"Fluch aus der Tiefe"

"Die Toten vom Bodensee": mysteriöser Tod eines Tauchers

von Wilfried Geldner

Ein Taucher wird mit zugenähtem Mund aufgefunden, darin finden die Ermittler eine alte Goldmünze. Steckt etwa ein Hexenfluch dahinter? Oder handelt es sich um einen "normalen" Mord. Verdächtige gibt es jedenfalls genug.

ZDF
Die Toten vom Bodensee – Fluch aus der Tiefe
Krimi • 10.02.2020 • 20:15 Uhr

Wenn sie mit ihrem T2 so durch die Gegend am Bodensee fahren, möchte man den Grenz-negierenden Kommissaren Micha Oberländer (Lindau, Matthias Koeberlin) und Hannah Zeiler (Bregenz, Nora Waldstätten) eigentlich nichts Böses wünschen. Doch die Frühlingsidylle wird in "Die Toten vom Bodensee – Fluch aus der Tiefe" von einem Hannibal-Lecter-mäßig drapierten Toten empfindlich gestört. Im mit dicken Fäden zugenähten Mund hält der Mann eine alte Münze versteckt, die der Spurensicherer mit der Pinzette zutage befördert. Da möchte man mit Oberländers Bulli flüchten. Doch der Weg führt ins tiefste Mittelalter, zumindest was den Hexenglauben betrifft.

Noch im 17. Jahrhundert ließen die Kirchenväter vom Bodensee Münzen aus Kirchengold gießen, um der Pest zu entkommen, als deren Verursacher man Hexen ausfindig machte. Doch das Gold war gefälscht, die versöhnend gemeinten Münzen aus Kupfer, weshalb die Rache der Hexen noch ein paar hundert Jahre auf sich warten ließ, aber bei der Entdeckung des alten Münzschatzes eben doch kam: Welch ein schrecklicher Tod!

Kaum einer mag an den alten Hexenfluch glauben. Vielmehr gilt es für den immerhin bereits zehnten Bodensee-Fall, die Mystery aufs Neue mit dem Whodunit-Krmi zusammenzuzwingen – und dieses Unterfangen ist, wie sich denken lässt, verteufelt schwer. Nach und nach serviert der Drehbuchautor Timo Berndt die Brocken aus vergangenen Zeiten – die des Hexenfluchs und die der allerjüngsten Vergangenheit. Alsbald wird man nämlich auf einen Familiennotstand verwiesen. Das Geschäft einer Fischerin vom Bodensee (Aglaia Szyszkowitz) läuft seit dem Tod ihres Mannes derart schlecht, dass man sich auf die Entdeckung des Sagengoldes verlegte und sündteure Forschungen betrieb, um aus den existentiellen Nöten herauszukommen.

Wichtig zu wissen, dass vor allem die Fischerstochter Stefanie (Julia Franz Richter) gemeinsam mit ihrem jetzt schändlich zugerichteten Verlobten die schwierige Suche betrieb. Der Verlobte hatte allerdings Mutter und Tochter, wie sich herausstellt, bei der Schatzsuche finanziell hintergangen. Wer aber hat ihn ermordet?

Die Verdächtigen sind kaum an einer Hand herzuzählen. In Frage kommen der frühere Freund der Tochter (Eifersucht?), aber auch eine Neuhexe, die laut Kommissar Oberländer Heilkräuter "zu Apothekenpreisen" verkauft, macht sich verdächtig. Und dann ist da auch noch ein Restaurator, der im Pestbunker der nahen Kirche gearbeitet hat und sich auskennt mit der Goldmünzen-Vergangenheit ...

Ach ja, es ist ein beschwerliches Ermittlertreiben der Grenzgänger am Bodensee, zumal sich ja auch Micha und Hannah obendrein noch fortwährend bekriegen. Er macht den Wüterich, seine Frau ist gestorben, und gibt sich nun als Alleinerzieher die Schuld, wie die Kenner des horizontalen Serienkrimis wissen. Gut, dass ihm irgendwann der Oberkommissar Komlatschek (Hary Prinz) beim dargebotenen Pflümli die Meinung geigt: "Sie sind ein lächerliches Arschloch, Prost!" – Das ist so schön gesprochen wie sonst nur im freimütigen "Landkrimi" des ORF, der diesen Film bereits Anfang Januar (in ORF 1) gesendet hat. Um das Positive hervorzuheben, sei aber der Regie (Michael Schneider) vor allem dafür gedankt, dass sie sich optischer Phantasien aus dem Legendenbereich asketisch enthalten hat. Man war auf die Ansicht schlichter Holzschnitte in alten Kirchenbüchern angewiesen. Kompliziert und beschwerlich bleibt dieser kriminalistische Sagenritt über den Bodensee aber letztlich doch.

Die Toten vom Bodensee – Fluch aus der Tiefe – Mo. 10.02. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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