"Für immer und ewig"

"Unter anderen Umständen": Kann man einen Mörder lieben?

von Hans Czerny

Der Mord an einer Frau erinnert stark an einen Fall vor 15 Jahren. Hat der Täter von damals wieder zugeschlagen? Kriminalkommissarin Jana Winter ermittelt in ihrem 18. Fall im ZDF.

ZDF
Unter anderen Umständen – Für immer und ewig
Krimi • 01.03.2021 • 20:15 Uhr

Die Flensburger Kommissarin Jana Winter (Natalia Wörner) hat Zweigel. Sie will einfach nicht daran glauben, dass alles so ist, wie es zunächst aussehen mag. Hat wirklich derselbe Mann, der vor 15 Jahren einen Mord an einer jungen Frau beging und seitdem im Gefängnis sitzt, noch einmal zugeschlagen? Alle Spuren weisen darauf hin: ein rotes Seil, wie es Segler verwenden und mit dem das Opfer heute wie damals erdrosselt wurde, selbst eine DNA-Spur wird gefunden. Während Jana Winter die Ermittlungen aufnimmt, beobachtet eine Nachbarin durchs Fenster die Szenerie. Sie ist die Verlobte des Verdächtigen, den sie über eine Brief-Plattform kennen und lieben lernte. Zur Tatzeit hatte Jan Littkovski (Karsten Antonio Mielke) Freigang, sie hatten zusammen mit einem Essen Geburtstag gefeiert.

Auch in der 18. Episode der ZDF-Montagsreihe "Unter anderen Umständen" (Drehbuch: Elke Rössler, Regie: Judith Kennel) geht es um mehr als nur um das Rätsel, wer der Mörder war. Vorurteile und die Frage nach der wahren Liebe sind im Spiel.

Nicht zuletzt dank des stark durchtypisierten Flensburger Polizistenteams werden vor allem männliche Vorurteile offengelegt. Für Janas Kollegen Hamm (Ralph Herforth) ist klar: Der Täter kann nur Jan Littkowski gewesen sein. Alle Indizien sprechen dafür. Zumal sich das Alibi, das ihm die Brieffreundin und Verlobte Doreen Hahn (Bettina Stucky) gibt, in Luft auflöst.

Wenn Frauen sich in Möder verlieben

Schwerwiegender noch, dass Littkowski eine weitere Geliebte "draußen" hat. Man kennt das ja, glauben vor allem Männer zu wissen: Schwerstverbrecher, die hinter Gefängnismauern sitzen, werden von Frauen häufig leidenschaftlich geliebt. Ein Helfersyndrom, abenteuerliche Neugierde und Selbsttherapie mögen die Auslöser sein.

Doch die zunächst tragisch anmutende Liebe zwischen einem Ex-Mörder und seiner Verlobten wird bald gängigen Krimimustern preisgegeben. Die Kommissarin ermittelt stets streng und knapp: "Name, Anschrift!" fordert sie, als der Verdächtige erst einmal die Auskunft bei der Frage nach einer weiteren Geliebten verweigert. Dass sie dann selbst vom Dienst suspendiert wird, ist eher schablonenhaft – allerdings kommt so der stets coole "Ersatzmann" Arne Brauner (Martin Brambach) besser ins Spiel.

Weil ja sowieso klar ist, dass Littkowski, der so hochgradig Verdächtige, kaum als Täter infrage kommen kann – das wäre denn doch zu banal – soll als Erkenntnis dieses ZDF-Krimis gesagt sein: Liebe zwischen Gefangenen und Frauen in Freiheit ist möglich. Etwas mehr Beweismittel dafür hätte man sich allerdings gewünscht. "She's my baby, I'm her honey" singen sie raukehlig im gut gewählten Begleitsong zuletzt. Mehr von dieser Halbweltattitüde hätte man diesem Montagskrimi sicher gewünscht.

Ein weiterer Film der erfolgreichen Reihe wurde Ende des vergangenen Jahres abgedreht. Diesmal müssen Jana Winter und ihr Team im Darknet ermitteln.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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