Die Explosion in Nähe des Hamburger Hafens ist gewaltig. Hätte Bella Block (Hannelore Hoger) nicht gerade den Anruf ihres alten Freundes Simon bekommen und wäre daher ins Freie getreten, der Täter hätte sie im Auto des Oberstaatsanwalts Mehlhorn (Hansjürgen Hürrig) mit hochgejagt. Doch so ein Ende wünscht man keinem, vor allem aber nicht der Hamburger Ex-Kommissarin Bella Block. Schließlich hat sich Hannelore Hoger in der Rolle fast 25 Jahre lang verdient gemacht. Immer wieder mal nahm sie Abschied, schon 2009 sprach sie vom Ende, machte dann aber als Gelegenheitsermittlerin, die kein Alter kennt, überzeugend weiter. Ein Coup, den sich so nur die Hoger leisten konnte. In ihrem 38. und letzten Fall, "Am Abgrund", wird ihr noch einmal übel mitgespielt.

Man weiß es ja: Hannelore Hoger kann so selbstbewusst wie ruppig sein. Ihr jüngst herausgekommenes Buch heißt jedoch: "Ohne Liebe trauern die Sterne". Weniger die Erotik als die Achtung vor dem Nächsten ist damit gemeint. Die Achtung vor dem Nächsten: Wenn die einer nicht hatte, dann konnte er was erleben. Auch jetzt, in ihrem letzten Film schlägt die Kommissarin verbal wieder zu. Als der Generalstaatsanwalt Mehlhorns Tod mit einem Achselzucken quittiert, geht sie ihn mit einer vollen Breitseite an: "Mehlhorn hat 32 Jahre für die Stadt gearbeitet" giftet sie, "und Sie tun so, als würde irgendwo in Eppendorf eine Fliege von der Wand fallen. Schämen Sie sich!"

Mit ihrem Ex-Kollegen, Kommissar Schnaak (Rainer Bock), kommt sie bald einem mafiesken Verbund aus Korruption und Amtsmissbrauch auf die Spur – alles zugunsten einer Immobiliengesellschaft namens Glowo – Mieter werden mit amtlicher Hilfe aus ihren Wohnungen gemobbt und an den Stadtrand verlagert. Selbst der Generalstaatsanwalt ist mit im Bunde. Der Baudirektor sowieso, aber auch Corinna Harfouch als Familienrichterin, die für den raschen Abgang betagter Mieter sorgt und Bella alsbald zum rhetorischen Zweikampf bittet.

So richtig ins Bild passen will da nicht eine von einem leibhaftigen Teufel namens Morlock (Sabin Tambrea) angeführte Kinderbande, die auf brutalste Weise für allerlei Einbrüche abgerichtet wird. Mehr noch: Unter den Jugendlichen befindet sich auch Morlocks Schwester Tabea, ein beeindruckendes, zurückgebliebenes Kind, von Lilith Stangenberg erbarmenswürdig gespielt.

Die Geschichte einer Geschwisterliebe zwischen diesem Engel und ihrem brüderlichen Teufel, der als Bandenchef und Schläger andere Kinder drangsaliert, ist von der Autorin Susanne Schneider wie ein Fremdkörper ins Drehbuch hineingeschrieben, aber sie ist, Bella Block möge verzeihen, das Beeindruckendste und Verwegendste an diesem Film. Im übrigen fordert der Teufel Morlock die Ex-Kommissarin zu einem finalen Zweikampf heraus. Der Handlanger der Baumafia will sie am Ende auf möglichst raffinierte Weise quälen.

Aber Bella Block hat nicht nur einen neuen Hund, der ihr auf wundersame Weise aus Mehlhorns Auto übrigblieb, sie hat auch Freunde, die sie retten. Martensen (Devid Striesow), ihr früherer Assistent, ist so einer, Schnaak, der Kommissar, und natürlich Simon, ihr ferner Freund (Rudolf Kowalski). Mit ihm hat sie, als er sich von ihr verabschieden will nach all den Jahren, in denen sie sich nicht entscheiden konnte, die schönste, die traurigste Szene.

Ansonsten aber hat der Regisseur Rainer Kaufmann vor allem den ewigen Zweikampf zwischen Gut (Bella Block) und Böse (die korrupten Amtsträger) inszeniert. Ein theatralischer, blutiger Zweikampf, der nichts zu wünschen übrig lässt. Jetzt kommen die rauen Zeiten, scheint uns die letztlich unterlegene Bella Block als Botschaft zu hinterlassen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst