Katharina Bruckner hat viel am Hals. Schließlich ist sie pädagogische Sozialarbeiterin bei einem Münchner Jugendamt. Die Fälle drängen sich: Viel zu junge Mütter bekommen Kinder, andere wieder sind depressiv und wollen nicht wahrhaben, dass sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. – Corinna Harfouch spielt in "Der Fall Bruckner" (2014) diese Dame vom Jugendamt, die jederzeit Herrin der Lage ist, mit klarer Kante, aber auch mit viel Liebe und Geduld. Als sie auf eine alleinerziehende Mutter trifft, eine Architektin, die die Bindung zu ihrem Kind irgendwann verloren hat, geht sie weit nach vorn – zu weit, wie ihre Vorgesetzten glauben.

Nicht genug, dass Katharina Bruckner voll in Beschlag genommen wird mit den Fällen auf dem Jugendamt: Obendrein, so ist sie sich längst sicher, geht ihr Mann, Chirurg von Beruf, auch noch mit einer Jüngeren fremd. Gut, dass Katharina nicht nur am Arbeitsplatz stark und unnachgiebig ist – sie stellt auch den heuchlerischen Partner (Bernhard Schütz) bald zur Rede, nimmt ihm die Maske vom Gesicht.

Spannender Zweikampf

Es ist nur eine von vielen dramatischen Konstellationen und Zuspitzungen, die diesem Fernsehfilm Spannung geben. Denn auch mit der eigenen Tochter, die beruflich nach Marrakesch will und den kleinen Sohn bei der Oma abliefert, muss sich Katharina mal wieder auseinandersetzen. Dass das alles dann aber doch keiner der üblichen aufmunternden ARD-Frauenfilme wird, verdankt man dem spannenden Zweikampf, den sich in all dem Getümmel Corinna Harfouch, die Frau vom Jugendamt, und die großartig gegen den Strich besetzte "Rabenmutter" Christiane Paul in gemessenen Abständen immer wieder liefern.

Obwohl schon bald alles darauf hinweist, dass hier eine im Beruf erfolgreiche alleinerziehende Mutter überfordert ist und sich offensichtlich des Öfteren zur Gewalttätigkeit gegenüber ihrem kleinen Sohn hinreißen ließ, verteidigt sich die Architektin Jaqueline Bremer mit allen Mitteln gegen jeden Verdacht und schreckt dabei auch vor knallharter Denunziation nicht zurück. Katharina versuche nach vielen Jahren noch immer, den Tod ihres eigenen Kindes mit ihrer Beflissenheit zu kompensieren und schieße weit über das Ziel hinaus, so vermeldet sie dem Jugendamt. Mit Erfolg, wie sich herausstellt: Katharina wird nach einer Kollegenkonferenz der Fall entzogen.

Unterhaltsam belehrende Kraft

Klar wirkt die Geschichte um Kinderschutz und Amtsanmaßung zuweilen recht modellhaft, wirken die Einzelfälle ein wenig wie dem sozialpädagogischen Lehrbuch entnommen. Doch dank starker Darsteller und einer stets unaufdringlichen Bildführung (Regie: Urs Egger, Kamera: Jakub Bejnarowicz) hat dieses Mutter-Kind-Drama eine unterhaltsam belehrende Kraft. Ob da nun ein Asylbewerber seine Tochter dank Katharinas Hilfe zurückbekommt oder die wieder schuldenfreie Internetradio-Ratgeberin erfreut feststellt: "Strom is' ooch wieder da!" – sie alle bereiten ein Happyend vor, bei dem sich zeigt, dass man sich wie Katharina Bruckner auf ganz unpathetische Weise ins Zeug legen kann. Mit solchen Frauen kommt viel Licht ins Dunkel.


Quelle: teleschau – der Mediendienst