So sagte Hengasch "tschüss"

"Mord mit Aussicht": ARD wiederholt Kultfilm mitten in der Nacht

von Eric Leimann

Mit einem Spielfilm fing 2015 die überaus beliebte Serie "Mord mit Aussicht" zu Ende. Für das kommende Jahr ist eine Neuauflage angekündigt. Nun zeigt die ARD noch einmal die Komödie.

Trotz einer Flut neuer Serien sorgte Ende Januar die Nachricht der Reaktivierung einer alten Produktion für Schnappatmung: Die ARD-Kultserie "Mord mit Aussicht" wird 2022 fortgesetzt – mit neuem Cast. Katharina Wackernagel statt Caroline Peters, Sebastian Schwarz statt Bjarne Mädel und Eva Bühnen statt Meike Droste. Das skurrile Trio von der kleinen Polizeidienststelle in Hengasch hat man für die Neuauflage einfach mal komplett ausgetauscht. Wer sich die Wartezeit auf neue Folgen verkürzen will – mindestens ein Jahr wird das Wiedersehen mit Hengasch wohl noch dauern – kann in "Ein Mord mit Aussicht", dem kultigen 90-Minuten-Special von 2015, am Mittwoch, 3. März, 0.05 Uhr, im Ersten, noch einmal sehen, wie sich die alte Besetzung verabschiedete.

Die Bewerbung der strafversetzten Eifel-Kommissarin Sophie Haas (Caroline Peters), die endlich nach Köln zurückkehren möchte, wurde mal wieder abgelehnt. Im Traum schlägt sie den dafür verantwortlichen Entscheider, den korrupten Beamten Jogereit (Matthias Mattschke), gar k.o. Bald darauf hat Sophie jedoch persönlich mit jenem Herrn Jogereit zu tun. In dessen Ferienhaus in der Nachbarschaft von Hengasch wurde eingebrochen. Kurze Zeit später ist Jogereit tot. Sandra Holm (Nina Proll), die zuständige Kommissarin aus dem Nachbarort, findet Sophie Haas mit rauchender Schusswaffe neben der Leiche. Da bekannt ist, dass Sophie zum Opfer ein miserables Verhältnis hatte, ist sie logischerweise Haupttatverdächtige. Nach drei Staffeln und 39 Folgen "Mord mit Aussicht" beendete dieser Spielfilm im Dezember 2015 eine der lustigsten und erfolgreichsten Serien in der jüngeren ARD-Geschichte.

Regisseur Jan Schomburg ("Über uns das All", "Vergiss mein Ich"), ein Neuling im "Mord mit Aussicht"-Universum, inszenierte dieses Special nach einem Drehbuch von Benjamin Hessler ("Rammbock"). Der erdachte neben anderen "Mord mit Aussicht"-Folgen auch "Tod eines Roadies", jene legendäre Episode mit der Band Fraktus. Die beiden Kreativen erschufen gemeinsam mit dem gewohnt hochklassigen Ensemble einen kurzweiligen, aber bisweilen etwas überdrehten Hengasch-Abendfüller.

Überhaupt war die Hengasch-Euphorie keine, die von Anfang an das Publikum erfasste. Nachdem die 2008 gestartete Serie zunächst Schwierigkeiten hatte, beim Publikum anzukommen, entwickelte sich die lakonische Erzählung über Landleben, Langsamkeit und Langeweile mit der Zeit immer mehr zum TV-Hit. So musste das Leiden der Sophie Haas, die eigentlich ja möglichst schnell wegwollte, immer wieder verlängert werden. Zwischen Januar 2008 und Dezember 2014 kamen so drei Staffeln "Mord mit Aussicht" zusammen.

Gerne hätten die Programm-Verantwortlichen weitergemacht, doch vor allem Hauptdarsteller Bjarne Mädel äußerte sich immer wieder kritisch zu Produktionsbedingungen und fehlender kreativer Weiterentwicklung. Überragend kreativ und neuartig war die Serie tatsächlich nur in ihrer ersten Staffel. Vor allem im Film "Ein Mord mit Aussicht" spürte man hingegen, dass der Stoff auserzählt sein könnte. So mancher Gag wirkt wiederholt, das Schauspielergesicht dazu situativ recycelt. Ein Beleg dafür, dass man Serien auch bei großem Erfolg – aus kreativen Gründen – dann beenden sollte, wenn es nichts Aufregendes mehr zu sagen gibt. Das gilt auch für eine Serie über Langeweile. Vielleicht weiß ja die Neuauflage mit neuer Energie und ausgetauschten Kreativen zu überzeugen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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