ARD-Film

"Die Füchsin – Romeo muss sterben": Korruption in der Pharmaindustrie

von Wilfried Geldner

Ein Arzt, der für eine Afrika-Hilfsorganisation Medikamente beschaffte, wird tot aufgefunden. Ein Fall für die frühere Stasi-Agentin Anne Fuchs, die heute als Privatdetektivin arbeitet.

ARD
Die Füchsin – Romeo muss sterben
Krimi • 04.03.2021 • 20:30 Uhr

Seit dem Jahr 2015 ermittelt Lina Wendel für die ARD in der Krimireihe "Die Füchsin". "Der Fokus lag eindeutig darauf, nicht irgendwelche beliebigen und meinetwegen auch spannende Krimiplots zu erzählen, sondern Geschichten, die es so nur in der 'Füchsin' geben kann", erklärt der Autor Ralf Kinder, der alle Bücher für die Filme schrieb. Nach "Treibjagd" in der vergangenen Woche folgt nun der insgesamt siebte Film, der den Titel "Romeo muss sterben" trägt. Marc Rensing führte Regie.

Der Fall für die Privatdetektivin Anne Fuchs, "die Füchsin" genannt, weist verblüffende fiktionale Bezüge zur Impfstoff-Beschaffung in der gegenwärtigen Corona-Pandemie auf. Es geht letztlich um Korruption bei einem Pharmazieunternehmen, das Aids-Medikamente herstellt – allerdings unter höchst suspekten Voraussetzungen. Ein junger Arzt, ausgerechnet der Freund der für IT-Fragen zuständigen Fuchs-Assistentin Saida (Sara Fazilat), wird ermordet aufgefunden. Hatte Hagen (Baris Ar) Feinde in der Pharmaindustrie? War er selbst auf eine weitere, dort tätige junge Frau angesetzt, nach dem Muster der "Romeos", wie man sie aus der Spionageabteilung der einstigen DDR-Stasi kennt?

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Die horizontal erzählte Dramedy, eine Mixtur aus der privaten Tragödie der Anne Fuchs und anarchisch-komischer Slapstick-Kriminalistik, zieht immer neue Kreise um ihre Hauptfigur, die noch immer mit traumatischen Erinnerungen an die eigene Vergangenheit als ehemalige MfS-Spionin kämpft und dennoch ihren Detektivinnen-Alltag mit Bravour besteht.

Von der dauerhaft grünen Einfärbung der Szenerie sollte man sich nicht abschrecken lassen – es ist offensichtlich eine Referenz des mehrfach preisgekürten Regisseurs Marc Rensing ("Parkour", "Die Frau, die sich traut") an die Schwarze Serie der Hollywood-Krimis der 30er- und 40er-Jahre. Humphrey "Sam Spade" Bogart lässt grüßen, jedoch geht Schwarz-Weiß zur TV-Primetime halt längst nicht mehr. Immerhin kommt so der rote Blutfleck gut zum Vorschein, der an Annes Hals zurückbleibt, als ihr die Witwe eines von ihr erpressten Ex-Spions ein Messer an die Kehle setzt, um Rache zu nehmen. Ihr Mann hatte sich in der vorherigen Folge das Leben genommen.

"Die Füchsin" setzt sich als Krimireihe klar von allen anderen ARD-Donnerstagsfilmen ab. Die Story ist mal frech, mal melancholisch verträumt, und die traumatisierte Figur der Ex-Spionin wird von der Schauspielerin Lina Wendel mit großer Souveränität durchgezogen. Diesem Gesicht muss man einfach glauben, dass es 30 Jahre auf das einst von der Stasi geraubte Kind gewartet hat – auf den Sohn und späteren Vatermörder, dem sie sich nun auf Gedeih und Verderb für immer verpflichtet fühlt.

Screwball-Dialoge bei Wein

Die wiederkehrenden Gesichter und Erinnerungen der Anne Fuchs wirken auf der 90-Minuten-Strecke mitunter etwas nervig. Hingegen ist das Aufeinandertreffen der Detektivin mit dem seriösen Kommissar namens Eisner (Robert Dölle) ein überzeugendes Konstrukt. Nicht zuletzt beim Wein nähern sich die beiden in schieren Screwball-Dialogen einander an. Auch ohne Heiratsantrag lässt sich Anne entlocken, dass sie wohl künftig nie mehr ein "normales Leben" führen kann.

Der verschachtelte Rest ist eine etwas überladene Internet-Spionage mittels Handy-Nachverfolgung und Stick-Datenspeicherung auf der Höhe der Zeit, wobei man sich ein wenig wundert, dass die altgediente DDR-Spionin gar so sehr auf die Wanzenverfertigung ihrer emsigen Asistentin angewiesen ist. Großartig allerdings, wenn Anne und ihr Kompagnon Youssef Kilali (Karim Chérif) bei der Chefin der dubiosen Pharmafirma undercover antichambrieren und angeblich im Dienste milliardenschwerer Investoren aus dem Nahen Osten eine vielversprechende Wertanlage suchen.

Das ist, auch weil Düsseldorf am Rhein, geschickt in Szene gesetzt, so großzügig wie New York am Hudson River rüberkommt, großes Kino. Dennoch dürfte sich die Reihe vor allem für die Freunde der Mediathek und des Streamings eignen. Eine Quersichtung ist angeraten, im linearen Programm sind die jährlichen Abstände zwischen den Folgen doch arg lang. Zehn Filme wurden zunächst angepeilt, doch gehe die Planung bereits darüber hinaus, verrät der 1966 in Ostberlin geborene Serienerfinder und Autor aller Folgen, Ralf Kinder, im ARD-eigenen Interview.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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