Es war einer der fürchterlichsten Schauplätze des Zweiten Weltkriegs: Die Soldaten Nazi-Deutschlands hatten einen Belagerungsring um die stolze Stadt Leningrad, die heute wie früher wieder Sankt Petersburg heißt, gezogen und die Millionen Einwohner als Kriegs-Geisel genommen. Keine Lebensmittel konnten in die Metropole geliefert werden, täglich starben viele Menschen an Unterernährung, Erschöpfung und schweren Krankheiten. Doch inmitten des Grauens sollte ausgerechnet Kunst für einen Hoffnungsschimmer sorgen: Der neue ARD-Dokumentarfilm von Christian Frey und Carsten Gutschmidt verfolgt das aberwitzige Unterfangen, im eingekesselten Leningrad die von Dmitri Schostakowitsch komponierte "Leningrader Symphonie" zur Erstaufführung bringen. Der "Dokumentarfilm im Ersten: Das Wunder von Leningrad" weckt bewegende Erinnerungen – mit prominent besetzten Spielszenen, historischen Zeitzeugen und viel wunderbarer Musik.

Es war der August 1942, als der Hunger in der belagerten Stadt am Größten war: Ausgerechnet damals bekam der Dirigent Karl Eliasberg einen nahezu unmöglich erscheinenden Auftrag. Er sollte die letzten noch einsatzfähigen Musiker des Rundfunkorchesters, notdürftig unterstützt auch durch viele talentierte Laien, zusammentrommeln, um mit ihnen das Schostakowitsch-Werk einzustudieren. Die Premiere des Werks sollte ein Symbol des Triumphs werden, um weit über Leningrad hinaus zu strahlen. Im Angesichts der Geschütze der Wehrmacht wollte so die Sowjetunion ihren unbeugsamen Überlebenswillen demonstrieren.

Tod und Zerstörung

Der packend inszenierte Film zeichnet das Ringen um Menschlichkeit im Angesichts von Tod und Zerstörung nach. Eingebettet ist das historische Geschehen in eine Spielhandlung, die auf beiden Seiten Licht und Schatten zeigen soll. Im Zentrum steht die junge Olga, deren Jugend eben noch von Musik und Theater geprägt war. Doch dann schließt sich der Blockadering um die alte russische Residenzstadt. 872 Tage dauert die Belagerung Leningrads, mehr als eine Million Zivilisten finden den Tod.

Auf der Seite der Wehrmacht, die Adolf Hitlers wahnwitzigen, menschenverachtenden Befehl ausführt, gibt es etwa mit dem deutschen Unteroffizier Wolfgang Buff auch Zweifler, die die Grausamkeiten an der Ostfront zunehmend abstoßen. Auch diese Perspektive erzählt der Film in seinen vielen aufwendigen Spielhandlungen. Zusätzlich haben die Filmautoren noch einige überlebende Zeitzeugen vor die Kamera gebracht.

In der fiktiven Re-Inszenierung geschieht dann tatsächlich das titelgebende Wunder: Nachdem zuvor ein tollkühner Sowjet-Pilot die Partitur der legendären 7. Symphonie in die eingeschlossene Stadt bringen konnte, übt das Rundfunkorchester unter Karl Eliasberg – und nimmt die Uraufführung in Angriff. Die Schostakowitsch-Klänge sind dann – zumindest im Film – nicht nur in der ganzen Stadt zu hören. Sie dringen auch bis zu den deutschen Stellungen vor.


Quelle: teleschau – der Mediendienst