ARD-Reihe um blinde Anwältin

"Die Heiland": Neustart mit einer neuen Hauptdarstellerin

von Eric Leimann

Nach dem tragischen Tod der Hauptdarstellerin Lisa Martinek im Sommer 2019 wird die ARD-Serie "Die Heiland" um eine blinde Anwältin nun mit einer neuen Schauspielerin fortgesetzt. Christina Athenstädt ("Familie Dr. Kleist") ersetzt – ziemlich beeindruckend – den Star der ersten sechs Folgen.

ARD
Die Heiland – Wir sind Anwalt: Unter die Haut
Serie • 28.04.2020 • 20:30 Uhr

Als Lisa Martinek am 28. Juni 2019 völlig überraschend während eines Italienurlaubs starb, waren die Vorbereitungen zur zweiten Staffel der ARD-Serie "Die Heiland – Wir sind Anwalt" ziemlich weit gediehen. Kurze Zeit später sollte mit dem Drehen begonnen werden. Durch den Tod Martineks, die mit ihrer starken Verkörperung der realen Vorlage zur Serie – Juristin Pamela Pabst – den Ankerpunkt des Geschehens darstellte, erwarteten viele, dass "Die Heiland" eingestellt werden würde. Die ARD dachte anders und plante eine Fortsetzung mit der neuen Hauptdarstellerin Christina Athenstädt ("Familie Dr. Kleist"). Jetzt sind sechs neue Folgen im Programm.

Zum Auftakt wird die blinde Berliner Anwältin Romy Heiland (Athenstädt) vom im Knast sitzenden Tätowierer Raik Hellmich (Marko Dyrlich) gebeten, seinen Fall noch einmal aufzunehmen. Hellmich hatte vor einigen Jahren gestanden, seinen besten Freund erschlagen zu haben, als dieser Raiks Freundin Peggy (Anja Gräfenstein) vergewaltigen wollte. Mittlerweile hat besagte Peggy einen Neuen. Und Raik gibt an, sie selbst habe damals den gemeinsamen Freund erschlagen, er allerdings hätte seine damals schwangere Freundin mit einer Falschaussage vor dem Gefängnis schützen wollen.

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Trotz des dringenden Rates ihres Umfeldes, unter anderem ihrer Eltern (Rüdiger Kuhlbrodt, Peggy Lukac) und Staatsanwalt Rudi Ilic (Aleksandar Jovanovic), von dem statistisch extrem selten erfolgversprechenden Instruments der Wiederaufnahme eines Verfahrens Gebrauch zu machen, gehen Romy und ihre Assistentin Ada Holländer (Anna Fischer) ans Werk. Während sie im Umfeld des Tattoo-Studios ermitteln, haben die beiden ungleichen Frauen aber auch private Sorgen: Romys Ex Ben (Peter Fisseler) kehrt aus dem Ausland zurück und bringt keine guten Neuigkeiten mit. Auch Ada, die dringend mal Urlaub von ihrer Chefin bräuchte, ist frustriert: Ihr notorisch klammer Bruder Ringo (Tim Kalkhof) will per "todsicherem Tipp" ins Wettgeschäft einsteigen, um die Miete der Geschwister-WG stemmen zu können.

Die 41-jährige Christina Athenstädt, Mutter einer 2011 geborenen Tochter, habe sich nicht um die Rolle gerissen, erzählt sie im Interview. Zum Casting sei sie mit eher gemischten Gefühlen gegangen. "Anstatt Vorfreude waren da viele Zweifel." Klar, da alle Darsteller des Haupt-Casts um sie herum gleich blieben – dazu kamen viele Mitarbeiter hinter der Kamera – hätte sie leicht das Gefühl bekommen können, man betriebe Leichenfledderei oder würde zumindest als "Ersatz-Schauspielerin" wahrgenommen.

Da jedoch alle im Team um diese Problematik wussten, fühlte sich Christina Athenstädt während der Dreharbeiten dann doch gut aufgehoben. "Ich habe gemerkt, dass jeder, dem ich begegne, um genau diesen Fakt weiß und mich dabei unterstützt, das Beste aus der Rolle und der Situation zu machen." Tatsächlich spielt Athenstädt, physiognomisch ein ähnlicher Typ wie Martinek, deren Rollen verblüffend ähnlich – und gut. Die Absolventin der renommierten Berliner Schauspielschule "Ernst Busch" konnte wie Martinek während der ersten Staffel auf die beratende Unterstützung der realen Vorlage zur Serienfigur, der blinden Berliner Anwältin Pamela Pabst, zurückgreifen. Auch alle andere Darsteller der Folgen eins bis sechs blieben im Boot – was die etwas skurrile Konstellation erschuf, dass Christina Athenstädts Ehemann im wirklichen Leben, Peter Fieseler, nunmehr ihren Serien-Exfreund Ben Ritter spielt, bei dem sie sich immer noch Hoffnungen macht.

Sechs neue Folgen von "Die Heiland – Wir sind Anwalt" sendet das Erste an den kommenden Dienstagen um 20.15 Uhr. Die gute Nachricht ist, dass durch den Wechsel der Hauptdarstellerin kein spürbarer Bruch entstand. Die ordentlich geschriebenen Fälle, die sensible Darstellung einer behinderten Frau, die einem komplexen Berufsalltag stemmen muss, und auch die stimmungsvollen Berlin-Bilder (Regie: Oliver Dommenget, Christoph Schnee) machen aus dem erfolgreichen ARD-Produkt (durchschnittlich 4,25 Millionen Zuschauer sahen Staffel 1) eine TV-Serie der klassischen Art, die ihre Fans weiterhin zufriedenstellen wird.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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