Der "Starnbergkrimi" von 2014, den der BR nun nochmals zeigt, jongliert mit Bayern-Mythen und Reichen-Klischees. Trotz erhöhten Stil-Willens bleibt der Heimatkrimi etwas brav.

Kaum zu glauben, aber offenbar wahr: Es ist derselbe aufgedunsene Körper, ein mächtiger Wanst, ein eher bizarrer als aristokratischer Bart. Und natürlich dürfen die von zu vielem ungebremsten Naschen verfaulten Zähne nicht fehlen. Wen die verdutzten Polizisten am Ostufer des Starnberger Sees aus dem Wasser ziehen? Das ist doch tatsächlich "der Kini". So wird noch immer durchaus ehrfürchtig der legendäre bayerische Märchenkönig Ludwig II. genannt. Doch der Kini-Wiedergänger ist tot, gestorben auf dieselbe mysteriöse Weise wie einst der reale Monarch. Für den sehenswert bizarren, dabei aber etwas zu "brav" gebliebenen Dominik-Graf-Film "Die reichen Leichen. Ein Starnbergkrimi" (2014), den das BR-Fernsehen nun wiederholt, ist der abgesoffene Regent Ausgangspunkt für eine wild wuchernde Bayern-Mythen-Ermittlung im Postkartenidyll.

Der tote Ludwig-Doppelgänger (Martin Feifel) bleibt nicht das einzige Verbrechen, mit dem sich Lu Reinhold (Andreas Giebel), Revierleiter der Polizei Starnberg, herumschlagen muss. Schon bald ereilt ihn und seine neue Kollegin Ariane Fink (Annina Hellenthal) ein schicksalshafter Anruf: Ausgerechnet "die Sissi" wurde entführt. So nennen alle Reichen und Schicken am See das Millionärstöchterlein (Alicia von Rittberg), das ebenso unglücklich wirkt wie die einstige bayerische Fürstentochter und spätere österreichische Kaiserin, die man ebenfalls aus den Heimatfilmen kennt. Gibt es tiefere Verbindungslinien, die beide Fälle zusammenführen könnten?

Die Besetzung, unter anderem mit Hannes Jaenicke als Schnösel-Papa, Eisi Gulp als schrullig-fanatischem Kini-Experten sowie Saskia Vester als resolute Revierpolizistin, ist erstklassig. Dennoch bleibt das schale Gefühl, dass sich der mehrfache Grimme-Preisträger Dominik Graf diesmal selbst ein wenig an die Leine nahm. Was der Regisseur gemeinsam mit Drehbuchautor Sathyan Ramesh entwickelt hat, bleibt trotz der Stilisierung und der zu erwartenden Verzerr-Effekte unterm Strich ein eher biederer Krimi.

Die reichen Leichen. Ein Starnbergkrimi – Sa. 07.03. – BR: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH