03.03.2021 Armin Maiwald im Interview

Der Mann hinter der Maus

von Lara Hunt
Armin Maiwald und die Maus: ein echtes Dreamteam.
BILDERGALERIE
Armin Maiwald und die Maus: ein echtes Dreamteam.  Fotoquelle: Michael Lübke

Mit Armin Maiwald zu sprechen, ist, als würde man einer Sachgeschichte zuhören. Vor 50 Jahren hat er die "Sendung mit der Maus" miterfunden – und ist auch mit 81 Jahren noch dabei.

Herr Maiwald, als Sie damals die Maus ins Leben gerufen haben, hätten Sie sich vorstellen können, dass es sie 50 Jahre später immer noch gibt?

Nein, niemals. Da gab es gar keinen Gedanken dran, und damit hätte auch niemand gerechnet.

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Wie lief es denn zu Anfang?

Sperrig. Unsere ersten Versuche sind eher auf Ablehnung gestoßen. Das sei viel zu schnell, das ginge über die Köpfe der Kinder hinweg. Am Anfang haben wir nur Bilder gezeigt, da hieß es dann: "Ihr benennt die Dinge nicht und gebt auch noch eine rosarote Soße an Musik hinzu." Wir haben mit neuer Musik gearbeitet – und die Geschichten durften nicht länger sein als ein Musikstück. Da hieß es, das sei zu schnell. Gemessen am heutigen Schnitt war es gemütlich langsam. Dass die Sendung überleben würde, war damals nicht garantiert.

Wann hat sich das gewandelt?

Es hat ein paar Jahre gedauert. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass die Sendung 1972, 1973 populärer und langsam geschätzt wurde.

Hat sich die Maus in den vergangenen 50 Jahren verändert?

Ja, auf der einen Seite komplett. Auf der anderen gar nicht. Wir haben jetzt schnellere Schnitte und kürzere Einstellungen. Und auch die Themen haben sich geändert. Nicht alle. "Warum ist der Himmel blau?" und "Warum ist Wasser durchsichtig?" sind geblieben, weil jedes Kind, das neu geboren wird, die Welt neu entdecken will. Aber es gibt eben auch neue Fragen, zum Beispiel: "Woher weiß das Handy, dass ich auf der Domplatte stehe?" Das sind Themen, mit denen wir uns heute rumschlagen. Das ist gar nicht so einfach: Elektronik kann man ja nicht sehen. Es ist eine Welt, die einem so unbekannt ist wie 1000 Meter unter der See. Deshalb arbeiten wir mit Analogien, um sie begreifbar zu machen.

Das hält doch sicherlich jung.

Natürlich. Jede Generation hat neue Fragen, und wir sind nicht Dr. Allwissend. Wir müssen uns da reinknien und erst mal selbst verstehen, um dann die Geschichte erzählen zu können. Da wird man jedes Mal neu gefordert.

Dann sind Sie doch sicherlich sehr digitalaffin.

Nicht unbedingt. Wir schneiden digital – aber das, was die Kinder nach uns können, die damit aufgewachsen sind, werden wir nie erreichen. Und ich bin auch kein großer digitaler Spieler. Mein Sohn hat mal versucht, mir die Playstation näher zu bringen und gegen mich zu spielen, und ich habe versagt.

Nach Ihnen sind Schulen benannt. Wie fühlt sich das an?

Beim ersten Mal sehr merkwürdig. Ich habe mich erst mal erkundigt, was das für eine Schule ist, und erfahren: Es ist eine für Kinder mit Behinderungen. Dann bin ich da hin und habe mir das angeguckt. Und ich habe gesehen: Das ist eine Schule, an der sich die Lehrer unglaubliche Mühe geben, damit diese Kinder eine Chance haben. Die meisten schaffen einen Hauptschulabschluss, und alle sind sehr stolz, wenn es für einige Kinder weiter auf die Realschule geht. Ich habe entschieden: Das ist eine gute Adresse. Dann kam noch eine andere Schule dazu, eine für Kinder ohne Behinderungen. Bei der ersten Schule wurde ich auch bei Zeugnisvergaben immer wieder eingeladen.

Haben Sie eine Lieblings-Sachgeschichte?

Meine Lieblings-Sachgeschichte ist immer die nächste, die ich mache, sonst wird nichts draus. Ich glaube die Hölle für Filmleute schlechthin wäre es, alle schlechten Filme, die sie gemacht haben, in Endlosschleife zu sehen.

Haben Sie denn schlechte Filme gemacht?

Das ist wie beim Bäcker: Nicht jedes Brötchen gelingt gleich gut. Brötchen backen ist eine Wissenschaft – das habe ich gelernt. Filmemachen ist das auch, allerdings nicht nur, sonst hätte sich Hollywood das perfekte Verfahren schon patentieren lassen. Selbst in Hollywood gibt es Filme mit einer super Besetzung, die trotzdem schlecht sind. Deshalb ist Filmemachen auch eine Kunst.

Ist Ihnen beim Filmemachen schon mal etwas richtig schiefgelaufen?

Schiefgelaufen weiß ich nicht, aber wir sind ein paarmal gescheitert. Auf einige Fragen gibt es einfach keine Antworten. "Wo wohnt der liebe Gott?", zum Beispiel. Wir hatten auch mal die Frage, warum sich einige Blüten an Blumen zu einer bestimmten Uhrzeit öffnen und zu einer anderen wieder schließen. Drei Jahre lang, haben wir versucht, die Antwort zu finden. Es war unmöglich; kein Mensch weiß, warum.

Was war der ungewöhnlichste Ort, den Sie besucht haben?

Oh, da gab es viele. Wir waren unter Tage im Kohlekraftwerk und unter Tage im Salzbergwerk. Wir haben in einem Atomkraftwerk gedreht. Ich stand auf dem Reaktor und konnte die Brennstäbe unten sehen. Wir waren in einem Modell der ISS… Da waren schon wahnsinnig viele ungewöhnliche Orte mit dabei.

Haben Sie eine Lieblings-Lachgeschichte?

Was ich sehr liebe, ist der kleine Maulwurf aus Prag. Aber von dem gibt es leider keine neuen Folgen mehr. Ich mag auch Lehrer Linke sehr.

Sie sind jetzt 81 Jahre alt, und denken trotzdem nicht an Rente?

Nein. Ich bin nie festangestellt gewesen und habe nie in die Sozialversicherung eingezahlt. Aber es gibt doch für selbstständige Kulturschaffende wie Sie die Künstlersozialkasse. Damals, als ich angefangen habe, gab es die noch gar nicht. Ich habe mit einer Lebensversicherung vorgesorgt, und das Geld aus der Versicherung ist in den Hausbau geflossen.

Spaß haben Sie aber trotzdem noch an Ihrem Beruf?

Natürlich! Jede neue Frage ist eine neue Herausforderung. Die Themen sind so vielfältig, und es ist spannend, Experten zu treffen, sie auszuquetschen und ihnen die Wahrheit zu entlocken. Als Erstes muss man immer an den Punkt kommen, es selber zu verstehen, und seine grauen Zellen dafür anstrengen. Das macht Spaß, man lernt immer wieder Neues dazu.

Wie schafft es die Maus, Kinder weiter zu begeistern? Heute ist die Konkurrenz doch auch durch das Internet viel größer.

Das stimmt, und das kann man nicht schönreden. Heute gibt es eine ganze Generation Kinder, die kein Fernsehen mehr gucken und im Internet unterwegs sind. Aber dorthin streckt die Maus ja auch ihre Pfoten aus und schafft es, sie über den Weg zu erreichen.

Wie werden Sie den Maus-Geburtstag feiern?

Ganz ruhig, fürchte ich. Nicht wie beim 25. Geburtstag, als in Köln der Bär abging und Tausende auf dem Roncalliplatz waren. Durch Corona kann es ja gar keine Feier geben. So wird sich wohl jeder selbst zu Hause zuprosten und herzlichen Glückwunsch wünschen.

TV-TIPP

  • "Die Geburtstagssendung mit der Maus"
  • am 7. März, 9 Uhr
  • ARD

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