollywood treu geblieben. Der Schauspieler, Regisseur und Produzent mit deutschen Wurzeln – Schroders Großeltern kommen aus der Nähe von Hamburg – ist noch heute im Filmgeschäft aktiv, zum Beispiel produzierte er 2017 die Kriegsdokumentation "The Volunteers". An die Rolle, die ihn einst berühmt machte, erinnert sich Schroder nur ungern: "Die Dreharbeiten waren alles andere als spaßig. Die Klamotten, die ich tragen musste, waren unbequem. Und dann diese Frisur mit den langen blonden Haaren bis zur Schulter! Außerhalb des Sets dachte jeder, ich sei ein Mädchen", murrte er bei einem Interview.


Quelle: teleschau – der Mediendienst