Mit ihrem 24. (Fernseh-)Fall, "Endlich mein", kehrt Donna Leon an den Entstehungsort der gesamten Krimi-Reihe zurück. In Venedigs Opernhaus La Fenice fing zumindest der eigenen Legende zufolge alles an: 1992 will die damals 50-jährige Leon mit dem sizilianischen Dirigenten Gabriel Leveto und dessen Frau zusammengewesen sein, als die Rede auf einen deutschen Dirigenten kam, der "ein ziemliches Ekel war". So entstand die Idee, den Mann in der Pause zum letzten La-Traviata-Akt mit Zyankali zu vergiften – gesagt getan. Natürlich nur im Roman! Jetzt, im neuen Fall, ist – zumindest beinahe – eine ehemals gefeierte Sopranistin an der Reihe. Jemand hat es auf die Darstellerin der Tosca abgesehen. "Warum bloß?", müssen sich Commissario Brunetti (Uwe Kockisch) und sein fleißiger Helfer, Sergente Vianello (Karl Fischer), fragen.

"Venezianisches Finale" hieß der erste "Commissario Brunetti"-Roman von 1992, im Fernsehen der fünfte Film, 2003. Flavia Petrelli, die Sängerin, spielte damals eine eher unbedeutende Nebenrolle. Sie war die lesbische Freundin einer Archäologin, die ein übler Dirigent zwecks Erpressung outen wollte.

Etwas umständlich und reichlich ungefähr in der Beziehung zum Commissario kehrt nun die Petrelli nach Venedig zurück, um dort ein gewagtes Comeback in der Rolle der Tosca zu feiern. Die Nerven der mittlerweile in die Jahre gekommenen Diva liegen blank, zumal am Theater soeben ein Streik im Gange ist, den zumindest Vize-Questore Patta (Michael Degen) für die Ursache übler Auswüchse hält. Erst wird ein Theater-eigenes Taxi-Boot in Brand gesetzt, und dann wird auch noch eine den Streik brechende Garderobiere ermordet. Der Bruder der Dame, Anführer der Bühnengewerkschafter (Edin Hasanovic), gerät zumindest in Pattas Augen unter Verdacht, denn er ist entflohen.

Leider wissen Brunetti und sein Helfer nicht zuletzt dank der schlauen Computerexpertin Signorina Elettra (Annett Renneberg) sehr bald schon Besseres: Eine Stalkerin zieht ums Operngemäuer, ein gefährlicher Fan, der einst selber Sängerin werden wollte, mit diesem Ansinnen aber nicht weit kam. Nun weicht sie ihrem Star, der geworden ist, was sie nicht wurde, nicht mehr von der Seite. Mehr noch: Sie plant für "ihren" Star ein höchst spektakuläres blutiges Bühnenende.

In Leslie Maltons Haut möchte man in diesem Fall nicht stecken, nicht als Figur und nicht als Darstellerin. Auch wenn die Schauspielerin ihre Tosca nicht auf der Bühne singen muss – schon die Proben wirken reichlich mühevoll, da wird viel grimassiert. Der Kollege Tenor, Vladimir Korneev als Cavaradossi, ist da ein Stück voraus, er lässt die berühmten "Sterne" gelegentlich tatsächlich "leuchten". Für die Macher des Opernkrimis aber bleibt diese beinahe tödlich verlaufende Tosca-Aufführung ein schwerer Brocken. Man konnte sich offensichtlich zwischen Komischer Groteske und einem veritablen Künstlerdrama – schwer ist die Kunst und risikoreich, besonders wenn man älter wird! – nicht entscheiden.

So bleibt es bei einem viel zu früh aufgelösten Fall, dem selbst die üppigen Venedig-Bilder nicht so recht auf die Beine helfen. Uwe Kockisch, immerhin ein zuverlässiger Ermittler mit Charisma, der stets sein Deutsch-Sein vergessen lässt, wirkt diesmal eher lakonisch desinteressiert, möglicherweise fand er die behauptete alte Freundschaft zur Sopranistin doch allzu verquält. Dem Zuschauer aber ergeht es fast wie dem Vize-Questore – der schläft nämlich inmitten der Tosca-Aufführung ein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst